No Pants Subway Ride
Foto des No Pants Subway Ride Berlin Marten Schälicke / www.emm-ess.de

Unterirdisch ohne Hose

Stichwort: Skurriles & Buntes

Am Sonntag rauschen die U-Bahnen wieder voller halbnackter Menschen durch die ewige Dunkelheit untertage. In Berlin ist man einiges gewohnt – zumindest möchte man das meinen.

Manchem mag das Szenario bekannt vorkommen, wenn auch nur aus den Albträumen, aus denen er des nachts schweißgebadet hochschreckt. Da sitzt man in der U-Bahn, blickt verträumt aus dem Fenster oder in seine Lektüre und bemerkt dann „Dumm, Hose vergessen“. Der „No Pants Subway Ride“ rehabilitiert eben dieses Erlebnis – indem er den Albtraum in die Realität holt.

Am 8. Januar ist es wieder so weit. Da treffen sich um 14 Uhr hunderte Menschen an der Station Frankfurter Allee, legen kollektiv die Butz ab und steigen gemeinsam in die U-Bahn. „Letztes Jahr waren wir etwa 200 Leute“, sagt Marten Schälicke, einer der vier Organisatoren der Veranstaltung, „als Faustregel kann man sagen, dass etwa ein Drittel der Leute, die beim Facebook-Event zusagen, auch kommen. Dieses Jahr wären das über 300 Menschen.“

Eine politische Agenda hat der No Pants Subway Ride nicht. Es geht den Leuten ausdrücklich um Spaß, ohne den Hedonismus zu propagieren. Man möchte niemandem auf die Nerven gehen, wenn überhaupt subversiv ein Statement setzen. „Es geht uns darum, die deutsche Spießigkeit in Frage zu stellen“, sagt Schälicke. „Es ist erstaunlich, aber sogar Jugendliche sind heute völlig spießig geworden. Das sieht man paradoxerweise daran, dass sie zwar am No Pants Subway Ride teilnehmen, das Ganze aber großes Event, als Party umdefinieren. Die kommen teilweise betrunken, trinkend oder mit der Boombox. Darum geht es hierbei aber gar nicht.“

Ein Ende dem Spießertum!

Tatsächlich geht es darum, im alltäglichen U-Bahnbild eines winterlichen Sonntags unterzugehen. Natürlich fällt man auf, schließlich trägt man keine Hose. Aber statt den Menschen den eigenen Schritt ins Gesicht zu drücken – wenn auch nur bildlich – möchten die Veranstalter, dass die Teilnehmer sich ruhig verhalten, als seien sie selbstverständlich Teil der Szenerie. Eine Art Anti-Flashmob. Leute sollen nicht hysterisch Kreischen vor Freude ob der halbnackten Körper, sie sollen schmunzeln, einen Moment innehalten und sich dann wieder sich selbst zuwenden.

So möchte der No Pants Subway Ride als jährliches Event zwar dafür sorgen, dass alle etwas lockerer werden, die Gegebenheiten nicht für selbstverständlich halten und auch das Ungewohnte akzeptieren. Das soll aber nicht politisch verstanden werden. Es soll nicht die Gesellschaftsordnung in Frage gestellt werden „Wir als Organisatoren werden irgendwann gar nicht mehr beachtet. Auch weil wir nicht die ganze Zeit Befehle erteilen wollen. Wir laufen dann lieber rum und machen Fotos oder so. Letztes Jahr war es aber dann so, dass da Leute dabei waren, die Ärger gemacht haben, weil sie Bahnen aufgehalten haben. Deswegen gab es dann auch mehrere Verspätungen unseretwegen.“

Viel zu tun

Obwohl der No Pants Subway Ride explizit nicht anstößig sein soll – Teilnehmer werden etwa aufgefordert, auf String-Tangas oder Rüsselslips zu verzichten – feiern ihn nicht alle. Eine der Organisatorinnen etwa darf am Event nicht teilnehmen – ihr Arbeitgeber hat es ihr verboten. Um die deutsche Spießigkeit abzuschaffen, werden Menschen wohl noch ein paar Jahre lang ohne Hosen durch Berlin fahren müssen.

Und wer dabeisein möchte:
Hier ist das Facebook Event.

Quelle: Robert Hofmann