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Rom: Alle Wege führen zum Kolosseum

Das Wahrzeichen Roms und Italiens krankt- nun sollen noch mehr Touristen das Kolosseum retten.

Kolosseum
Fast sechs Millionen Besucher pro Jahr: Das Kolosseum zählt zu den bekanntesten Attraktionen der «Ewigen Stadt» Rom. © dpa
Das Kolosseum in der «Ewigen Stadt» Rom ist von der Vegänglichkeit bedroht. Die Ruine des Amphitheaters, eines der größten antiken Denkmäler der Stadt, ist mehr denn je Besuchermagnet Roms. Fast sechs Millionen Besucher im Jahr zieht es an. Doch das Kolosseum hat «Krebs», die Luftverschmutzung nagt an den Steinen. Also bereitet die Tiber-Metropole eine Rettung vor.

Mit neuen Attraktionen sollen noch mehr Touristen angelockt werden. Nach Renovierungsarbeiten kann der jahrzehntelang geschlossene dritte Stock des Amphitheaters wieder besichtigt werden. Ab Oktober 2010 werden außerdem Gänge im Untergrund freigegeben, aus denen einst Gladiatoren und wilde Tiere in die Arena gebracht wurden.

Roms Kolosseum wurde als Steinbruch missbraucht

Das größte Amphitheater der römischen Welt wurde im Jahr 80 nach Christus von Kaiser Titus eingeweiht- mit den 100-tägigen blutigen Spielen. Roms Baumeister verarbeiteten etwa 100.000 Kubikmeter Travertinstein im Kolosseum. Bretter bedeckten den Boden im Inneren, darunter lagen die «Eingeweide» des Amphitheaters. Hier hielten sich die Gladiatoren auf und Tiere, die bei den Spielen eingesetzt wurden, nachdem sie mit Flaschenaufzügen aus ihren Käfigen in die Arena gehievt worden waren. «Morituri te salutant» hieß der Spruch der Sklaven oder Abenteurer, die sich hier zerfleischen ließen: «Die Todgeweihten grüßen dich.»
Kolosseum
Steinerner Zeitzeuge: Weil der Arenaboden nicht mehr da ist, können Besucher auch in die unterirdischen Gänge des Kolosseums für Gladiatoren und wilde Tiere schauen.
Doch die Zeit der Gladiatoren ging zu Ende, und das 50 Meter hohe Kolosseum war irgendwann «out». Es diente als Steinbruch unter anderem für den Bau des Petersdoms. Denn es gab in Rom eine lange Zeit, in der die Antike nichts mehr galt. Nach und nach wurde aus dem stolzen Amphitheater mit einem Ellipsendurchmesser von 188 Metern eine riesige Ruine, die zeitweise von Unkraut fast überwuchert war.

Noch mehr Touristen sollen das krankende Kolosseum retten

Und heute? Das Kolosseum ist «krank», es braucht viel Geld für die Rettung. Es stehen aber auch ziemlich attraktive Neuerungen ins Haus, die noch mehr Touristen in das «Anfiteatro Flavio» locken sollen, wie das Monumentalwerk auf Italienisch auch heißt. Das bringt Geld in die Kassen.

Derweil suchen die Behörden dringend nach Sponsoren: «Wir brauchen 23 Millionen Euro, um das Bauwerk völlig zu säubern, die Anlagen- und Überwachungstechnik zu modernisieren, die Einfriedung zu erneuern und die Wandelgänge im ersten und zweiten Stock zu restaurieren», sagt die Direktorin des Kulturdenkmals, Rossella Rea.

«Gesteins-Krebs» nagt an den Mauern des Kolosseums

Umweltverschmutzung, Vibrationen durch den Verkehr und Einflüsse starker Wetterveränderungen schädigen das Kolosseum. Im Mai 2010 krachten plötzlich einige Putzplatten herunter. «Das Abfallen dieser Platten hat chemische Veränderungen in den Mauern freigelegt», sagt Rea. Diese Veränderungen verwandeln das Calciumkarbonat der Mauern in Calciumsulfat. Archäologen nennen das «Gesteins-Krebs», weil sich der Prozess metastasenartig fortsetzt. Was abfällt, fangen nun Netze auf.
Kolosseum
Die Jahreseinnahmen von 32 Millionen Euro können nicht in die Instandsetzung fließen, sie finanzieren nur den Alltagsbetrieb. Also muss eine andere Abhilfe her. Und die Zeit drängt- 2011 wird die Nation Italien 150 Jahre alt und soll sich dafür hübsch machen.

Zusätzliche Gänge werden für Touristen geöffnet

«Visit by night», also der Besuch des in der Dunkelheit besonders anziehenden Kolosseums, soll im Sommer jeweils dienstags und samstags bis Mitternacht eine Begegnung der vielleicht auch gruseligen Art mit dem früheren Schauplatz von Gemetzeln ermöglichen.

Zudem können zwei jahrzehntelang verschlossene Teile endlich wieder Touristen und damit Geld anlocken. Es geht dabei um einen Verbindungsgang zum dritten Stockwerk und diese Ebene selbst, die einen Blick über das ganze Amphitheater und seine antike Umgebung mit dem Forum Romanum freigibt. Außerdem werden Gänge im Untergrund geöffnet - einst «Service-Raum» für Gladiatoren und wilde Tiere. Sie werden zu einem Viertel für Besucher freigegeben.

Fürs Schlangestehen wird einiges geboten
Kolosseum
Schnappschuss für Zuhause: In Legionärsmontur bieten sich einige Römer vor dem Kolosseum als Fotomotiv an - natürlich nur gegen entsprechende Bezahlung.
Auf alle, die das Amphitheater bestaunen wollen, wartet aber auch ein Spießrutenlauf und ein Beine-in-den-Bauch-Stehen. Jede Menge Römer drängen sich in billiger Legionärsmontur Touristen für Fotos auf. Sie werden auch manchmal untereinander ziemlich handgreiflich im Kampf um die Kunden. Nicht jeder Führer hat die geforderte Lizenz, und wie bei «wilden Taxis» läuft man Gefahr draufzuzahlen. Es wuseln auch jene herum, die die Touristen für die Nacht abschleppen wollen.
Nur zwei Metalldetektoren stehen bereit, um die Touristen aus aller Welt zu durchleuchten. Kein Wunder, dass sich in Stoßzeiten, wenn die Reisebusse Tausende von Insassen ausspucken, lange Schlangen bilden, im Sommer in der Regel in brütender Hitze bis an die 40 Grad. Zwölf Euro kostet der Eintritt, und manchen entgeht, dass sie damit auch das Forum Romanum durchwandern und den in der Nachbarschaft gelegenen, äußerst sehenswerten Palatinshügel besteigen dürfen.
Kolosseum
Antike Bauten überall: Von den oberen Rängen des Kolosseums aus schauen Touristen unter anderem auf den Konstantinsbogen.

Rom plant bessere Infrastruktur für das Kolosseum

Der antike Komplex vom Circus Maximus bis zum Forum Romanum mit dem Kolosseum als Bindeglied werde inzwischen als Einheit gesehen und mit einem ehrgeizigen Projekt gesichert, beteuert Kultur-Staatssekretär Francesco Giro. Keine Dezibel-geschwängerten Konzerte auf der Bühne im Inneren mehr, das soll dem Kolosseum helfen, nicht noch mehr zu leiden.

Und für die Besucher, von denen man ja nicht weniger, sondern noch mehr haben will, ist auch einiges geplant: Aufzüge im Kolosseum, automatisierte Kassen, eine verbesserte Infrastruktur. Bleibt nur abzuwarten, ob und wann all das bezahlt, ausgeführt und eröffnet ist.
Quelle: dpa

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(Bilder: picture alliance / dpa; dpa)

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