Herthas Trainer Pal Dardai
Herthas Trainer Pal Dardai. Foto: Soeren Stache dpa

Hertha-Profis stolz auf «Belohnung»

Hertha startet nach acht Jahren wieder mit Stolz in die Gruppenphase der Europa League. In die Vorfreude mischt sich aber Ärger über das mangelnde Interesse in der Metropole Berlin. Das 107. Europacupspiel seit 1963 sieht Kapitän Ibisevic vor allem als Belohnung.

Berlin (dpa) - Vedad Ibisevic möchte Herthas ersten Europacup-Abend nach langer Pause einfach «genießen» - aber die Hauptstadt ignoriert die Rückkehr ihres Fußballteams Nummer eins auf die internationale Bühne. «Die Europa League wird grundsätzlich nicht so geschätzt. Ein ähnliche Situation hatte ich schon in Stuttgart», bemerkte der Kapitän von Hertha BSC. «Es gibt gute Mannschaften, schwierige Gegner, teilweise ist es unattraktiv. Für uns ist es einfach eine Belohnung, das hat uns keiner geschenkt», betonte Ibisevic.

Einen Tag vor dem Gastspiel des spanischen Tabellen-Vierten Athletic Bilbao am Donnerstag (21.05 Uhr/Sky) im Olympiastadion bestimmten Themen wie die anstehende «Art Week» und der «Kollaps von Air Berlin» die Titelseiten der Berliner Gazetten. Der Ticket-Vorverkauf für das erste Gruppenspiel der Hertha in der Europa League seit acht Jahren schleicht sich in der 3,5 Millionen Einwohner zählenden Metropole nur langsam an die Marke von 25 000 heran. «Wir wissen, dass nicht so viele Zuschauer kommen werden. Das müssen wir akzeptieren. Berlin ist so», sagte Trainer Pal Dardai trotzig.

In den fünf internationalen Spielzeiten zwischen 2003 und 2010 pendelten die Zuschauerzahlen zwischen 8000 und 26 000. Ausnahme war nur der Heimauftritt gegen Galatasaray Istanbul, als vor allem türkische Anhänger 62 000 Plätze füllten. «Es wäre von Vorteil, wenn wir davon ausgehen, dass es nicht ausverkauft sein wird», bemerkte nun Innenverteidiger Sebastian Langkamp: «Wir können uns dann darauf einstellen, dass nicht so viel los sein wird. Das ist natürlich ein bisschen schade, aber auch der Stadt Berlin geschuldet.»

Dardai will aus dem Dilemma einfach eine sportliche Herausforderung machen. Ziel ist Platz eins oder zwei in der Gruppenphase: «Wenn wir gut spielen und weiterkommen und in der K.o.-Phase einen starken Gegner kriegen, dann wird das Stadion auch voll.» Gegen den vermeintlich stärksten Gruppengegner Athletic - in Abgrenzung zum jüngsten Ablösesummen-Wahn wird das Team noch immer traditionell ausschließlich von Profis mit baskischem Bezug gebildet - will Dardai «vier frische Spieler einbauen» und «etwas anders machen». Einzelheiten nannte der 41 Jahre alte Fußball-Lehrer nicht.

Im Tor wird in der Europa League Thomas Kraft statt Stammkeeper Rune Jarstein spielen. Ob der niederländische Neuzugang Karim Rekik in der Innenverteidigung auflaufen wird, ist offen. «Bei Muskelverletzungen ist man immer vorsichtig», erklärte Dardai. Es könne sogar sein, dass ein Spieler von der Startelf auf die Tribüne rotiert oder umgekehrt. «Das müssen die Spieler lernen, es soll keiner beleidigt sein. Es geht um Erfolg», betonte der Hertha-Coach.

Athletic-Trainer José Angel Ziganda hat mit Benat und Ander Iturraspe zwei seiner kreativesten Spieler in Bilbao gelassen. Dardai will sich mit dem Gegner aber nicht mehr als nötig beschäftigen: «Von mir aus kann er alle zu Hause lassen. Wir wollen gewinnen. Wir haben auch 30 Spieler, denen ich das zutraue.» Auch wenn Bilbao «momentan eine bessere Form als wir» habe: «Wir wollen ihnen offensiv weh tun.»

Der Ungar führt mit 42 Einsätzen als Spieler selbst die Europacup-Bestenliste der Berliner vor Ex-Nationalspieler Arne Friedrich (37) an. Als Trainer ist die Europa League auch für ihn Neuland. Und die Akteure um den jungen Mitchell Weiser betreten mit Stolz, aber auch einem Schuss Ungewissheit die neue Bühne. «Es ist etwas Spezielles», erklärte der Australier Mathew Leckie, mit drei Treffern in vier Ligaspielen derzeit Herthas Torgarant Nummer eins.

Letzte Änderung: Mittwoch, 13. September 2017 17:00 Uhr
Quelle: dpa

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(Bilder: BerlinOnline; dpa)