Spreepark 2016
Der Geschäftsführer der Grün Berlin GmbH, Christoph Schmidt, steht am 07.01.2016 während einer Begehung des ehemaligen Freizeitparks «Spreepark» in Berlin, vor dem alten Riesenrad. dpa

"Der Spreepark wird ein spezieller Freizeitpark mit deutlich touristischem Aspekt" - Exklusives Interview mit Grün Berlin-Geschäftsführer Christoph Schmidt über die Pläne mit dem ehemaligen DDR-Vergnügungspark.

Zwischen Tourismus-Hotspot und DDR-Nostalgie: Seit Anfang des Jahres ist die Grün Berlin GmbH zuständig für das Gelände des Berliner Spreeparks. Geschäftsführer Christoph Schmidt spricht mit BerlinOnline über Pläne, Attraktionen, Tourismus und über den Erhalt der Geschichte auf dem Gelände.

BerlinOnline: Herr Schmidt, seit 2001 liegt das Gelände des Spreeparks brach und ist entsprechend stark marode und verfallen, man wird viel Arbeit investieren müssen. Was packen sie als erstes an?

Schmidt: Unterschiedliche Themen. Zum einen müssen wir für Verkehrssicherheit auf dem Gelände sorgen. Es gibt nicht nur Bäume, die kurz davor sind, zusammenzubrechen, sondern auch alte Fahrgeschäfte, alte Gebäude und das Riesenrad. Bevor man da jemanden über das Gelände führen kann, müssen wir sicher sein, dass es auch verkehrssicher ist - das ist die allererste Maßnahme. Darüber hinaus wird es eine sehr intensive Bestandsaufnahme für die technischen und baulichen Anlagen geben müssen, wie zum Beispiel für das Riesenrad. Ziel wäre es natürlich einiges wieder in Gang zu setzen und in Betrieb gehen zu lassen. Einfache profane Sachen, wie die Vermessungen müssen wir angehen. Wir müssen intern ein Team aufbauen, das interdisziplinär eingesetzt werden kann. Es geht im Spreepark nicht nur um architektonische Aufgabenstellungen. Es geht darum, dass man das Projekt aus mindestens drei oder vier Blickwinkeln weiterentwickelt und deswegen soll sich ein Planerteam etablieren, das aus Architekten, Szenografen, Kulturmanagern und Tourismusexperten besteht. Als Ergebnis wird am Ende ein Masterplan stehen.

Noch im Januar werden wir diverse Sachen vorbereiten und beauftragen müssen: Für die Zielanalyse ist der Aufbau eines interdisziplinären Teams wichtig, um ein Masterplankonzept zu entwickeln. Ende des Jahres 2016 möchten wir einen Masterplan verabschieden können.


BerlinOnline: Was genau hat Grün Berlin dazu bewogen den Spreepark zu übernehmen?

Schmidt: Es ist die Besonderheit des Ortes: Entstanden aus einer DDR Kulturgeschichte heraus, war dieser Ort mit einer besonderen Heiterkeit unterlegt. Viele Menschen aus der ehemaligen DDR können sich mit dem Ort identifizieren und verbinden tolle Erinnerungen, Familienausflüge und eben Spaß und Freude mit dem Spreepark. Gleichwohl kam auch eine Zeit, die etwas düsterer war, in Teilen auch kriminell, was im Zusammenhang mit einem besonderen Entwicklungsabschnitt von Berlin steht. Natürlich ist es eine Fläche, die ihre Besonderheiten hat. Zum einem von der Lage her: Sie liegt direkt an der Spree, es gibt ein interessantes Promenadenband, das von Kreuzberg am Plänterwald vorbei führt, die Insel der Jugend mit einbezieht und künftig noch weitergehen soll. Es ist spannend, was da als Grün- und Stadtfläche entsteht. Da soll auch der Spreepark eine wesentliche Rolle spielen und da die Nachfrage von Seiten der Bürger sehr intensiv war, möchte Grün Berlin dabei helfen, solche Projekte zielgerichtet nach vorne zu führen. So wurden wir von dem Berliner Immobilienmanagement (BIM) gefragt, ob wir die Fläche übernehmen könnten. Wir haben damals gesagt, dass wir unter entsprechenden Gegebenheiten - das sind dann natürlich auch finanzielle Voraussetzungen - dazu bereit seien. So hat es fast eineinhalb Jahre gedauert um die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen, wie beispielsweise die Absprache mit der Finanzverwaltung zur Ausfinanzierung. Jetzt konnte der Vertrag unterschrieben werden.

BerlinOnline: Es gab einen größeren Zeitraum, in dem sich niemand an das Gelände heran getraut hat. Gab es denn bei Ihnen auch Stimmen, die eine Übernahme kritisch sahen?

Schmidt: Natürlich muss man genau hinschauen, ob man das verantworten und das Projekt erfolgreich voranbringen und entwickeln kann. Hätte ich ein schlechtes Gefühl gehabt, dann hätten wir ein solches Projekt auch nicht übernommen. Aber bei dem Spreepark gibt es etwas höchst Interessantes und auch etwas, was es so noch nicht gibt in Berlin. Ein neuer Parktypus wird entstehen, der aus meiner Sicht auch nationale und vielleicht auch internationale Relevanz haben könnte und da fängt es an spannend zu werden. Besonders reizvoll ist die Herausforderung diesen geschichtsträchtigen Ort mit dem Duktus von „Lost Place“ (Anm. d. Red.: Vergessener Ort) zu entwickeln. Die Fragestellung ist, wie man dennoch neue Nutzungsbausteine implementiert und diese weiterentwickelt bekommt? Da muss man sehr genau hinschauen und gut aufpassen, dass die Mischung stimmt.

BerlinOnline: Sie sprachen vorhin von der Geschichte und der Tradition des Spreeparks. Inwiefern planen Sie die Historie des Freizeitparks in die bauliche Konzeptionierung zu integrieren?

Schmidt: Wir werden keinen Rummelplatz errichten und es wird auch nicht so werden, wie es war. Ich sprach jetzt grade auch von der Einbeziehung der Relikte und vom Erhalt einer besonderen Atmosphäre. Das bedeutet nicht, dass alles erhalten bleibt, aber es gibt gewisse Szenografien, die für die damalige Zeit stehen, auch wenn es vielleicht schon überfremdet daherkommt. Sie kennen vielleicht den Landschaftspark Duisburg-Nord, wo ja auch alte Industriegeschichte in einem Park steht: Alte Stahlwerke, wo man eben auch nicht alles abgerissen hat, sondern man hat diese Relikte stehen gelassen und sie in einen anderen Sinnzusammenhang zusammen mit einem öffentlichen Park gebracht. Insofern ist dieser Park in Duisburg-Nord durchaus eine Referenz. Dort gab es zwar keinen Freizeitpark, sondern das war Schwerindustrie, aber der Umgang damit ist möglicher Weise vergleichbar.

Spreepark 2016 dpa
Das alte Riesenrad des ehemaligen Freizeitparks «Spreepark» in Berlin ist am 07.01.2016 zwischen verschneiten Bäumen zu sehen.

BerlinOnline: Gibt es denn schon konkrete Attraktionen, die geplant sind oder Ideen, die sie uns diesbezüglich verraten dürfen?

Schmidt: Also mir liegt sehr daran mindestens zwei Dinge gut werden zu lassen - im Sinne der Reetablierung und Neuinbetriebnahme. Zum einen natürlich das Eierhäuschen. Das Eierhäuschen ist sowohl historisch, als auch baulich einmalig. Historisch, weil es eines der ersten großen Ausflugsgastronomien in Berlin war, direkt an der Spree gelegen, früher mit einem Schiffsanleger. Auch daran müssen wir arbeiten, es muss dort unbedingt wieder einen Schiffsanleger geben. Und dieses Gebäude hat ein großes Flächenpotential, das ich nicht ausschließlich der Gastronomie verorten würde.
Da muss man erstmal einen Gastronomen finden, der das betreibt und dann sollte dort auch die Kreativszene implementiert werden. Somit hätten wir etwas Historisches, in das sich etwas Neues einbetten kann. Die andere besondere Attraktion ist aus meiner Sicht das Riesenrad, was keinesfalls weg darf. Hoffentlich bekommt man es wieder richtig in Gang und in Betrieb - das ist ja meine große Hoffnung. In jedem Fall muss es aber als Ikone im Park stehen bleiben.
Das sind schon aus meiner Sicht zwei ganz wichtige wesentliche Ankerpunkte, an denen man sich orientiert und auch zielgerichtet mit Schwerpunktsetzung darauf zuarbeiten sollte. Die Ankündigung anderer Attraktionen wäre jetzt allerdings verfrüht.


BerlinOnline: Im neuen Spreepark soll mit der Kreativszene gearbeitet werden. Gibt es dazu schon konkrete Pläne?

Schmidt: Nein, da gibt es noch keine genauen Pläne und da muss man auch erst mal die Künstlerszene befragen, wie sie sich eventuell ein Engagement vorstellen können. Da geht es möglicher Weise um die Clubszene und um das Thema „Artist in Residence“. Also, was können Künstler da vor Ort eigentlich tun? Wie können sie sich dokumentieren und ihr Schaffen zeigen? Darüber hinaus soll es kulturelle Angebote, wie zum Beispiel Theater, geben. Es kann natürlich noch vielmehr angeboten werden. Die Szenen müssen befragt werden und dann muss man gucken, wer dazu passen könnte.

BerlinOnline: Das Gelände des Spreeparks ist 30 Hektar groß und in der Vergangenheit ist schon einiges passiert, Brandstiftung beispielsweise. Planen Sie etwas für die Sicherheit auf dem Gelände zu tun?

Schmidt: Wir werden den vorhandenen Sicherheitsdienst beschäftigen und dort weiterhin Wachschutz haben. Der Zaun ist erst letztes Jahr errichtet worden. Damit hat man bereits das nötige Maß an Sicherheit. Natürlich, wenn da jemand unbedingt hinein möchte, schafft er das auch, aber dann auf eigene Gefahr. Der Spreepark ist aktuell mit diesen Baulichkeiten höchst gefährlich. Ich habe auch gehört, dass manche sogar in die Gondeln vom Riesenrad steigen und sich nach oben fahren lassen. Diese bewegen sich durch den Wind im Kreis, doch die Geländer können jeden Moment abreißen.

BerlinOnline: Mein persönlicher Albtraum.

Schmidt: Das wäre wirklich ein Albtraum, ja.

BerlinOnline: In der Vergangenheit ist das Gelände ja auch als Filmkulisse genutzt worden. Planen sie etwas in der Richtung? Gibt es da noch Interessenten, gerade bevor das Gelände umgestaltet wird?

Schmidt: Mit Sicherheit werden einige aufmerksam werden. Sie müssen aber keine Angst haben, dass das Gelände so umgestaltet wird und dass es dann nicht mehr als Filmkulisse mit besonderem Charme genutzt werden kann, ganz im Gegenteil.

BerlinOnline: Das waren ja zum Teil Horrorfilme, die aufgrund der düsteren Kulisse im Spreepark gedreht wurden. Wenn Sie dort alles „schön“ machen, wird das schwierig.

Schmidt: "Schön" ist der falsche Begriff dafür. Eher eine besondere Ästhetik, die das schon vorhandene mit einbezieht. Aber wir werden die vielen Filmteams nicht verprellen - also das wird sich in Teilen verändern und wieder anders interessant werden für spezielle Filmschaffende.

Spreepark 2016 dpa
Der Geschäftsführer der Grün Berlin GmbH, Christoph Schmidt, steht am 07.01.2016 während einer Begehung des ehemaligen Freizeitparks «Spreepark» in Berlin, zwischen alten Schwanenbooten.

BerlinOnline: In Berlin gibt es akuten Wohnungsmangel, ich erinnere an die Debatte um das Tempelhofer Feld. Und 30 Hektar sind eine ziemlich große Fläche. Stand es jemals zur Diskussion Wohnungsbau auf dem Gelände zu betreiben?

Schmidt: Die Diskussion gab es auf jeden Fall. Man hat sich sehr genau angeschaut wo dieser Standort liegt und wie er zu erschließen ist und was man da eigentlich entwickeln kann. Im Grunde kamen wir zu dem Schluss, dass die Erschließungssituation sehr schwierig ist. Man kann dort den günstigen Wohnraum nicht anbieten, weil es im Sinne der interstrukturellen Vorbereitung zu viel kosten würde, was sich dann auf die Kaufpreise niederschlagen würde. Und genau das will man aus gutem Grunde nicht und insofern hat man davon Abstand genommen. Das wäre an dem Standort eine absolute Insellage und es gäbe auch Schwierigkeiten im Bereich der immissionsschutzrechtlichen Aspekte, weil direkt gegenüber das laute Zementwerk und das Kohlekraftwerk sind.

BerlinOnline: Laut eines Gutachtens gibt es scheinbar kein Problem mit dem Grundwasser auf dem Gelände. Planen sie etwas gegen den arsenverseuchten Boden zu tun?

Schmidt: Natürlich. Genau das sind solche Gefahrenstellen, die wir schnell identifizieren und beseitigen müssen. Leider ist gerade in den letzten Jahren sehr viel Müll zusammen geschoben worden. Das sind solche Brennpunkte bei denen wir sehr schnell wegen des Umweltschutzes reagieren müssen.

BerlinOnline: Der Vertrag wurde gerade erst unterschrieben. Im Internet kursieren dennoch schon Gerüchte, wann das ganze begehbar werden soll. Gibt es schon einen Zeitplan? Wann möchte man fertig sein?

Schmidt: Da wir von unterschiedlichen Stellen abhängig sind, ist dies schwierig zu beantworten. Wir brauchen Geld um das Gelände verkehrssicher machen zu können - damit wieder ein Park entsteht, der wirklich begangen werden kann. Wir haben zunächst drei Millionen Euro aus SIWA-Mitteln zur Verfügung, mit denen wir Erstmaßnahmen initiieren, eine Grundverkehrssicherung herstellen und einen Masterplan bis zum Ende des Jahres erstellen können. Das Projekt wird sich zeitlich deutlich gestreckt entwickeln und man wird es nicht im Hauruck verfahren in eineinhalb Jahren umgesetzt bekommen. Aber es wäre schon ein Ziel, dass wir in diesem Jahr zumindest soweit kommen, dass man gezielte Führungen und Besichtigungen des Geländes ermöglichen kann. Wenn gewisse Teilbereiche verkehrssicher sind, könnten dort beispielsweise kleine Theaterveranstaltungen stattfinden. Doch mit solchen Zielen müssen wir vorsichtig umgehen, denn wenn man da als Parkbetreiber zu „laissez-faire“ mit der Sicherheit umgeht und dann etwas passiert, dann steht schnell die Staatsanwaltschaft vor der Tür. Wir sind keine Behörde, sondern privatrechtlich organisiert.

BerlinOnline: Also sind sie optimistisch, dass Sie noch vor dem Hauptstadtflughafen BER fertig werden?

Schmidt: Nein bin ich nicht, aber das war auch nie mein Ziel.

BerlinOnline: Jetzt sind die Berliner sehr interessiert an der Entwicklung. Plant Grün Berlin etwas, um den ganzen Bauprozess transparent zu machen, so dass die Bevölkerung daran teilhaben kann?

Schmidt: Ja, das wollen wir tun. Es wird sicherlich im nächsten Jahr Dialogveranstaltungen geben, in denen wir Interessierte und Bürger miteinbeziehen und wo wir genau hinhören, welche Ideen und Vorschläge der Bürger es gibt. Gleichwohl muss man aber auch sagen, dass es sich beim Spreepark nicht um einen klassischen Berliner Park handeln wird, sondern um einen speziellen Freizeitpark mit deutlich touristischem Aspekt. Anders kämen wir gar nicht an die nötigen Mittel, da sind knallharte Förderbedingungen einzuhalten, die dazu führen werden, dass sich manche Bürgerprojekte nicht umsetzen lassen. Der Spreepark ist nicht wie das Gelände am Gleisdreieck. Wir haben hier einen anderen Park-Typus, der übrigens vom rechtlichen Status keine öffentlich gewidmete Grünfläche oder Parkanlage ist. Der Spreepark gilt als Sonderfläche. Aber ich komme auf ihre Frage zurück: Es sollen Formate entwickelt werden, die Transparenz ermöglichen. Nebenbei sei bemerkt, dass es schon einmal vor vier Jahren ein großes Workshop-Verfahren für den Spreepark gab. Und das ist für uns eine ganz hervorragende Plattform, denn da wurden sehr viele unterschiedliche Meinungen und Interessenlagen mit eingebunden. Da sind wir dabei: Wir möchten diese Plattform, die da erarbeitet wurde, fortführen.

BerlinOnline: Sollen Teile des Parks der Öffentlichkeit umsonst zugänglich gemacht werden oder wird es Eintritt kosten?

Schmidt: Das will ich nicht in Aussicht stellen. Wie das Thema "Eintrittspflicht" sich organisiert, dazu brauchen wir eine größere Entscheidungs-Grundlage.

BerlinOnline: Sie haben gerade über die Geschichte des Spreeparks gesprochen. Wie sieht ihre persönliche Verbindung zum Vergnügungspark aus?

Schmidt: Da gibt es keine Verbindung. Ich war nicht immer in Berlin, aber ich konnte das Thema in den Neunzigern in den Medien verfolgen. Damals radelte man an der Spree und wunderte sich über die Fläche dort. Das Thema „Spreepark“ stand permanent zur Diskussion und durch die Schlagzeilen über den damaligen Besitzer wurde es für mich ein wenig suspekt: Kokain und Rauschgiftdelikte. Mich hat es in den Neunzigern nicht viel dahingezogen, aber jetzt hat es eine deutlich höhere Relevanz für mich.

Das Interview führten Patrick Diekmann und Franziska Wall.

Quelle: BerlinOnline/Franziska Wall/Patrick Diekmann
(Bilder: dpa)