Line Dance
Mitglieder des Hohensteiner Countrydancer e.V. aus dem brandenburgischen Straußberg in Märkisch-Oderland proben Line Dance für einen Auftritt. dpa

Line Dance: Solo in der Gruppe im Takt Spaß haben

Man braucht keinen Partner, es ist leicht zu lernen und macht allen Altersgruppen Spaß: Das Line-Dance-Fieber hat Tanzwütige in Berlin erfasst.

Kakteen, ein Pritschenwagen und die USA-Flagge schmücken den «Saloon oft the Countrydance» im ehemaligen Arbeitsamt von Strausberg bei Berlin. Aus den Lautsprechern tönt Country-Musik.

Cowboyhüte, Rüschen und Stiefel

Dazu tanzen Frauen und Mädchen in Miedern und Rüschenröcken, die Männer tragen Cowboyhüte und Stiefel. Trainerin Konny Kluck gibt die Schrittfolge auf Englisch vor: «Slide», «Rock back», «Side touch», «Step look step». Synchron bewegen sich die 16- bis 76-Jährigen in Reihen angeordnet über das Parkett. 64 Tanzfiguren am Stück scheinen für sie ein Leichtes zu sein.

Was für Außenstehende wie eine komplizierte Gedächtnisleistung aussieht, heißt Line Dance und stammt aus den USA. Die «Hohensteiner Countrydancer» treffen sich wöchentlich, um diesem Hobby zu frönen. Das Line-Dance-Fieber hat in den vergangenen Jahren Tanzwütige in der gesamten Republik erfasst. Und die Begeisterung reißt nicht ab. Im nach eigenen Angaben größten deutschsprachigen «Line Dance Portal» im Internet registriert Betreiber Peter Wiedemann wachsende Nutzerzahlen.

Berühmt durch Filme

2004 hat der Norddeutsche das Portal mit Videos, Adressen, Terminen gegründet, um sich mit anderen Gruppen auszutauschen. Jetzt sind bei ihm etwa 200 Vereine gemeldet. Darüber hinaus gebe es unzählige nicht als Verein eingetragene Gruppen, berichtet er.

Vor gut 30 Jahren sei der Line Dance durch den Film «Saturday Night Fever» bekanntgeworden, erklärt Wiedemann. «Der weltweite Durchbruch gelang 1995 mit dem Hit 'Achy Breaky Heart' von Billy Ray Cyrus.» In Deutschland habe der Fernsehfilm «Willkommen im Westerwald» (2008), in dem fast ein ganzes Dorf dem Tanz verfällt, einen weiteren Boom ausgelöst.

Kostüme werden selbst genäht

«Sie brauchen keinen Partner und keine besondere Kleidung», erläutert die Strausberger Trainerin Kluck zwei Vorteile. Kostüme für Auftritte seien oft selbstgenäht. Zum Training genügten Turnschuhe. Obwohl die Formation aus Solisten bestehe, fördere das Tanzen in der Gruppe den Zusammenhalt - auch zwischen den Generationen. Längst werde auch nicht mehr nur nach Country-Rhythmen getanzt, sondern auch zu Pop-, Rock'n'Roll- oder Tangomusik.

Tolles Gedächtnistraining

Im «Saloon oft the Countrydance» ist es inzwischen eng geworden: Seit Vereinsgründung 2007 stieg die Mitgliederzahl von 25 auf 52. «Von der Schülerin über den Hartz IV-Empfänger bis hin zur Angestellten - bei uns tanzen alle zusammen», sagt Kluck. Die 53-jährige Autodidaktin findet im Internet immer wieder neue Choreographien und die passende Musik für ihre Gruppe. Der einfachste Tanz bestehe aus nur 16 Schritten, sogenannten Counts. Der Schwierigkeitsgrad sei auf bis zu über 100 Counts steigerbar. «Gerade für Ältere ist das ein tolles Gedächtnistraining», schwärmt Kluck.

Schnelle Erfolgserlebnisse

«Line-Dancer haben unglaublich schnell Erfolgserlebnisse, da sich ein Tanz an einem Abend erlernen lässt», sagt auch der dem Anfängerstatus längst entwachsene Enrico Adler aus Kleinmachnow Potsdam-Mittelmark. Er hat es bereits zum vierfachen Amateur-Weltmeister gebracht. Den letzten Titel holte er 2007 in Dublin, trat dann aber zugunsten des Berufs kürzer.

Der 39-Jährige gibt sein Wissen jetzt in Kursen weiter, entwickelt Choreographien und verkauft Videos. Ausschnitte daraus sind auch bei Youtube zu sehen. Dort finden sich zum Stichwort «Line Dance» auch rund 92 000 Videos aus aller Welt. «Line Dance ist eben ein Wahnsinns-Trend», so Adler.

Quelle: dpa
(Bilder: dpa; BerlinOnline/argus/flashpics/fotolia.com; ADAC Berlin-Brandenburg e.V.; Rainer Sturm / www.pixelio.de ; Albrecht-E.-Arnold/ www.pixelio.de ; Dove/Edelman)