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Auch der hübsche Blauregen gehört zu den Giftpflanzen. dpa

Vergiftung durch Pflanzen: Kinder richtig behandeln

Naschen Kinder von Giftpflanzen wie Eibe, Tollkirsche oder Eisenhut, sollten Eltern schnell reagieren. Praktische Tipps für den Ernstfall.

Frühjahr und Sommer laden dazu ein, mit Kindern Flora und Fauna im eigenen Garten und in freier Natur zu erkunden oder dort zu spielen und herumzutollen. Doch im Grünen lauern auch Gefahren. Manche Pflanzen mit ihren attraktiven Samenständen, Beeren und Blättern ziehen Kleinkinder magisch an. Naschen sie von der einen oder anderen giftigen Pflanze, kann das eine Vergiftung hervorrufen- mit Symptomen wie Unwohlsein, Bauchschmerzen und Durchfall, Atemstörungen bis hin zum Kreislaufkollaps.

Welche Pflanzenarten sind für Kinder giftig?

„Vor allem Zwei- bis Dreijährige sind gefährdet, da sie ihre Umwelt gern mit dem Mund durch Lutschen oder Kauen erforschen“, sagt Michael Gärtner vom KKH-Serviceteam in Berlin-Charlottenburg. Zu den Klassikern in Gärten und Parks, bei denen der Verzehr von Pflanzenteilen schwere Vergiftungen hervorrufen kann, zählen Eibe, Tollkirsche, Eisenhut, Trompetenbaum oder auch Seidelbast. Eine offizielle Liste giftiger Pflanzenarten ist auf den Internetseiten der deutschen Giftinformationszentren einsehbar.

Was sind typische Symptome bei Vergiftungen mit Pflanzen?

In der Regel verlaufen Vergiftungsunfälle mit Pflanzen bei Kindern glimpflich. Zu verdanken ist das beispielsweise Schutzmechanismen unseres Körpers wie dem Erbrechen, das schwere Vergiftungen verhindert. Zudem treten bei etlichen Arten erst bei größeren Mengen an verschluckten Pflanzenteilen schwere Vergiftungssymptome auf. Kommt es dennoch zum Ernstfall, ist schnelles und richtiges Handeln erforderlich.

Welche Informationen benötigt der Giftnotruf?

„Hat ein Kind in einem unbeobachteten Moment Samen, Nadeln oder auch Wurzeln von einer Giftpflanze heruntergeschluckt, zeigt es vielleicht schon erste Begleiterscheinungen, bewahren Sie Ruhe“, rät Gärtner. „Nur so können Sie besonnen handeln.“ Rufen Sie eines der deutschen Giftinformationszentren an. Hier sind ärztliche Fachberater rund um die Uhr erreichbar und geben kostenlos Auskunft, was zu tun ist. Die entsprechende Telefonnummer sollte auf Festnetztelefonen und Handys gespeichert sein. Die Experten brauchen zu folgenden Punkten Auskunft:
- Art der Pflanze; falls nicht bekannt, eine möglichst genaue Beschreibung
- Welche Pflanzenteile verzehrt wurden und in welcher Menge
- Welche Symptome bislang beim betroffenen Kind aufgetreten sind
- Was bisher unternommen wurde

Welche Sofortmaßnahmen gibt es bei Vergiftung durch Pflanzen?

- Ein Glas kohlensäurefreies Wasser oder Tee zu trinken geben: Damit lässt sich das Gift verdünnen und von den Schleimhäuten des Rachens spülen.
- Medizinische Kohle verabreichen: Sie bindet Gifte und verhindert deren Aufnahme ins Blut.
- Sind die Augen betroffen, diese mindestens zehn Minuten mit fließendem Wasser spülen und dann sofort einen Augenarzt aufsuchen.

Wann muss das Kind zum Arzt?

Bei heftigen Vergiftungserscheinungen wie starker Übelkeit, Atemnot oder Bewusstlosigkeit sollte umgehend ein Arzt oder eine Klinik aufgesucht bzw. der Rettungsdienst gerufen werden. Übergeben Sie dem behandelnden Arzt möglichst Teile bzw. ausgespuckte oder erbrochene Reste der Pflanze zwecks Bestimmung.

Vergiftungen durch Pflanzen vorbeugen

Noch zwei Tipps zur Vorbeugung: Eltern sollten sich vor dem Kauf von Pflanzen für Garten, Balkon, Terrasse und die Wohnung informieren, ob diese giftige Bestandteile enthalten. Und: Ältere Kinder sollten von ihren Eltern über die Gesundheitsrisiken aufgeklärt werden, die von bestimmten Pflanzen ausgehen können.

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Quelle: KKH Kaufmännische Krankenkasse
(Bilder: oekolandbau.de/dpa/tmnJ)