Polizisten stehen am Zugang eines Saunaclubs
Polizisten stehen in Berlin am Zugang eines Saunaclubs. Foto: Paul Zinken/Archiv dpa

Tödliches Feuer in Schwulen-Saunaclub: Kripo ermittelt

Stichworte: Brand Polizeimeldungen Notfall

Gefährlicher geht es kaum: Ein Schwelbrand in einem verwinkelten Kellergeschoss mit Dutzenden versperrten Kabinen und einem verschlossenen Notausgang. Nun stellt sich die Frage: Wer ist schuld an dem Tod mehrerer Menschen?

Nach dem tödlichen Brand in einem Berliner Saunaclub ermittelt die Kriminalpolizei weiter die genaue Unglücksursache. Geprüft wird zudem, warum einer der Notausgänge im Erdgeschoss des Schwulenclubs an der Kurfürstenstraße nahe dem Ku'damm verbarrikadiert war, wie eine Polizeisprecherin am Dienstag sagte. Es habe allerdings niemand versucht, durch diesen Notausgang zu flüchten. Die meisten Gäste hätten sich durch Rettungswege im Kellergeschoss ins Freie retten können.

Drei Männer ums Leben gekommen

In den verqualmten Räumen des Sex- und Saunclubs waren am Sonntagabend drei Männer vermutlich an Rauchvergiftung gestorben. Ein 48-jähriger Mann wurde nach dem Feuer schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Einer der Toten war laut Polizei ein 49-jähriger Italiener, ein zweiter ein 49-jähriger Spanier, beide wohnten in Berlin. Die dritte Leiche ist noch nicht identifiziert.

Letzte Bauaufsichts-Prüfung 1981

Laut einem Bericht der rbb-«Abendschau» wurde der Club seit 1981 nicht mehr von Bauaufsicht geprüft. 1981 sei die Nutzungsgenehmigung erteilt worden, sagte Jörn Oltmann, Leiter der Abteilung Stadtentwicklung und Bauen im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. «Wir wissen inzwischen, dass es umfangreiche Umbaumaßnahmen gab - aber sie wurden uns nicht angezeigt.» Die Bauaufsicht des Bezirks ist nach Angaben der Polizei für die Vorgaben zum Brandschutz zuständig.

Vorsätzliche Brandstiftung ausgeschlossen

Bei der Suche nach der Brandursache schließt die Polizei eine vorsätzliche Brandstiftung inzwischen aus. Ermittelt werde, ob das Feuer in dem verwinkelten Saunaclub durch Fahrlässigkeit verursacht wurde. In Zeitungen wurde über missachtete Brandschutzbestimmungen und einen technischen Defekt spekuliert. Die Polizei befragte inzwischen Besucher des Clubs als Zeugen.

Schwelbrand im Kellergeschoss

Laut Feuerwehr entstand der Schwelbrand in einer abgehängten Zwischendecke im Kellergeschoss auf einer Fläche von etwa 20 Quadratmetern. In zwei Kabinen brannte es. Dabei entwickelte sich heftiger Rauch. Wenige Atemzüge lassen Menschen davon bewusstlos werden.

Sauna-Club mit 60 kleinen Kabinen

Der Sauna-Club «Steam Works» erstreckt sich über Erdgeschoss und Keller. Er besteht nach Angaben der Feuerwehr neben Saunen zum Großteil aus «Spielwiesen» für Homosexuelle und einem Labyrinth. Zudem gibt es etwa 60 kleine Kabinen mit Betten, die man normalerweise für zehn Stunden mieten kann. In manchen Kabinen sollen Menschen aber längere Zeit gewohnt haben. In den Kommentaren zu dem Club im Internet beschwerten sich Besucher über ständigen Geruch von Zigarettenrauch, der durch die Räume ziehe, weil viel geraucht würde.

Bei Brandausbruch waren 30 Männer im Club

Als der Brand ausbrach, hielten sich etwa 30 Männer in dem Club auf. Der Großteil der Besucher konnte sich selbst in Sicherheit bringen. Die Feuerwehr war am Sonntagabend um 22.23 Uhr alarmiert worden. Der Einsatz mit 80 Leuten zog sich bis weit nach Mitternacht hin.

Letzte Änderung: Mittwoch, 8. Februar 2017 09:44 Uhr
Quelle: dpa

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