Im Büro trotz Krankschreibung
Ob ein kranker Mitarbeiter ins Büro kommt, entscheidet er selbst. Auch wenn der Arzt ihm eine Arbeitsunfähigkeit attestiert hat, muss er nicht zu Hause bleiben. dpa

Krank ins Büro: Erlaubt oder nicht?

Viele Arbeitnehmer schleppen sich trotz Krankheit zur Arbeit. Grundsätzlich verboten ist das nicht. In bestimmten Fällen darf der Chef jedoch Mitarbeiter sofort nach Hause schicken.

Viele Konzerne bieten Fitnessprogramme, damit die Mitarbeiter gesund bleiben. Der Autobauer Daimler plant sogar einen Bonus für Mitarbeiter, die selten ausfallen. Experten befürchten jedoch, dass mehr Arbeitnehmer sich deswegen trotz Krankheit ins Büro schleppen. Doch ist das überhaupt erlaubt? Wie ist die rechtliche Lage?

Darf ich trotz Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ins Büro?

«Ob ich arbeitsfähig bin oder nicht, entscheide ich selbst», sagt Hans-Georg Meier, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Selbst wenn der Arzt der Meinung ist, dass Arbeiten die Gesundheit beeinträchtigt, liegt die Entscheidung beim Mitarbeiter. Auch der Arbeitgeber könne dann nicht sagen: «Du bist krankgeschrieben, ich lasse dich jetzt hier nicht rein.» Ob Berufstätige wirklich krank zur Arbeit sollten, ist eine andere Frage. Bleiben sie zu Hause, können sie sich auf jeden Fall immer auf ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung berufen.

Darf der Chef Mitarbeiter bei Krankheit nach Hause schicken?

Das kommt drauf an. «Auf die reine Selbstgefährdung des Arbeitnehmers kann der Arbeitgeber hinweisen», sagt Meier. Möchte der dann trotzdem bleiben, ist das seine Entscheidung. Anders sieht es aus, wenn der Mitarbeiter die Kollegen gefährdet oder seine Arbeit nicht mehr ordentlich ausführen kann. Meier nennt Beispiele: «Der Kraftfahrer, dem schwindelig ist, kann natürlich nicht Lkw fahren.» Und wer einen eingegipsten Finger hat, kann unter Umständen nicht am Computer arbeiten. Dann kann der Chef Mitarbeiter auch nach Hause schicken.

Muss der Arbeitgeber die Art der Krankheit kennen?

Nein - nur in Ausnahmefällen. «Nur wenn die Erkrankung Auswirkungen auf den Arbeitsplatz hat, muss der Arbeitgeber informiert werden», sagt Meier. Das ist etwa der Fall, wenn der Mitarbeiter eine ansteckende Krankheit hat und Kollegen möglicherweise damit infiziert hat. Diese müssen sich dann testen lassen. Das gleiche gilt, wenn er etwa in der Produktion von Lebensmitteln tätig ist, und diese durch seine Erkrankung verunreinigt haben könnte.

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Quelle: dpa
(Bilder: dpa)