Keramiker
Ausgebildeten Keramikern haben die Wahl: Arbeitsplätze gibt es auch in der Industrie. dpa

Keramiker: Nischenberuf mit Aufstiegschancen

Der Beruf ist in Deutschland eine Rarität. Trotz der gering Zahl an Auszubildenden, stehen Keramikern viele Türen offen.

Eine einzigartige Vase töpfern oder einen individuell in den Wohnraum eingepassten Kamin kacheln: Handwerkliches Geschick und Kreativität sind im Beruf des Keramikers gefragt.

Ausbildungsplätze

Es gibt zwar nur wenige Ausbildungsplätze für diesen Beruf. Dennoch kann die Lehre eine interessante Nische sein. Die 25 Jahre alte Ausbildungsordnung wurde gerade entrümpelt und neu strukturiert.

«Wir haben uns am Anfang etwas schwergetan, die Ausbildung überhaupt neu zu ordnen», erinnert sich Frank Czichos, bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), zuständig für die Berufsausbildung. Die Frage sei gewesen, ob sich dies bei der geringen Zahl von Betrieben und Ausbildungsplätzen überhaupt lohnt.

Aufstiegschancen

Karl Louis Lehmann, scheidender Vorsitzender des Bundesinnungsverbands der Töpfer und Keramiker aus dem sächsischen Neukirch, sieht zudem gute Aufstiegschancen für ausgebildete Keramiker: «Nach der handwerklichen Ausbildung stehen den Gesellen viele Wege offen.» So sei es nur eine von vielen Möglichkeiten, sich später selbstständig zu machen. Dazu ist im Keramiker-Handwerk der Meisterbrief inzwischen nicht mehr zwingende Voraussetzung.

Aber auch in der Industrie könnten ausgebildete Keramiker später arbeiten, erklärt Lehmann. So sei es etwa möglich, nach der handwerklichen Ausbildung an einer Kunsthochschule die Kenntnisse auszuweiten oder an einer Fachhochschule ein ingenieurwissenschaftliches Studium anzuschließen.

Fachrichtungen

Bislang gab es im Keramiker-Handwerk die drei Fachrichtungen Baukeramiker, Dekoration und Scheibentöpferei. Dies entsprach in etwa den unterschiedlichen Arten von Keramik- und Töpfer-Betrieben.

Während Baukeramiker zum Beispiel individuelle Kachelöfen oder Gartenfiguren herstellen, produzieren Scheibentöpfer Vasen, Teller oder Schalen. Der Dekorationskeramiker wiederum verziert die vom Baukeramiker oder Scheibentöpfer hergestellten Produkte, indem er diese bemalt, beklebt oder ein Muster einritzt.

Diese bisherigen Fachrichtungen wurden abgeschafft. Dafür müssen sich die Keramiker-Azubis nun vor Beginn der Ausbildung für zwei Wahlqualifikationen entscheiden. «Man wollte dadurch flexibler werden und den Betrieben entgegenkommen», erklärt Jorg-Gunther Grundwald, Arbeitsbereichsleiter beim BiBB.

Ausbildung

Auch für die Auszubildenden bringe die neue Ausbildungsordnung mehr Flexibilität, sagt Frank Czichos: «Früher waren die Auszubildenden festgelegt auf eine Fachrichtung.» Nun können die Azubis grundsätzlich zwei beliebige Schwerpunkte miteinander kombinieren. Allerdings sind die neuen Wahlbereiche an die bisherigen Fachrichtungen angelehnt. In der Regel werden die Wahlqualifikationen durch die Ausrichtung des jeweiligen Ausbildungsbetriebs bestimmt.

Neben den neuen Wahlqualifikationen sieht die neue Ausbildungsordnung laut Lehmann auch zusätzliche Inhalte neben der eigentlichen fachlichen Ausbildung vor: «Der Wegfall des Meisterzwangs hat uns gezwungen, neue Wege zu gehen.» In der reformierten Ausbildung sollen die Lehrlinge daher nun auch Grundkenntnisse im Kaufmännischen und im Marketing lernen, die sie auf eine Selbständigkeit ohne Meisterbrief vorbereiten.

Unternehmen

Tatsächlich gibt es immer weniger Betriebe im Keramiker-Handwerk. Zwar sind nach Angaben des scheidenden Bundesinnungsmeisters Lehmann noch 2700 Unternehmen im Keramik-Handwerk registriert. Bei den wenigsten handele es sich allerdings noch um Meisterbetriebe. Rund 350 sind es laut Lehmann derzeit. Im Jahr 2007 bildeten jedoch laut Zentralverband des Deutschen Handwerks nur noch 96 Betriebe auch aus.

Und die Unternehmen würden immer kleiner, erklärt Lehmann: «Wenn jemand fünf Beschäftigte hat, ist das schon viel.» Das hängt auch mit der Veränderung der Produktion zusammen. Vieles sei inzwischen auf die Industrie verlagert: «Töpferei in großen Serien gibt es nicht mehr.» Handwerkliche Betriebe produzierten heute individuelle Produkte in einzelnen Nischen. Diese meist stark spezialisierten Betriebe könnten nun durch die neue Ausbildungsordnung entsprechend ihrer tatsächlichen Betriebstätigkeit ausbilden.

Berufschancen

Im Jahr 2006 gab es bundesweit nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) in Bonn 182 Auszubildende. Anfang der 1990er Jahre waren es noch mehr als 500. Dennoch wurde die Ausbildungsordnung nun erneuert.

Gewerkschafter Czichos sieht auch durchaus Chancen für junge Menschen in dieser Nische: «Wenn sich jemand für einen handwerklichen Beruf mit künstlerischer Tätigkeit interessiert, ist das durchaus interessant.»

Quelle: dpa

Mehr zum Thema

(Bilder: dpa; Faakhir Rizvi/ www.sxc.hu ; Bob Smith/ www.sxc.hu ; sanja gjenero / www.sxc.hu ; Acer)