Arbeiten bei der Berlinale

Roter Teppich Berlinale Promo

Hinter den Kulissen der Berlinale

Berlinale – das heißt zehn Tage Ausnahmezustand rund um den Potsdamer Platz. Dieses Jahr zum sechzigsten Mal! Wer einmal einen Blick hinter die Kulissen rund um den roten Teppich werfen will, heuert einfach als Helfer an. Die Jobs sind anstrengend – aber heiß begehrt. Wir verraten, wie sie zu haben sind.

Schon Monate vorher laufen die Vorbereitungen für die Berlinale auf Hochtouren. Insgesamt tausend Mitarbeiter sorgen für faltenfreie Teppiche, voll getankte Limousinen, zufriedene Schauspieler und volle Kinosäle. Viele davon kommen Jahr für Jahr wieder.

"Diese Aufgabe ist ein Privileg"

Natascha Noack zum Beispiel: Im Jahr des 60. Geburtstags der Berlinale feiert die 44-Jährige selbst ein Festival-Jubiläum. Vor zwanzig Jahren fing die gelernte Tänzerin und Übersetzerin als Assistentin der damaligen Leiterin der Kinder- und Jugendfilmsektion "Generation" an. Seitdem hat sie zahlreiche Premieren moderiert, Diskussionsrunden geleitet, fremdsprachige Filme ins Deutsche übersetzt und sogar teils live während der Vorstellung eingesprochen.

In diesem Jahr gehört Natascha Noack zum beratenden Auswahlgremium. Zusammen mit drei Kollegen sieht sie alle bei "Generation" eingereichten Filme, die es in die Endrunde geschafft haben: 351 Lang- und 300 Kurzfilme. Das sind zehntausend Minuten Material für einen Vollzeit-Job: vier Tage die Woche, von 10 bis 18 Uhr. Doch Natascha Noack genießt es: "Diese Aufgabe ist ein Privileg, um das mich viele beneiden." Allerdings könne das Filmegucken auch ganz schön anstrengend sein.

Die Stars vom Flughafen abholen


Ganz dicht dran am Festivalgeschehen ist auch Alida Szabò. Als Gästebetreuerin muss die 32-Jährige rund um die Uhr erreichbar sein. Sie ist die Ansprechpartnerin für die Teammitglieder der Berlinale-Filme, meist der Regisseur und zwei Schauspieler. Die gebürtige Ungarin holt die Gäste vom Flughafen ab, hilft ihnen bei der Orientierung in der Stadt und begleitet sie zu den Filmvorführungen und Premierenpartys. Dafür braucht sie gute Sprachkenntnisse, eine Portion Aufgeschlossenheit und Einfühlungsvermögen.

Es kommt auch schon mal vor, dass Szabò mehrere Tage hintereinander nur drei oder vier Stunden schläft. Trotzdem freut sie sich jedes Jahr aufs Neue darauf, "die Menschen hinter den Filmen kennenzulernen und dabei die Aufregung und Intensität mitzuerleben, wenn die Filmschaffenden ihr Werk bei so einem berühmten Festival präsentieren dürfen". Mit einigen ist sie sogar inzwischen befreundet.

Alida Szabo Alida Szabo

Wo der Bär entsteht

Wenn die eigentliche Berlinale beginnt, ist die Arbeit von Lutz Mitlacher hingegen bereits abgeschlossen. Er fertigt in Thüringen die "Gläsernen Bären" an, die die Gewinner aus den Wettbewerben "Generation Kplus" und "Generation 14plus" am Ende stolz in den Händen halten.

Mitlacher verarbeitet das Glas in alter Tradition auf äußerst kunstvolle Weise – eine Aufgabe, die er von seinem Onkel im Familienbetrieb übernommen hat. Die Bären für Berlin stellt der Kunstglasbläser mit sehr viel Fingerspitzengefühl aus vorgewärmten Massivglasstäben her – ganz ohne Vorlage in Handarbeit ohne jegliche Hilfsmittel.

"Die Berlinale-Zeit ist außergewöhnlich"


Alexander von Agoston (47) nimmt sich extra für die Berlinale eine Auszeit von seinem Beruf. Sonst ist er Künstler – bei den Filmfestspielen betreut er die "Generation-Kinderjury" im Alter von 11 bis 14 Jahren. "Die Berlinale-Zeit ist für mich außergewöhnlich, da ich hier sehr viel Inspiration bekomme", verrät der Maler.

Für seine Schützlinge kocht er sogar selbst, damit diese bei durchschnittlich drei Filmvorstellungen pro Tag mit anschließender Besprechung und dem ein oder anderen Pressetermin noch bei Kräften bleiben. "Ich achte stets darauf, dass es den Kindern nicht zu viel wird", erklärt Alexander von Agoston. Für die Berlinale kriegen die Kids schulfrei.

Auch wenn es bei ihm bereits die 13. Filmfestspiele sind, staunt er immer wieder, wie sehr die jungen Cineasten in den paar Tagen über sich hinaus wachsen. "Viele trauen sich beim ersten Treffen kaum, etwas zu sagen. Nach einer Woche sind sie dann oft schon so souverän, dass sie ganz ohne Scheu bei der Preisverleihung vor das Publikum treten können." Das mitzuerleben, mache ihn unglaublich stolz. Und dieser Stolz, dabei gewesen zu sein, gleicht dann manch stressige Stunde im Festival-Getümmel sofort wieder aus.

Text: Online Magazin Berliner Akzente