Menschenrechtler: Wachsender Antisemitismus in Deutschland

Berlin (dpa/bb) - Der Deutschland-Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Wenzel Michalski, hat einen wachsenden Antisemitismus in der Bundesrepublik beklagt. Vor allem an Schulen gebe es eine hohe Gewaltbereitschaft, sagte Michalski, dessen Sohn an einer Schule in Berlin-Friedenau als Jude gemobbt worden war. Die Lehrer wüssten anscheinend nicht, wie sie dem entgegentreten müssten. Auch sei es zunehmend gefährlich, sich erkennbar als Jude zu zeigen, sagte Michalski in einem Interview mit der Deutschen Welle.

Sein Sohn sei als Jude beschimpft, geschlagen und getreten worden. Höhepunkt sei eine Scheinhinrichtung gewesen, berichtete Michalski. Die Schule habe kein Interesse gezeigt, dagegen vorzugehen. Daraufhin habe er das Kind von der Schule genommen.

Mit dem Erstarken der AfD und des Rechtspopulismus scheine es hoffähig zu sein, Sachen zu sagen, die man vorher nicht gesagt habe, sagte Michalski. Auch die große Zahl muslimischer Einwanderer spiele eine Rolle. Es handele sich oft um Menschen, die bereits im Kindergarten gelernt hätten, dass Juden angeblich schlecht seien und in deren Herkunftsländern der Antisemitismus zur Staatsräson gehöre. Schulen müssten die meistens jungen Menschen darauf ansprechen und entsprechend erziehen.

Letzte Änderung: Freitag, 17. November 2017 17:30 Uhr
Quelle: dpa

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(Bilder: BerlinOnline; dpa)