Ein Geschwisterchen kommt
Die Schwangerschaft hautnah miterleben: Das macht es Kindern leichter, sich auf das neue Geschwisterchen zu freuen. dpa

Geschwister: Baby-Kurse für Kinder

Baby-Kurse und Workshops machen Kinder mit dem neuen Geschwisterchen vertraut. Doch auch die Eltern können viel tun, um den Nachwuchs auf die neue Situation vorzubereiten.

Ein zweites Kind verändert die Familienkonstellation. Nicht nur für die Eltern, sondern auch für das Erstgeborene stehen jede Menge Veränderungen an. Bei Kindern können sich dann Vorfreude mit Verlustangst, Ärger und Eifersucht mischen.

Was lernen die Kinder in den Baby-Kursen?

Speziell für diese Fälle bieten Kranken- und Geburtshäuser inzwischen vorbereitende Kurse für werdende Geschwister an, etwa das Geburtshaus Hamburg. Spielerisch werden den Kleinen dabei Schwangerschaft und Entwicklungsphasen des Ungeborenen erklärt. Die Kinder lernen etwas über die Bedürfnisse eines Babys, wie sie es trösten können und wie viel Hunger es hat. Am Schluss eines solchen Kurses bekommen die Kinder ein Geschwister-Diplom.

Welche Vorteile bieten Baby-Kurse?

Neben dem praktischen Nutzen, den die Kinder aus dem Kurs ziehen, haben sie nebenbei natürlich auch viel Spaß. Sie erfahren zum Beispiel, dass Babys schon hören können und mit der Stimme des Geschwisterkindes vertraut sind. «Das ist für die Kinder ganz toll», sagt Britta Höpermann, Geschäftsführerin des Geburtshauses Hamburg und gleichzeitig Kursleiterin. Die Kinder bekämen so das Gefühl: «Das Baby weiß schon, wer ich bin.»

Wie alt sollten Kinder für einen Baby-Kurs sein?

Wichtig ist für die Kinder vor allem, sich mit anderen in derselben Situation auszutauschen. Dass mindestens ein Elternteil mitkommt, ist erwünscht. Geeignet sind Geschwister-Workshops für Kinder ab dem vierten Lebensjahr. «Ein Kurs kann begleitend sehr hilfreich sein, ersetzt aber nicht, dass sich Eltern intensiv und rechtzeitig mit dem Kind auseinandersetzen», sagt Doris Niebergall. Sie ist Vorsitzende des Bundesvorstands der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung, Familienbildung und Frauengesundheit (BfB). Denn Kinder spüren, dass sich etwas verändert- egal in welchem Alter sie sind.

Wie bereitet man Kinder auf das Baby vor?

Je nach Alter gebe es viele Möglichkeiten, Kinder auf ein Geschwisterchen vorzubereiten. Wenn sie eineinhalb oder zwei Jahre alt sind, könne man die Schwangerschaft schon mit einfachen Worten erklären- etwa wenn sich der Bauch rundet oder es sonstige Veränderungen bei der Mutter gibt. Sind die Kinder ein bisschen älter, kann man die Schwangerschaft früher ansprechen.

Wie gewöhnt man Kinder an das neue Geschwisterchen?

Dass Kinder negative Gefühle haben, vielleicht aggressiv und eifersüchtig reagieren, ist normal. «Wenn sich Eltern darüber klar sind, dass das erlaubt sein darf, ist das schon eine große Entlastung», sagt Niebergall. Feste Rituale wie das tägliche Lesen der Gute-Nacht-Geschichte und kleine gemeinsame Auszeiten, wenn das Baby schläft, sind besonders wichtig für ein frischgebackenes Geschwisterkind. Sie geben Halt und Sicherheit.

Wann kann es zu Probleme kommen?

«Bestimmte Familienkonstellationen verlangen von den Eltern mehr Kraft und größere Anstrengungen», sagt Hartmut Kasten, Frühpädagoge und außerplanmäßiger Professor für Psychologie an der Universität München. Das sei zum Beispiel der Fall, wenn das erstgeborene Kind selbst noch sehr klein sei.

Welcher Altersunterschied ist optimal?

Die Familien müssten dann versuchen, die emotionalen Defizite durch besonders viel Zuwendung etwa durch den Vater oder ein soziales Netzwerk abzupuffern. Ein Altersunterschied von ungefähr drei Jahren zwischen den Geschwistern gilt als optimal. «Die emotionale Abnabelung des älteren Geschwisters von der Mutter ist dann bereits geschehen. Die Kinder können optimal voneinander profitieren», sagt der Geschwisterforscher und Psychologe.

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Quelle: dpa
(Bilder: dpa)