Logo der Eisbären Berlin
Logo der Eisbären Berlin. dpa

Sieg für die Eisbären Berlin: Bier, Bratwurst und 3 Punkte beim DEL-Fight gegen Düsseldorf

Stichworte: Reportage Sport

Grandiose Stimmung auf den Rängen, hochkochende Emotionen auf dem Eis und ein Eisbären-Coach, der vor Wut Eishockeyschläger in die Ecke schmeißt.

Dienstagabend, 18:31 Uhr. Noch eine Stunde bis zum Anpfiff. Zahlreiche Fans steigen die Treppen zur Warschauer Brücke hoch. Noch ein kurzer Zwischenstopp zur Stärkung an dem Späti und der Würstchenbude, dann geht’s die Treppen in Richtung Mercedes-Benz-Arena wieder herunter. An der Straßenunterführung tummeln sich immer mehr Eisbären-Fans. Es ist der letzte Zwischenstopp vor der Arena und viele halten frische Kaltgetränke und Bratwürste sowie Steaks in den Händen.

Ich mache mich auf den Weg zum Schalter, um mein Ticket abzuholen. Auf dem Weg sprechen mich immer wieder Leute an: „Brauchst du ein Ticket?“ „Ich schenke dir ein Ticket!“ „2 Tickets?“ Da ich schon mit einem Ticket ausgestattet bin, lehne ich dankend ab und wundere mich über das große Angebot: Hat dies wohl mit der Niederlagenserie der Eisbären in den vergangen Wochen zu tun?

Vorbereitung auf das Spiel

Dann geht es in die Arena. Nach Taschencheck und Körperdurchsuchung werde ich hineingelassen. Die Spieler wärmen sich gerade auf dem Eis auf: Kurzer Pass, Puck von links auf rechts und der erste lockere Schuss, Keeper Vehanen hält sicher.

19:12 Uhr. Langsam füllt sich die Arena. Das nach dem Aufwärmen ramponierte Eis wird erneuert, zeitgleich auch die Trainingspucks eingesammelt. Der große Videowürfel spiegelt sich im Wasser auf dem Eis. Mittlerweile sind die Stehplätze gut gefüllt. Auf den Sitzplätzen sind viele mit Bier und Bratwurst oder Pommes ausgestattet.

Wenig später betritt der Stadionsprecher das Eis. Er geht eine Runde durch die Arena und begrüßt dabei die einzelnen Fankurven. Anschließend wird die Aufstellung der Gäste aus Düsseldorf verlesen. Pfiffe aus dem Publikum sind zu vernehmen.

„Hey wir woll‘n die Eisbär‘n seh‘n!“

Musik ertönt, die Spannung steigt. Die Fans erheben sich. „Hey wir woll‘n die Eisbär‘n seh‘n!“, schallt es durch die ganze Arena. Die Fans klatschen im Takt. Lichterkegel, die das Eisbären Logo abbilden, rotieren über dem Eis.
Die Spieler der Eisbären Berlin betreten durch einen mit Luft gefüllten Eisbären-Kopf das Eis. Feuer schießt aus Metalltonnen. Dann ein Knall, ein kleines Feuerwerk explodiert. Das Bären-Maskottchen heizt den Fans richtig ein.

Der Stadionsprecher brüllt in sein Mikrofon: „Hier sind eure Eisbären, hier ist die Hauptstadt!“ Filmsequenzen aus vergangenen Spielen werden mit Live-Kommentar auf dem Videowürfel abgespielt. Die Spieler sprinten einzeln aus dem „Bärentunnel“. Den Vornamen ruft der Kommentator, den Nachnamen schreien die Fans. Die Arena bebt. In der neutralen Zone stehen sich beide Teams gegenüber und begrüßen sich. Jetzt kann es losgehen. Die Startaufstellung von beiden Teams wird vorgelesen, dann erfolgt der Bully.

Micky duPont passt zu Wilson, der schießt...

Ruhiger Beginn, bis der Düsseldorfer Marcel Brandt das erste Mal auf der Strafbank Platz nehmen muss. Die Eisbären drücken und setzen sich im Angriffsdrittel fest. Micky duPont passt auf Center Kyle Wilson, der den Puck gegen den Schlittschuh eines Verteidigers der Düsseldorfer Eislauf Gemeinschaft (DEG) schießt. Von dort segelt er an Gäste-Goalie Niederberger ins Netz. Toooor: 1:0. Führung für die Eisbären. Die Arena springt auf, die Fans schwenken die Schals. Der Puck ist vom Schlittschuh eines Verteidigers an DEG Goalie Niederberger vorbei ins Tor gesegelt.

Die Stimmung kocht, auch die Emotionen werden hitziger. Kurzes Nachhaken eines Düsseldorfer Stürmers bei Berlin Goalie Vehanen, erste Tumulte auf dem Eis. Dabei soll es im ersten Drittel aber bleiben. Abpfiff. Die Arena leert sich sofort. Die Fans nutzen die Pause um Drinks und Snacks zu kaufen.

Die Eismaschinen kommen aufs Eis und es folgt das klassische erste Spiel bei den Eisbären. Vier Kinder versuchen einen Puck aus einer Bully-Ecke so nahe wie möglich an den Anspielpunkt in der neutralen Zone zu spielen. Eine junge Dame setzt sich gegen drei Jungs durch.

„Auf geht’s Eisbär ‘n schießt ein, schießt ein Tor, schießt ein Toooor!“

Das 2. Drittel beginnt mit der nächsten Strafe gegen die Düsseldorfer. Sofort ist die Stimmung in der Arena wieder da. „Auf geht’s Eisbär ‘n schießt ein, schießt ein Tor, schießt ein Toooor!“ hallt es. Doch dieses Mal bleibt die Überzahlsituation ungenutzt.

Nur wenige Minuten später folgt die nächste Überzahl für die Berliner. Dieses Mal entfachen sie mehr Druck, schnüren die DEG in ihrem Drittel ein. Gute Schussmöglichkeit für die Eisbären an der blauen Linie, ausgeholt, Stockbruch. Die Scheibe kann trotzdem in den eigenen Reihen gehalten werden. Pass nach links, zurück an die blaue Linie. Schuss, Stockbruch. Was ist denn mit den Schlägern los? Coach Krupp auf der Bank rastet aus und schmeißt die kaputten Schläger in die Ecke. Da waren zwei gute Möglichkeiten für die Eisbären, die ungenutzt blieben. Trotzdem gehen die Eisbären mit der 1:0 Führung in die letzte Drittelpause. 18 Minuten durchschnaufen, dann kommt der Schlussspurt.

In der Pause findet ein weiterer Wettkampf statt. Ein junger Eisbären-Fan tritt gegen einen Fan der DEG an. Eine halbe Runde im Go-Kart auf dem Eis, der Schnellere gewinnt. Hier muss sich der Eisbären-Anhänger nach einem Dreher in der Kurve knapp dem Kontrahenten geschlagen geben.

„Kämpfen und siegen!“

21:07 Uhr. Anpfiff des letzten Drittels. Sofort feuern die Fans ihre Mannschaft an: „Kämpfen und siegen!“ Andre Rankel liegt neben dem Tor der Düsseldorfer am Boden, beim Aufstehen hakt er kurz nach: 2 Minuten Strafe gegen die Eisbären. Die Fans singen: „Scheiß egal!“ Immer wieder und unermüdlich peitschen sie ihre Mannschaft nach vorne: „Eisbären, Eisbären, Eisbären!“ Die Berliner geraten zunehmend unter Druck und können sich in Unterzahl kaum noch befreien. „3, 2,1: Klirr!“ Pfostenschuss der Düsseldorfer, zeitgleich ist die Strafzeit der Berliner abgelaufen. Glück gehabt.

Noch neun Minuten zu spielen. Die Düsseldorfer forcieren ihre Angriffsbemühungen, für Berlin ergeben sich dadurch freie Räume in der neutralen Zone. Bei einem der wenigen Konter wird ein Eisbären-Spieler von einem Stock getroffen: Zwei Minuten wegen hohen Stocks gegen die DEG.

Die Spannung steigt, wenige Minuten noch zu spielen

Berlin will die Vorentscheidung. Daniel Fischbuch passt zu Jamie McQueen, der weiter zu Kyle Wilson: Tooooooor! Erneut rutscht der Puck, abgefälscht von Düsseldorfs Timothy Conboy, ins Tor.

Düsseldorf ist somit wieder vollzählig. Vier Minuten noch zu spielen. Conboy passt zu Davis. Der leitet weiter zu Yip. Flügelstürmer Brandon Yip setzt sich auf der linken Seite schön durch, zieht zum Tor und: Anschlusstreffer für Düsseldorf! Aus spitzem Winkel durch die Schoner von Keeper Vehanen. Das sah unglücklich aus!

Retten die Berliner die knappe Führung über die Zeit?

Die Fans in der Halle hüpfen und stehen hinter ihrem Team. Bringen die Eisbären den Vorsprung über die Zeit? 1:55 Minuten noch zu spielen. Auszeit der DEG. Berlin-Coach Krupp gibt seinem Team die letzten Anweisungen. Düsseldorf wechselt den Torhüter aus, dafür ist ein zusätzlicher Angreifer auf dem Eis. Der Druck nimmt zu und Berlin ist im eigenen Abwehrdrittel zunehmend in Bedrängnis. Die Arena steht. Gänsehaut pur. Die letze Minute läuft. Schuss von Düsseldorfs Drayson Bowman: Vehanen hält die Scheibe sicher.

Weiter geht es mit einem Bully im Drittel der Eisbären. Berlin gewinnt, bekommt die Scheibe aber nicht weg. Mit letztem Einsatz kann Rankel klären. Kurz Durchatmen. Düsseldorf weiter im Scheibenbesitz. Pass auf die Nummer 19, Robert Collins, guter Reflex von Berlin-Keeper Vehanen. Rangelei vor dem Tor. Die DEG-Spieler versuchen die Scheibe aus dem Schoner von Vehanen zu spitzeln. Ohne Chance, direkt sind die Berliner Spieler da und schützen ihren Goalie.

Die Sirene ertönt, Emotionen pur auf den Rängen

Noch 10,7 Sekunden auf der Uhr. Bully im Drittel der Eisbären. Scheibengewinn der Berliner und sofort der Befreiungsschlag. Die Sirene. Abpfiff. Grenzenloser Jubel. Doppeltorschütze Kyle Wilson lässt sich in der Kurve feiern.

Die Fans verlassen die Halle. Freitag folgt das nächste Spiel. Dann wird das Spitzenteam der EHC aus München in der Hauptstadt zu Gast sein. Viele Fans werden dann wieder ihr Team anfeuern. Mit vollem Einsatz. Bis zum nächsten Sieg! Denn: „Sie sind die Könige auf dem ewigen Eis. (oooohooohoooo).“

Quelle: Dennis Schwarz / eisbaeren.de