Der zerstörte LKW des Berliner Anschlags
Nach dem Anschlag in Berlin sind noch 20 Verletzte in Kliniken. Foto: Paul Zinken/Archiv dpa

Sollte der LKW vom Breitscheidplatz ins Museum? Natürlich!

Stichwort: Terror

Ganz Berlin, ja ganz Deutschland diskutiert darüber, doch ist es völlig offensichtlich, dass die Tatwaffe des Terroranschlags von Berlin ins Museum gehört.

Geschichte ist Geschichte. Das heißt, was in die Geschichte eingeht, ist vorbei, abgeschlossen, gleichzeitig aber Teil unserer Identität. Wir sind das, was wir gemacht haben, was mit uns gemacht wurde und was mir machen. Wenn ein Terrorist eines Abends zwölf Menschen tötet, und damit dem Geist der Weihnacht eine blutige Nase verpasst, dann geht ein solcher Moment in unsere Geschichte ein.

Schließlich titelt die größte deutsche Zeitung am nächsten Tag „Angst“. Und sie spricht damit einem Haufen verwirrter kleiner Geister aus der verkümmerten Seele. Umso schöner, dass es aber am nächsten Tag nicht die „Angst“ ist, die sich durchs Land zieht, sondern Mut, Hoffnung (und Hass auf den Attentäter, oder den anderen, bald weiß man nicht mehr so recht, wer was macht, getan hat oder von der Polizei verprügelt wurde). Trotzdem blähen sich die Liveticker (auch dieser Seite, wie wir selbstkritisch zugeben müssen), generieren Tausende und Abertausende Klicks, berichten Sondersendungen und alles, was sich für „News-Medium“ hält.

Keine "Angst"

Menschen wollen wissen, was passiert und wie es weitergeht. Und das Wichtigste: Es geht weiter. Wenige Tage nach den Morden am Breitscheidplatz kann man wieder über den Weihnachtsmarkt darauf spazieren. Kerzenmeere erinnern an das Geschehene, aber die Menschen haben damit abgeschlossen. Sie gedenken still und Selfie-schießend, aber sie lassen sich keine „Angst“ einjagen. Der Glühwein, die Bratwurst und das Stockbrot schmecken gut wie jedes Jahr im Winter, wenn es wieder schneit.

Der Terroranschlag an sich war ein historischer Moment: Der islamistische Terror, der internationale Angsteinflößer ist in Deutschland gelandet und hat Menschen getötet. Die AfD frohlockt: „Kommet zu mir, ihr verängstigten Schäfchen, gemeinsam jagen wir den Muslimen in diesem Land die Angst ein, die sie verdienen!“ Und tatsächlich: Die Sozialen Medien verbreiten schnell solcherlei Botschaften. Menschen, völlig unpolitisch, entdecken plötzlich eine politische Position für sich: „Flüchtlinge raus!“ Aber bei aller Dummheit, bleibt das doch die Minderheit.

Am besten hört man auf Yoda

Deutschland, so pathetisch und verkappt patriotisch es klingt, ist stärker als der alberne Terrorismus, der ein paar verkommene Ganoven und verblendete Wahnsinnige auf seine Seite ziehen kann, um Dinge zu zerstören. Die überwältigende Mehrheit hierzulande bleibt locker. Sie trauert aber sie hasst nicht. Denn Angst führt zu Wut, Wut zu Hass und Hass zu Leid. Das wusste schon Yoda.

Wir haben als Gesellschaft im Angesicht der Bosheit gehandelt und uns beweisen können. Zwar müssen wir noch nachziehen und dafür sorgen, dass die rechten Hetzer auch langfristig keine Macht erlangen, aber kurzfristig hat das Gute gegen das Böse gesiegt. Das ist ein historischer Moment, auf den wir stolz sein können (nicht als Deutsche, als Menschen).

Alles Quatsch!

Und nun wird die Frage gestellt, ob der LKW als Tatwaffe ins Museum darf. Angeblich glorifiziere er die Tat, angeblich lässt er sie noch prominenter werden, Nachahmer anstacheln, die Täter im Nachhinein bestätigen. Das ist alles Unsinn.

Das Haus der Geschichte in Bonn, also das Museum, das Interesse daran zeigt, Teile des LKWs in seine Dauerausstellung aufzunehmen, ist beileibe kein pietätloser Schuppen, der sich über das Elend der Menschen freut. Das Haus der Geschichte ist keine BILD-Zeitung („Angst“).

Stellt ihn rein, verdammt nochmal!

Im Haus der Geschichte finden sich greifbare Artefakte der deutschen Geschichte. Adenauers Auto genauso wie Reste des RAF- oder NSU-Terrors. Das sind geschichtliche Quellen, die greifbar machen, wie grausam Geschichte manchmal sein kann. Nur durch solche Dinge ist es möglich, Nachkommen zu erklären, wie eine Gesellschaft sich mal gefühlt hat. Aus dem gleichen Grund kann man heute ehemalige Konzentrationslager besuchen. Bei denen käme auch niemand auf die Idee, sie zu schließen, weil es nach wie vor Neonazis gibt, die sich daran aufgeilen.

Stellt den LKW ins Museum. Schreibt einen Text dazu, einen pietätvollen, hintergründigen und doch emotionalen und vor allem optimistischen Text. Der LKW ist ein Zeichen der Stärke der Offenheit und Nächstenliebe. Er ist kein Symbol des Terrorismus, sondern ein Symbol des Sieges der Zivilgesellschaft über die Angstmacher.

Quelle: Robert Hofmann