Rettungsgasse
Eine Rettungsgasse ist auf der Autobahn nach einem Unfall gebildet worden. Foto: P. Steffen/Archiv dpa

Aufklärung an Raststätten zu Rettungsgassen

Bei schweren Verkehrsunfällen auf Autobahnen müssen nachfolgende Fahrer einen Weg für Rettungskräfte frei halten. Damit das besser klappt, setzt Brandenburg nun auch auf eine bessere Ansprache.

Motzen (dpa/bb) - Mit gezielter Aufklärung an drei Brandenburger Raststätten werden Autofahrer in dieser Woche auf die mitunter lebenswichtige Bedeutung von Rettungsgassen aufmerksam gemacht. «Rettungsgassen retten Leben», sagte Verkehrsstaatssekretärin Ines Jesse am Dienstag zum Auftakt an der Raststätte Am Kahlberg Ost an der Autobahn 13. Sobald es auch nur im Ansatz zur Staubildung komme, müssten sich Autofahrer richtig einordnen, damit Rettungskräfte schnell und unkompliziert an die Unfallstelle gelangen könnten.

Die drei Aktionstage sind Teil der Landeskampagne «Lieber sicher. Lieber leben.» Weitere Stationen sind am Mittwoch die Raststätte Linumer Bruch Nord (A24) und am Donnerstag die Raststätte Michendorf Nord (A10). Kooperationspartner ist der Tankstellen- und Raststättenbetreiber Tank & Rast.

Für die Durchfahrt von Polizei- und Rettungsfahrzeugen muss zwischen dem äußersten linken und dem rechts daneben liegenden Fahrstreifen eine freie Gasse gebildet werden. Das gilt bereits bei Schritttempo. Wer sich daran nicht hält, muss mittlerweile mit höheren Strafen rechnen. «Verfehlungen werden zu Recht mit schweren Strafen belegt», sagte Jesse.

Seit vergangenem Donnerstag müssen Fahrer mindestens 200 Euro statt wie bisher 20 Euro zahlen, wenn sie bei stockendem Verkehr auf der Autobahn keine Gasse bilden. Zwei Punkte in Flensburg kommen hinzu. In schweren Fällen droht sogar eine Geldbuße von bis zu 320 Euro, verbunden mit einem Monat Fahrverbot und zwei Punkten in Flensburg.

Generell muss Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht und Martinshorn sofort Platz gemacht werden - unabhängig von Rettungsgassen. Seit Ende Mai gilt es zudem als Straftat, bei Unglücksfällen vorsätzlich Einsatzkräfte zu behindern, die Hilfe leisten oder leisten wollen. Darauf stehen nun Geldstrafe oder bis zu ein Jahr Haft.

Just am Dienstagvormittag fiel der Polizei auf dem nördlichen Berliner Ring ein 61 Jahre alter Wohnmobil-Fahrer auf, der beim Überholen mehrerer Lastwagen einen Rettungswagen blockierte - trotz Blaulicht und Sirene. Ein Streifenwagen fuhr zufällig dahinter. Die Beamten stoppten das Wohnmobil nach dem Vorfall. Der Fahrer gab an, den Rettungswagen zu spät bemerkt zu haben. Laut Polizei erwarten ihn nun 240 Euro Geldstrafe, zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot.

Immer wieder kommt es auch vor, dass nach Unfällen keine Rettungsgasse gebildet wird. Mitunter nutzen besonders dreiste Autofahrer die Gasse sogar selbst, indem sie zum Beispiel einem Notarztwagen folgen. Anfang Juli sorgte ein Fall in Bayern für großes Aufsehen: 18 Menschen starben beim Brand eines Reisebusses auf der Autobahn 9. In die Trauer mischte sich Ärger über Autofahrer, die die Rettungsgasse behindert hatten. Einsatzkräfte hatten deswegen große Probleme, den Unfallort zu erreichen.

Weil es bei der Rettung von Leben auf möglichst schnelle Hilfe ankommen kann, gibt es zum Beispiel auch Vorschläge, bei Stau- und Unfallmeldungen im Radio stets an die Bildung einer Rettungsgasse zu erinnern.

Letzte Änderung: Dienstag, 24. Oktober 2017 16:00 Uhr
Quelle: dpa

Weitere Meldungen

(Bilder: BerlinOnline; dpa)