Rollatoren werden bei Senioren immer beliebter. Doch der richtige Umgang will gelernt sein. Deshalb gibt es immer mehr Verkehrssicherheitstrainings speziell für Senioren und ihre Rollatoren.
Lisa Sebrowski (82) kurvt flott mit ihrem Gehwagen um kleine Kegel. Strahlend erreicht sie das Ziel des Hindernis-Parcours, den Helfer am Dienstag in Schwerin aufgebaut haben. Die Seniorin hinter ihr scheitert dagegen an einem Holzbalken, der vorn und hinten abgeschrägt ist und einen Bordstein darstellt. Zwei Räder sollen oben langrollen, zwei unten. Aber ihr Rollator rutscht ab.
«Der Straßenverkehr hat Tücken für ältere Menschen», kommentiert Anke Wedlich, die von der Schweriner Polizei für das «Rollator-Training» abgestellt wurde. Dann wendet sie sich an die Gruppe vor ihr: «Wenn Sie stehen oder auf Ihrem Rollator sitzen wollen: Immer die Handbremse anziehen! Das muss Ihnen in Fleisch und Blut übergehen.» Der Schweriner Nahverkehr und die Landesverkehrswacht Mecklenburg-Vorpommern riefen die Aktion ins Leben, nachdem es in Bussen und Bahnen vermehrt zu Unfällen mit Gehwagen-Besitzern gekommen war.
Nirgendwo in Deutschland ist der Anteil alter Menschen an der Bevölkerung so hoch wie im Nordosten. Die Region ist eine Art Labor für den demografischen Wandel in der Bundesrepublik.
Viele der 18 Teilnehmer an dem Training - die Jüngste ist 69, die Älteste 100 Jahre alt - berichten von Stürzen. Lisa Sebrowski musste vor zwei Wochen in die Klinik, als sie beim Einsteigen in einen Ausflugsdampfer mitsamt ihrem Rollator hinfiel. Christa Christoffer stürzte kopfüber von einer Bordsteinkante. Die Räder hatten wohl beim Hinabschieben blockiert, vermutet sie. Wo der Bürgersteig abgesenkt sei, parkten meist Autos, beklagt sie sich.
Wie viele Gehwagen über Deutschlands Bürgersteige rollen, weiß niemand genau. Die Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik in Iserlohn schätzt, dass es 1,5 bis 2,2 Millionen sind. Und es werden immer mehr: Jedes Jahr verkauft der Handel 350 000 bis 500 000 Stück, sagt Volkmar Runte von der Gesellschaft. Der Markt verlange nach Innovationen: Das reiche von immer leichteren Konstruktionen über Elektroantriebe bis hin zu Winterreifen.
Im Straßenverkehr können sich Senioren eigentlich recht sicher fühlen: Seit 30 Jahren sinkt die Zahl der Verkehrsopfer im Rentenalter, obwohl die Alten immer länger mobil bleiben. Starben 1980 noch 3196 über 65-Jährige auf Deutschlands Straßen, waren es 2010 noch 910. Im vergangenen Jahr gab es einen Anstieg auf 1044. Aber auch die Zahl der Verkehrstoten insgesamt hatte im vergangenen Jahr erstmals seit zwanzig Jahren wieder zugenommen: von 3648 auf 3911.
Die Nachfrage nach Verkehrssicherheitstrainings speziell für Ältere wächst. In Schwerin gab es das Rollator-Training zum dritten Mal. «Jedes Mal kommen mehr Leute», sagt Andrea Leirich, Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht. Aus anderen Städten gebe es Anfragen für das Schweriner Modell, sagt sie. Dort sind fast ebenso viele Helfer zu sehen wie Teilnehmer, für die der Kurs gratis ist.
Anke Wedlich führt ihrer Gruppe dann noch eine Gefahr vor, der neben Fahrradfahrern auch Fußgänger und auch solche mit Rollator ausgesetzt sind: der tote Winkel. An einem Transporter hat sie ein großes gelbes Dreieck ausgelegt - der Bereich, in dem der Fahrer niemanden sehen kann. «Erzwingen Sie lieber nicht, vor so einem abbiegenden Fahrzeug über die Straße zu gehen», rät die Präventionspolizistin. Dann geht es weiter zur nächsten Station: Das richtige Aussteigen aus Bus und Bahn geht rückwärts. Mancher staunt und tut sich beim ersten Ausprobieren schwer. Aber nur so ist zu verhindern, dass die Räder wegrutschen oder verkeilen und der Gehwagen-Besitzer kopfüber aus Bus oder Bahn stürzt.
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