Silvester
Viel Müll ist am 01.01.2017 in Berlin auf der Festmeile am Brandenburger Tor nach dem Feuerwerk in der Nacht zu sehen. dpa

Nächstes Jahr wird alles besser

Stichworte: Silvester Feste

Silvester in Berlin: Von der Sintflut davor, der Hysterie währenddessen und der Ernüchterung danach.

Zu Weihnachten ist Berlin wie ausgestorben. Die Zugezogenen, die über die Festtage in ihre provinzielle Heimat auszogen, um dort doch nur wieder das Fürchten zu lernen, kehren kurz vor Neujahr in sintflutartiger Manie zurück. Zu diesem Zeitpunkt sind die Hausflure der Urberliner bereits voller Tannennadeln. Die dazu gehörigen Tannenbäume, eben noch voller Zuwendung aufwendig dekoriert, stapeln sich nun lieblos vor den Haustüren.

Auch häufen sich in den Zeitungen Jahresrückblicke, die von ihren eifrigen Lesern maximal überflogen werden. Spätestens jetzt spaltet sich die Gesellschaft in zwei Einheiten. Eine, welche, in der festen Überzeugung, dass im neuen Jahr alles besser wird, vor Optimismus nur so strotzt. Und die andere, der es so gut geht, dass sie davon überzeugt ist, das neue Jahr könne nur schlechter werden. Eines eint beide: Sie zelebrieren den Jahreswechsel.

Festliche Rituale wie Silvester haben ja auch ihren Sinn. Sie geben uns ein Gefühl von Ordnung, in einer Welt, in der so viel passiert, dass man sie sonst nur schwer für sich ordnen kann. Und so wird das Ereignis in freudiger Erwartung äußerst stimmungsvoll vorbereitet.

Und dann ist es soweit. Punkt 12 auf einem Balkon in Berlin-Mitte. Und die Stadt ist so laut und anarchisch, wie sie sonst nie sein darf. Böller landen auf den Straßen vor fahrenden Autos oder sprenkeln nur knapp über den Dächern Berlins. Bargeld wird in die Luft geschossen und zu Asche.

Auch wenn wir uns gelegentlich aus Angst vor einem Böller hysterisch wegdrehen, versuchen wir es schön zu finden. So schön, dass wir es all unseren Bekanntschaften auf unseren Social-Media-Kanälen mitteilen. Für die armen Seelen unter ihnen, die nicht wissen wie ein Feuerwerk aussieht, filmen wir es extra auf unseren Smartphones, um dieses ganz spezielle Feuerwerk vor uns auch wirklich für alle festzuhalten.

Nach dieser durchweg ekstatischen Ejakulation, auf die in den vergangenen Wochen stets hingearbeitet wurde, folgt nun am nächsten Tag die stille Ernüchterung. Dieser Tag ist der einzige Tag im Jahr an dem ich voller Demut an die BSR denken muss. Die Straßen sind dreckig, es nieselt und vor der Haustür wurde letzte Nacht uriniert. Auch die ersten Vorsätze wurden bereits dementiert. Darauf folgt die einizige halbwegs realistische Erkenntnis der letzten Wochen: Nächstes Jahr wird das sicher alles genauso.

Quelle: BerlinOnline/ Franziska Wall