BerlinOnline.de

Guimarães
Die Altstadt von Guimarães wurde 2001 zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt. © dpa

Guimarães: Portugals Kulturhauptstadt 2012

Guimarães war die erste Hauptstadt Portugals und gilt als Wiege der Nation. Als Kulturhauptstadt Europas 2012 steht der verträumten Studentenstadt nun eine Invasion bevor.

Guimarães liegt im Norden Portugals am Fuße der Serra da Penha. Die heutige Universitätsstadt mit 52.000 Einwohnern war einst Sitz portugiesischer Könige. Im Jahr 2012 amtiert Guimarães gemeinsam mit Maribor in Slowenien als Kulturhauptstadt von Europa und erwartet seine Besucher mit einem vielfältigen Kulturprogramm.

Guimarães war die erste Hauptstadt Portugals und gilt als die Wiege der Nation. Hier wurde der erste König des Landes Afons I. getauft und zum König gekrönt. Die Kapelle von Sao Miguel, in deren Taufbecken der spätere König angeblich getauft wurde, sowie die Burg von Guimarães gelten den Portugiesen als Nationalheiligtümer.

Die Burg von Guimarães ist die besterhaltene Mittelalter-Festung Portugals

Guimarães Die Burg von Guimarães ist für viele Portugiesen ein Nationalheiligtum. © dpa

Während Urlauber aus Europa, Asien oder den USA im Norden des Landes eher Porto oder Braga anschauen, suchen viele Portugiesen und Brasilianer in Guimarães nach ihren Wurzeln. «Hier wurde Portugal geboren», steht in großen Buchstaben auf der Wehrmauer. Aber wenn am 21. Januar 2012 die Feierlichkeiten beginnen, werden auch viele kulturbegeisterte Touristen aus anderen Ländern die kleine Stadt bevölkern.

Die Burg, in der sich Afonso Henrique die Krone aufsetzen ließ, zerfiel im Laufe der Jahrhunderte, nachdem die portugiesischen Könige nach Lissabon umgezogen waren. Doch Diktator Salazar ließ die Burganlage in den 1940er Jahren von Grund auf restaurieren, um es zu einem Wallfahrtsort der portugiesischen Nation zu machen. So gilt die Burganlage mit ihrem 27 Meter hohen Bergfried auch heute noch als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Festungen Portugals.

Mittelalterliche Altstadt gehört zum Unesco-Weltkulturerbe

Guimarães Wandteppiche, Waffen und Möbel im Palast der Herzöge von Bragança. © dpa

Die Burg beeindruckt durch die Steinplatten, die die Gräber adeliger Krieger in der Kapelle bedecken, und die Wandteppiche, Waffen und Möbel im nahen Palast der Herzöge von Bragança. Sie zeichnen die gesamte Geschichte Portugals nach.

Jeder Stein in der mittelalterlichen Altstadt, die 2001 zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurde, scheint eine ganz besondere Geschichte zu haben. Zum Pflichtprogramm gehören das Rathaus aus dem 14. Jahrhundert, die Kirche de Nuestra Senhora da Oliveira und das Kloster Santa Marinha da Costa aus dem Jahre 1154.

Guimarães erwartet 2012 Besucheransturm

Guimarães Prächtige Herrenhäuser mit kunstvollen Kachelfassaden zieren den Toural-Platz. © dpa

Prächtige Herrenhäuser mit kunstvollen Kachelfassaden zieren den Toural-Platz. Bunte, schief gemauerte und mit Holzbalkonen verzierte Häuser umrahmen die malerischen Plätze Largo da Oliveira und Santiago. Abends servieren die Restaurants hier in mittelalterlichem Ambiente zu portugiesischem Wein lokale Spezialitäten wie Bacalhau (Stockfisch).

Im kommenden Jahr dürfte es mit der romantischen Gemütlichkeit vorbei sein. Das hofft zumindest João Serra. «Wir rechnen mit bis zu 1,5 Millionen Touristen, die uns 2012 allein wegen des Kulturprogramms besuchen werden», sagt der Präsident der Guimarães Stiftung, der für das Kulturhauptstadt-Programm zuständig ist.

Kulturhauptstadt-Programm stellt die Einwohner von Guimarães in den Mittelpunkt

Guimarães Der Platz Largo da Oliveira ist das touristische Zentrum von Guimarães. © dpa

Mit einem Budget von 25 Millionen Euro bastelten João Serra und sein Team ein abwechslungsreiches Kulturprogramm mit Musik, Theater, Kunstausstellungen und Kino, in dessen Mittelpunkt die Einwohner von Guimarães stehen.

Es soll Künstlerresidenzen und Programme geben, die Guimarães auch über das Jahr 2012 hinaus zu einem Ort «kreativen Schaffens» werden lassen, erklärt João Serra - und so die von der Wirtschaftskrise hart getroffene Universitätsstadt neu erblühen lassen.

Quelle: dpa
(Bilder: dpa)