Eine Frau hat eine größere Geldsumme in der Hand
Zinsen gibt es derzeit kaum. Wohin also mit größeren Summen? Für Erben kann es eine Herausforderung sein, das Vermögen gut anzulegen. dpa

Geld geerbt: Größere Summen sicher anlegen

Wer eine größere Summe erbt, braucht das Geld oft nicht sofort. Es einfach auf dem Tagesgeldkonto zu parken, ist wegen der niedrigen Zinsen eine schlechte Idee. Wie man's besser macht.

Nicht jeder Erbe kann mit einer großen Summe rechnen. Doch auch eine Erbschaft von 100.000 Euro und mehr ist in Deutschland keine Seltenheit. Wer plötzlich so eine Summe geerbt hat, fragt sich: Wohin mit dem unverhofften Vermögen? «Zunächst geht es darum, das Geld innerlich anzunehmen», sagt Ute Voß aus Kiel, die als unabhängige Vermögensberaterin und Finanzcoach arbeitet. «Viele haben das Gefühl, ein geerbtes Vermögen nicht verdient zu haben.»

Kaum noch Zinsen für Tagesgeld

Bevor sie Vorschläge für die Geldanlage erarbeitet, sieht sich Voß erst einmal den konkreten Fall an. Also: Wie ist die persönliche Lebenslage - geht es um einen Selbstständigen oder einen Angestellten, gibt es Kinder oder müssen Schulden abbezahlt werden? Wenn das Geld in den nächsten Jahren nicht benötigt wird, etwa um einen Immobilienkredit abzuzahlen, sollte es angelegt werden. «Für Tagesgeld gibt es nur magere 0,5 Prozent Zinsen im Jahr und die werden auch noch von der Inflation aufgeknabbert.»

Geld in Aktienfonds und Mischfonds investieren

Wer nichts tut, macht also Verluste: «Auf dem Tages- oder Festgeldkonto wird das Vermögen derzeit nur weniger», sagt Prof. Max Otte von der Fachhochschule Worms. Dort sollten Anleger nur Geld parken, das sie in den nächsten fünf Jahren benötigen. Von einem Erbe von 200.000 Euro würde er maximal ein Viertel auf dem Termingeldkonto lassen. «Den Rest würde ich je zur Hälfte in zwei global aufgestellte Aktienfonds und in zwei Mischfonds investieren.»

Nicht zu viele deutsche Aktien

Ein diversifiziertes Portfolio empfiehlt auch der Fachbuchautor Markus Neumann. «Deutsche Aktien sollten nicht zuviel Platz im Portfolio einnehmen.» Ein klassisches Portfolio besteht aus Aktien und Anleihen, dazu eventuell noch etwas Rohstoffe und Edelmetalle. «Das sind alles liquide Investments, die man auch wieder verkaufen kann.» Die entscheidende Frage ist: Wie hoch sollte der Anteil im Wert schwankender Anlageformen sein? Dazu zählen neben Aktien auch Rohstoffe und Gold.

Klassische Anleihen bringen wenig Zinsen

«Klassische wertstabile Anlagen wie Anleihen sind sehr niedrig verzinst», erläutert Neumann, der unter anderem ein Buch für die Stiftung Warentest geschrieben hat. Als Renditebringer sind schwankende Werte deshalb unverzichtbar. Je länger der Anlagehorizont, desto eher kann der Anleger Schwankungen aussitzen. Entscheidend für die richtige Mischung ist daher, wann das Geld gebraucht wird: «Wer das Geld nach zehn Jahren zu 100 Prozent benötigt, sollte nicht alles in Aktien stecken.»

In Aktienfonds gestaffelt einsteigen

Aktienfonds brachten in den vergangenen fünf Jahren immerhin eine durchschnittliche Rendite von jährlich 6 Prozent. «Der Trick besteht darin, gestaffelt einzusteigen», erklärt Otte. Er würde alle sechs Monate 12.500 Euro in jeden der vier Fonds einzahlen. Nach eineinhalb Jahren sei so alles angelegt: «Sie gehen ja auch erstmal nur bis zu den Knien ins Wasser und nicht gleich kopfüber.» Auch Finanzberaterin Voß ermuntert Kunden mit einem Anlagehorizont von rund sieben Jahren dazu, in breit gestreute Fonds zu investieren. Schließlich habe kaum jemand die Zeit, sich jedes Unternehmen selbst anzuschauen.

Anleihefonds den Profis überlassen

Mischfonds enthalten neben Aktien auch andere Anlageklassen wie Anleihen oder Liquidität. So kann der Fondsmanager auf Entwicklungen am Markt reagieren. Von reinen Anleihefonds rät Otte ab: «Die Entscheidung über den Anleiheanteil im Portfolio würde ich den Profis überlassen.» Stattdessen sollten Anleger lieber verschiedene Fonds gegeneinander antreten lassen. «Ich persönlich bevorzuge gemanagte Fonds», sagt auch Voß. «Da sehe ich mir die Persönlichkeit des Fondsmanagers an und ob er ein Händchen dafür hat.»

Gebühren sparen mit ETFs

Während Mischfonds immer aktiv gemanagt werden, gibt es bei Aktien auch nicht gemanagte Indexfonds. Diese sogenannten ETFs bilden einfach einen Aktienindex ab und benötigen daher keinen Manager. Anleger könne so hohe Gebühren umgehen: «Die meisten gemanagten Fonds schneiden nicht besser ab als der Markt», sagt Neumann. Eine größere Summe würde der Autor in drei bis fünf Indexfonds investieren, die jeweils internationale Aktienindizes wie den MSCI World abbilden.

Wertpapierfonds kaufen

Wertpapierfonds sind also die richtige Wahl für langfristige Investments. Doch wo können Anleger die passenden Fonds kaufen? Prinzipiell gibt es dafür drei Möglichkeiten: beim Bankberater, bei einem unabhängigen Makler oder in Eigenregie über ein Online-Depot. «Wer zur Bank geht und dort zwei bis drei gemanagte Fonds kauft, macht schon mal nicht alles verkehrt», sagt Neumann. Doch optimal sei das Vorgehen deshalb noch lange nicht.

Bankberater nach ETFs fragen

«Ich rate zu einem Depot bei einer Direktbank», sagt der Finanzexperte. «Wer seine Geldanlage nicht selbst managen möchte, kann das auch einem Robo-Advisor überlassen.» Diese Finanzdienstleister verlangen nur eine geringe Gebühr und gewichten das Portfolio automatisch nach den Vorstellungen des Kunden. «Wer keinen Computer hat, sollte seinen Bankberater gezielt nach ETFs fragen.» Bankkunden sollten auch dann auf diesen Produkten beharren, wenn der Berater Vorbehalte äußert.

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Letzte Änderung: Dienstag, 13. Dezember 2016 10:59 Uhr
Quelle: dpa
(Bilder: dpa)