Bascha Mika
Für Frauen gelten beim Älterwerden strengere Standards als für Männer, so Bascha Mika. dpa

Frauen sind beim Älterwerden im Nachteil

Warum werden ältere Frauen abgewertet während grauhaarige Männer als Best-Ager durchgehen? Ex-«taz»-Chefredakteurin Bascha Mika gibt Antworten.

Frauen werden in der zweiten Lebensphase unsichtbar, verlieren an Attraktivität und geraten wegen verwelkender Schönheit in manchem Job aufs Abstellgleis. Als Opfer möchte Ex-«taz»-Chefredakteurin Bascha Mika (60) diese Frauen aber nicht verstanden wissen. In ihrem Buch "Mutprobe. Frauen und das höllische Spiel mit dem Älterwerden" widmet sie sich dem Thema. Ihre These: Frauen können es schaffen, die gesellschaftlichen Bilder vom Alter zu verändern- müssen dabei aber auch an ihrer eigenen Sichtweise arbeiten.

Spätestens ab Mitte 40 werden Frauen von Männern, aber auch von anderen Frauen taxiert - nach dem Motto «Ganz frisch ist die ja auch nicht mehr.» Lässt sich daran etwas ändern?

Mika: «Es ist erstmal ganz wichtig zu verstehen, welche Mechanismen dahinterstecken. Hier geht es um "Doing Aging", dass dem Alter jenseits der Biologie einen gesellschaftlichen Wert beimisst- und der für männliches und weibliches Älterwerden so unterschiedlich ist. Dahinterzukommen, wie Älterwerden gemacht wird, ist relativ kompliziert, aber der erste Schritt. Es ist eine Entlastung, zu erkennen: Es trifft mich nicht, weil ich klein, blond, blauäugig und 60 geworden bin, sondern weil da gesellschaftliche Muster zuschlagen, die jahrtausendealt sind. Dann muss man schauen, was kann ich privat und politisch dagegen tun? Das ist aber nicht einfach, weil man sich gegen einen wahnsinnigen Druck von außen wehren muss.»

Sie widmen ein ganzes Kapitel den Wechseljahren. Junge Frauen kommen damit oft zum ersten Mal über ihre Mütter in Berührung. Wie könnte die Kommunikation über diesen Lebensabschnitt aussehen?

Mika: «Das ist ein wichtiger Aspekt. Denn die heutige Müttergeneration vermittelt ihren Töchtern ein bestimmtes Bild vom Älterwerden. Und junge Frauen haben ja teilweise ein total überformtes Bild und orientieren sich an Fernsehen und Werbung, was als schön und akzeptabel gilt. Die Mutter wäre die Schnittstelle, um ein realistisches Bild zu vermitteln. Und wenn sie es schafft, mit den Wechseljahren entspannt und souverän umzugehen, wäre sie das beste Beispiel für ihre Tochter. Das Problem ist nur, dass die heutige Müttergeneration mit Töchtern zwischen 20 und 30 selbst genug Schwierigkeiten mit dem Älterwerden hat.»

Ältere Männer kommen Ihrer Meinung nach deutlich besser weg. Aber stehen sie mittlerweile nicht auch unter Druck und haben Angst, nicht mehr mithalten zu können?

Mika: «Natürlich ist das Älterwerden auch für Männer nicht leicht. In der Regel leiden sie aber eher unter den körperlichen Veränderungen- ich kann nicht mehr so schnell rennen, ich kann nicht mehr so gut Fußball spielen. Die meisten Männer können das wunderbar abschalten: "Mein Körper ist vielleicht alt, aber ich bin immer noch ein toller Typ." Das ist etwas ganz anderes als diese gesellschaftliche Abwertung, die Frauen im Zusammenhang mit dem Älterwerden erfahren. Und die Tatsache, dass jüngere Männer heute stärker unter Schönheitsdruck stehen als früher, nützt uns Frauen gar nichts. Es muss doch darum gehen, dass jeder Einzelne von uns die Möglichkeit hat, ein selbstbestimmtes Bild vom Altern zu entwerfen.»

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Quelle: dpa
(Bilder: dpa)