Studienkredite locken mit Bequemlichkeit - und enden meist in Schulden. Wie die Zukunftsanlage nicht zur Fehlinvestition wird.
Ein Studium ist eine Investition für die Zukunft. Um diese zu bezahlen, müssen viele Studenten allerdings einen Kredit aufnehmen. Experten raten dabei zu großer Vorsicht - sonst häuft sich bis zum Berufseinstieg ein immenser Schuldenberg an.
Erste Wahl ist ein Studienkredit daher nicht. «Es geht darum, erstmal die Klassiker zu prüfen: Bafög, Stipendien, Nebenjob», rät Ulrich Müller vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh, das Studienkredite getestet hat. Den Vorzug sollte immer etwas bekommen, das Studenten nicht zurückzahlen müssen.
Eine Sonderform der Kredite sind Studiengebühren-Darlehen. «Jedes Land, das Studiengebühren einzieht, hat auch einen Landeskredit dafür», erklärt Müller. «Und die sollte man immer großzügig in Anspruch nehmen.»
Generell seien Studienkredite aber mit Vorsicht zu genießen, sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk in Berlin. «Sie können in bestimmten Phasen sinnvoll sein, aber wir warnen davor, ein komplettes Studium per Kredit zu finanzieren.» Interessant sei etwa, sich im letzten Studienjahr komplett aufs Examen konzentrieren zu können. «Wer sich aber das ganze Studium über auf dieses Geld verlässt, läuft damit direkt in die Schuldenfalle.»
Und der Schuldenberg kann groß werden: Nach verschiedenen Berechnungen können sich über ein durchschnittliches Studium 60.000 bis 90.000 Euro ansammeln. «Auf einer solchen Schuldenlast sollte man nicht sitzen, wenn man sich eine Existenz aufbauen will», warnt Grob.
Hinzu kommt, dass sich bei der Aufnahme des Kredits oft kaum kalkulieren lässt, wie hoch die Rückzahlungssumme sein wird. Denn die Zinssätze sind bei vielen Angeboten variabel, sie können also während der Laufzeit steigen.
Unpraktisch ist es auch, wenn schon im Studium Zinsen anfallen. «Man muss genau darauf achten, dass die Zinsen in der Auszahlungsphase gestundet werden», rät Müller. «Denn ich muss oft nicht wenig Zinsen bedienen, während ich studiere - und das kostet pro Monat Geld.»
Dem CHE zufolge sind Studienkredite trotz der Kreditklemme in Finanzkrise vielfach günstiger geworden. Im Vergleich zu 2008 sind die Zinssätze zum Teil deutlich gesunken. Überregionalen Banken haben dabei nicht unbedingt die besten Konditionen. S
o lag das günstigste regionale Geldinstitut im CHE-Test mit einem effektivem Zins von nur 3,53 Prozent im Rückzahlungszeitraum deutlich unter den Werten von überregionalen Privatinstituten wie der Deutschen Bank (7,9 bis 8,9 Prozent).
Immer wieder als gut bewertet wird der Kredit der KfW-Förderbank, der über ihre Vertriebspartner zu bekommen ist. «Das sind bestimmte Banken, Sparkassen oder die Studentenwerke», erläutert Christine Volk, Sprecherin der Bank in Frankfurt/Main. Die Kreditlaufzeit sei in der Regel auf zehn Semester begrenzt.
Außerdem verlangt die Bank im April und Oktober eine neue Studienbescheinigung und regelmäßige Nachweise, dass das Studium erfolgreich vorangetrieben wird. «Aber wir wollen keine Sicherheiten: Ein Kredit ist unabhängig vom eigenen Einkommen, von Besitz oder vom Einkommen der Eltern.» Auch werde bei der KfW nicht auf das studierte Fach geschaut wie bei manchen anderen Banken.
BerlinOnline Stadtportal Gmbh & Co KG
Karl-Liebknecht-Straße 29
D-10178 Berlin
Tel.: 01805 / 80 77 37
Fax.: 01805 / 00 28 97
(Festnetzpreis 14 ct/min; Mobilfunkpreise maximal 42 ct/min)
info@berlinonline.de
Spezial: Semesterstart