Gerhard Steintjes
Gerhard Steintjes spricht während einer Pressekonferenz. Foto: Patrick Pleul/Archiv dpa

Neue Lärmpausen für BER-Anwohner kommen vorerst nicht

Stichwort: Flughafen BER

Der neue Hauptstadtflughafen ist zu klein für die wachsende Zahl der Passagiere. Deshalb soll mit zwei Terminals operiert werden. Die Folgen dürften nicht allen Anwohnern gefallen.

Schönefeld (dpa) - Der geplante Weiterbetrieb des alten Schönefelder Terminals parallel zum neuen Hauptstadtflughafen bringt für einen Teil der Anwohner Nachteile. Für einige Jahre ausgeschlossen sind etwa die viel diskutierten Lärmpausen durch Nutzung nur einer Start- und Landebahn am späten Abend und am frühen Morgen, wie der Vorsitzende der Schönefelder Fluglärmkommission, Gerhard Steintjes, am Montag nach einer Sitzung des Gremiums deutlich machte. Nach Angaben des Flughafens wird das alte Terminal mindestens bis 2023 gebraucht. Zudem stellte die Deutsche Flugsicherung (DFS) Detailänderungen an den Flugrouten vor.

Grund ist, dass die Flughafengesellschaft das alte Schönefelder Terminal parallel zum BER weiterbetreiben will, um alle Passagiere abfertigen zu können. Das neue Terminal ist dafür zu klein. Am BER gilt ein Flugverbot von 0.00 bis 5.00 Uhr, zwei Stunden davor und eine Stunde danach gelten Einschränkungen. Auf zusätzliche Lärmpausen hatte Rot-Rot-Grün in Berlin im Koalitionsvertrag gesetzt.

Steht jedoch nur eine Piste zur Verfügung, müssten die Piloten wegen der Randlage des alten Terminals mit ihren Maschinen am Boden mitunter Wege von mehr als einer Viertelstunde bis zur Startbahn zurücklegen - womit faktisch die Betriebszeit der Flughafens weiter eingeschränkt würde, wie Steintjes erläuterte.

Die Flugsicherung will in einer Entfernung von 28 bis 46 Kilometern vom Flughafen die Anflugrouten leicht ändern. Dort flögen die Maschinen jedoch noch in 1200 bis 1800 Metern Höhe. «Wir glauben, dass es zu keiner Mehrbelastung kommt», sagte DFS-Planer Robert Ertler. Ziel sei es, die Maschinen gleichmäßig auf beide Start- und Landebahnen zu verteilen. Zudem sollen sie am Boden auf kurzen Wegen und ohne Kreuzung einer Piste ihr jeweiliges Terminal erreichen.

Die Flugsicherung gibt nach wissenschaftlicher Beratung aus Sicherheitsgründen Flugrouten-Varianten auf, bei der Maschinen in Einzelfällen nach dem Start von der Nordbahn sofort nach Süden abdrehen. Die Entscheidung führt zu einigen zusätzlichen Überflügen in Blankenfelde. «Es bleibt bei den 2012 festgelegten Flugrouten», versicherte die Flugsicherung. Die Änderungen seien nur marginal.

Das Bundesunternehmen bekräftigte, dass es den Eröffnungstermin für den Flughafen mindestens 13 Monate vorher erfahren muss, um Simulationen und Schulungen zu starten sowie das Betriebssystem weltweit zu veröffentlichen. Steintjes forderte mehr Unterstützung durch die Länder, damit die Kommission auch Gutachten einholen kann, um gemäß ihrem Auftrag die Flugsicherung zu beraten. «Mit 100 000 Euro im Jahr könnten wir schon was machen.»

Letzte Änderung: Montag, 20. Februar 2017 16:33 Uhr
Quelle: dpa

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