Bröckelnde Balkons, verwitterte Reliefs und süßlich gäriger Apfelduft in den Hauseingängen: Lemberg verströmt einen unverwechselbaren Charme.
An den Wohnblöcken aus Sowjetzeiten muss jeder wohl oder übel vorbei auf dem Weg zum mittelalterlichen Kern der westukrainischen Großstadt Lemberg. Durchgerüttelt von den Schlaglöchern in den Straßen kommen die Besucher ans Ziel.
840 Kilometer östlich von Berlin gelegen, gilt der Ort noch als Geheimtipp für Osteuropareisende. Lemberg wirbt nicht nur als Bierhauptstadt der Ukraine, deren Brautradition laut Stadtführern bis zum Jahr 1715 zurückreicht. Auch Freunde von Wiener Kaffeehauskultur und handgemachter Schokolade kommen in der Altstadt, die als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco steht, schnell auf den Geschmack. Doch dies ist nur stärkendes Beiwerk auf einer Zeitreise durch jahrhundertealte Architekturstile.
Bröckelnde Balkons an Fassaden mit feinen, verwitterten Reliefs und Bildhauereien, zerfressener Putz und mal modriger, mal süßlich gäriger Apfelduft in den Höfen und Hauseingängen verströmen einen morbiden Charme, der seinen Reiz auch bei wiederholten Besuchen nicht verliert.
Lemberg setzt auch nach der EM auf die Reiselust der Deutschen. Die drohende Preistreiberei werde intensiv mit den Hotel- und Gaststätteninhabern diskutiert, sagt Radionenko. «Wir wollen schließlich, dass die Besucher noch einmal wiederkommen», sagt sie.
In Antiquariaten bestätigen Schwarz-Weiß-Postkarten, dass sich die einstige multikulturelle Handelsmetropole seit 100 Jahren zumindest äußerlich kaum verändert hat. Doch die 750 Jahre alte Schönheit verfällt. An den Gebäuden der Gotik, Renaissance, des Barock, Klassizismus und der Jugendstil-Zeit werden noch Generationen von Restauratoren zu tun haben. Damit einhergehen soll die innere Erneuerung. Besonders hier im Westen des Landes schauen viele Ukrainer nach Europa und auf eine Zukunft in der EU.
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