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Neue Container-Flüchtlingsheime dpa

Diskurs: Neue Wohncontainer für Flüchtlinge

Stichworte: Stadtteilentwicklung Migration Immobilien & Wohnen

Berlin (dpa/bb) - Die Pläne des Berliner Senats zum Bau neuer Flüchtlingsheime aus Fertighäusern sind auf ein geteiltes Echo gestoßen.

Es sei ein Schritt in die richtige Richtung, sagte die Grünen-Abgeordnete Canan Bayram am Montag in der RBB-"Abendschau". Dort begrüßte auch die Vertreterin des Flüchtlingsrats, Martina Mauer, dass sich der Senat offensichtlich von Massenquartieren wie Container-Dörfer verabschiede.



Bei den Piraten hingegen stießen die Pläne des Senats auf scharfe Kritik. "Seine Initiative kommt drei Jahre zu spät. Die nun angekündigten 7200 Plätze decken längst nicht den Bedarf", sagte der Abgeordnete Fabio Reinhardt. Grundsätzlich sei es auch sinnvoller, die Flüchtlinge in Wohnungen statt in Massenquartieren unterzubringen.



36 Häuser für 160 Millionen



Sozialsenator Mario Czaja (CDU) hatte angekündigt, in den nächsten beiden Jahren an 36 Standorten große Heime aus Fertighausbauten zu errichten. An jedem Standort sollen meist zwei mehrstöckige sogenannte modulare Wohneinheiten stehen. Sie bieten jeweils Platz für 120 Menschen. Die ersten Häuser sollen bereits 2016 fertig sein. Die Kosten liegen bei mehr als 160 Millionen Euro.



Reinhardt forderte mit Blick auf diese Pläne, schon jetzt müsse mehr Platz pro Flüchtling einkalkuliert werden. Zudem seien mehr Betreuer sinnvoll. Außerdem solle der Senat beim Betrieb "auf dubiose Privatunternehmen, die ausschließlich am Profit interessiert sind", verzichten.



Lieber Wohnungen als große Heime



Aus Czajas Sicht bieten die neuen Heime gegenüber den sechs großen Wohncontainer-Siedlungen, die seit dem Winter aufgebaut werden, viele Vorteile. Sie seien zwar teurer, aber innen und außen flexibler zu gestalten und außerdem kleiner und daher in der Nachbarschaft eher zu akzeptieren. Die Unterkünfte könnten zudem später einmal von Studenten oder Wohnungslosen genutzt werden, sagte Czaja dem RBB. Gegen die Container hatte es bereits in der Planungs- und Bauphase heftige Proteste und Demonstrationen gegeben.



Grundsätzlich hatte auch Czaja immer wieder betont, dass ihm Wohnungen als Unterkünfte für Flüchtlinge lieber als große Heime wären. Trotz aller Bemühungen und Gespräche mit Wohnungsbaugesellschaften und privaten Vermietern ließen sich aber nicht genug Wohnungen auftreiben.



Berlin rechnet im laufenden Jahr mit mindestens 20.000 neuen Asylbewerbern. Es könnten aber auch deutlich mehr werden. 2014 waren es etwa 12.000. Noch im laufenden April soll die zweite Berliner Container-Siedlung mit 480 Wohnplätzen für Flüchtlinge in Buch (Pankow) bezogen, die weiteren vier Container-Dörfer im Juni und August eröffnet werden.

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Letzte Änderung: Dienstag, 14. April 2015 10:57 Uhr
Quelle: dpa

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