Touristen finden in Warschau eine Stadt, die stolz ihre Vergangenheit pflegt und fleißig auf die Zukunft baut.
Städtereisende haben Warschau in der Vergangenheit eher die kalte Schulter gezeigt. Mit der Fußballeuropameisterschaft EM 2012 hat sich das geändert- das Eröffnungsspiel wurde in Warschau ausgetragen, ebenso ein Viertelfinale und ein Halbfinale. Gute Gründe also, um die Stadt an der Weichsel doch einmal kennenzulernen.
Früher war es für Ortsfremde recht einfach, sich im Warschauer Stadtzentrum zurecht zu finden- sie mussten einfach nach dem Kulturpalast Ausschau halten, der weithin sichtbar aufragte. Dieser ist noch immer das höchste Gebäude der polnischen Hauptstadt, aber moderne Bürogebäude haben die Skyline verändert. Inzwischen gilt Warschau als eine der zehn Städte mit der höchsten Wolkenkratzerdichte Europas.
Die modernen Glasbauten stehen auch für das neue Selbstbild des einst so grauen, von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gezeichneten Warschau. Die Stadt hat nicht die Schönheit Krakaus oder den hanseatischen Charakter von Danzig. Hier wird nicht geschlendert, der Puls Warschaus ist schnell. Und auch wenn viele Polen Warschau nicht gerade lieben, sind sich alle einig: Für Karriere, Erfolg und Geld sind in keiner anderen Stadt Polens die Chancen so groß.
Die Häuser entlang des Königswegs und in der Altstadt mit ihren pastell- und bonbonfarbenen Fassaden mögen zwar aussehen als säumten sie schon ein paar Jahrhunderte die historische Flaniermeile Warschaus. Doch sie stammen fast ausschließlich aus der Nachkriegszeit- nach dem gescheiterten Warschauer Aufstand gegen die deutsche Besatzung im Sommer 1944 ließen die Nationalsozialisten die Stadt systematisch zerstören. Der Wiederaufbau des historischen Warschaus war für die Polen nach 1945 auch ein Stück Selbstbehauptung.
Vom Warschauer Schlossplatz aus ist am östlichen Weichselufer das neue, moderne Nationalstadion sichtbar. Die Stadionwände sind in den polnischen Nationalfarben weiß und rot gehalten, ein wenig erinnert die Stadionform an die Königskrone des Adlers im polnischen Wappen. In dem größten und modernsten Stadion Polens, das rund 58.000 Fans Platz bietet, fand das Eröffnungsspiel der Europameisterschaft 2012 statt.
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