Helmut Maletzke
Der verstorbene Greifswalder Maler und Grafiker Helmut Maletzke in Aktion. Foto: S. Sauer/Archiv dpa

Widerspruch in Person: Greifswalder Maler Maletzke ist tot

Helmut Maletzke, einer der prägendsten Künstler Vorpommerns, ist gestorben. Er schuf repräsentative Kunstwerke, sah sich als Opfer des DDR-Kunstbetriebes. 2010 wurde seine Stasi-Akte bekannt.

Greifswald (dpa/mv) - Er war einer der bekanntesten Künstler Vorpommerns - ein sensibler Beobachter der Zustände und Gefangener des Systems DDR: Der Maler Helmut Maletzke. Der Greifswalder starb am Sonntag im Alter von 97 Jahren in seiner Heimatstadt, wie eine Sprecherin des Greifswalder Pommernhus, eine Einrichtung der Helmut-Maletzke-Stiftung, am Dienstag bestätigte. «Wir sind alle sehr traurig.»

Der aus Neustettin stammende Maletzke schuf zu DDR-Zeiten Ölgemälde, Grafiken, Radierungen - vor allem aber große Wandgemälde, mit denen er das Stadtbild in Greifswald prägte. Zu diesen Arbeiten zählen das Wandbild «Mittelalterliches Greifswald» im Rathaus (1955) oder auch sein Mosaik «Blumenmädchen und Gärtnerjunge» am Giebel eines Plattenbaus (1971). Maletzke übernahm die künstlerische Ausgestaltung von Schiffen und genoss das in der DDR seltene Privileg, mit einem Frachtschiff nach Afrika und Ostasien reisen zu dürfen.

1972 wurde Maletzke - wie er selbst immer betonte - mit einem Berufsverbot für repräsentative baugebundene Arbeiten belegt. Zuvor hatte man ihm «Verbildung des Bewusstseins der Menschen» vorgeworfen. 2005 hatte er der dpa berichtet, dass er nicht gewillt gewesen sei, ein Mosaik mit einer «riesengroßen Kommunisten-Faust» zu gestalten. Umso größer die Überraschung, als 2010 der Norddeutsche Rundfunk seine Stasi-Akte offenlegt.

Die Akte belegte, dass Maletzke zwischen 1961 und 1989 für die Stasi unter dem Decknamen Erwin Schreiber über den Verband der Bildenden Künstler, über Malerkollegen sowie über seine Auslandsreisen berichtet hatte. Er selbst sah sich als Opfer, versuchte seine Tätigkeit zu relativieren. Der Pommersche Künstlerbund, den Maletzke nach der Wende wiederbelebt hatte, distanzierte sich von ihm. Eine zu seinem 90. Geburtstag geplante Ausstellung im Rathaus wurde durch den damaligen Oberbürgermeister abgesagt.

Aus dem Rathaus gab es zu Maletzkes Tod auch keine öffentliche Stellungnahme. Es werde ein Kondolenzschreiben an die Familie vorbereitet, sagte eine Sprecherin. Der CDU-Landtagsabgeordnete Egbert Liskow, der zusammen mit Maletzke 2009 und 2010 die Aufstellung eines Caspar-David-Friedrich-Denkmals in der Greifswalder Altstadt vorangetrieben hatte, würdigte Maletzkes Schaffen. Er habe junge Künstler gefördert, internationale Ausstellungen organisiert, im Ausland ausgestellt.

«Mit Helmut Maletzke verlässt uns künstlerischer Freigeist, der überall in Vorpommern seine Spuren hinterlassen hat und Greifswald durch sein Schaffen und seine Werke in der Welt bekannt gemacht hat», sagte Liskow. Zu seiner widersprüchlichen Rolle in der DDR will sich Liskow nicht äußern. Der Tod eines Menschen sei nicht der Zeitpunkt, um alte Wunden aufzureißen.

Das Werk Maletzkes ist gesichert. Vor allem seine dem Surrealismus angelehnten Ölbilder reflektieren die Widersprüche der Gesellschaft und lassen den Betrachter in großer Nachdenklichkeit zurück. Noch zu Lebzeiten gründete der Künstler eine Helmut-Maletzke-Stiftung, der er bis zu seinem Tod vorstand. Dort wird jetzt beraten, wer die Nachfolge des Stiftungsvorstandes annimmt.

Letzte Änderung: Dienstag, 17. Oktober 2017 14:50 Uhr
Quelle: dpa

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(Bilder: BerlinOnline; dpa)