Kleinkind spielt mit Tablet
Es blinkt und bewegt sich: Tablets üben schon auf kleine Kinder eine Faszination aus. Foto: Thomas Frey/Archiv/Illustration dpa

Spielzeug: Mulitmedia-Spiele bergen Risiken für Kinderhirne

Das Angebot an Multimedia-Spielen für Kinder nimmt zu. Ein Gehirnforscher warnt jedoch: Der Umgang mit Smartphones oder Tablet-PCs sei besonders für Kleinkinder nicht ohne Risiken. Was Eltern wissen sollten.

Die diesjährige Nürnberger Spielemesse hat gezeigt: Das Angebot an multimedialen Spielen und Geräten für Kinder nimmt zu. Manfred Spitzer, Gehirnforscher und Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm warnt jedoch, der Umgang mit multimedialen Geräte berge Risiken, insbesondere für Kleinkinder.

Auswirkungen von Computerspielen auf Kinderhirne

Der Wissenschaftler ist der Ansicht, das Tippen und Wischen auf Tablet-PCs und Smartphones trainiere den Verstand von Kindern nicht in genügendem Maß. Würden Kinder Dinge mit allen fünf Sinnen erfahren, befähige sie das später dazu komplexere Sachverhalte nachvollziehen zu können. Der Wissenschaftler bemängelt außerdem, dass soziale Fähigkeiten durch multimediales Spielen vernachlässigt würden: "Wie sollen Kinder Sozialverhalten lernen, wenn sie vor allem online unterwegs sind und ihr Gegenüber gar nicht real da ist? Gestik und Mimik fehlen da völlig."

Wissenschaftler empfiehlt: Kinder sollen reale Welt kennenlernen

Spitzers Fazit lautet daher: "Elektronische Medien sind für die Entwicklung des kindlichen Geistes nicht nur nicht förderlich, sondern hinderlich." Für kleine Kinder sei es wichtig, die gesamte reale Welt kennenzulernen, um ihre Erfahrungen zu machen. "Sie brauchen - das ist nachgewiesen - den multimodalen Input, die müssen riechen, schmecken, tasten, hören, fühlen", stellt der Wissenschaftler klar.

Tablets können Kleinkinder überfordern

Auch die Initiative "Schau hin! Was deine Kinder machen" steht dem Umgang mit Tablets für Kinder kritisch gegenüber. Zwar sei die Bedienung eines Tablets intuitiv, so dass oft auch ganz Kleine damit zurechtkämen. Allerdings überforderten schnelle und laute Videos oder Spiele Kinder im Kleinkindalter.

Geeignete Apps für Kindergarten- und Grundschulkinder

Bestimmte Lern-Apps und Spiele hält die Initiative für Kindergarten- und Grundschulkinder jedoch für geeignet. Welche das sind könnten Eltern am besten durch eigenes Ausprobieren herausfinden. Der Initiative zufolge ist es entscheidend, dass die Apps keine Werbung beinhalten, einfach aufgebaut und nicht mit grafischen Elementen oder Funktionen überladen sind.

Tipp: Regeln für den Umgang mit Computerspielen vereinbaren

Damit der Umgang mit Tablets und Computerspielen förderlich für Kinder ist, rät die Initiative "Schau hin! Was deine Kinder machen" Eltern, klare Regeln für das Spielen aufzustellen. Je nach Alter der Kinder sei es sinnvoll Spielzeiten zu vereinbaren, die eingehalten werden müssen. Jüngere Kinder bis 7 Jahre sollten nicht länger als eine halbe Stunde zocken. Bei älteren Kindern kann es auch sinnvoll sein, ein Wochenbudget an Videospielzeit vorzugeben, das sie sich dann selbst einteilen.
Was in dieser Zeit gespielt wird, sollte aber klar vereinbart werden. Ideal ist, wenn die Eltern zumindest beim ersten Ausprobieren eines neuen Titels dabei sind.

Quelle: foh/Berlinonline/dpa