Musikfachhändler
Musikfachhändler müssen sich mit Instrumenten auskennen, aber auch ein Händchen im Umgang mit Kunden haben. dpa

Musikfachhändler: Zwischen Notenblättern und Umsatzzahlen

Wer Musikfachhändler werden will, muss Verkaufstalent mitbringen - denn auch in kreativen Berufen bleibt der Kunde König.

Musikfachhändler bilden schon lange aus. Seit 1954 gibt es in Deutschland die Ausbildung zum Musikalienhändler, eine Spezialisierung im Einzelhandel.

Zielgruppe

«Nur zwischen sieben und zehn Prozent der Bevölkerung musizieren aktiv», sagt Heinz Stroh, Geschäftsführer des Gesamtverbandes Deutscher Musikfachgeschäfte GDM in Bonn. Eine kleine, feine Zielgruppe - um sie fachgerecht zu bedienen, sind Spezialisten gefragt.

Ausbildung

«Wir brauchen einen eigenen Beruf. Unsere Produkte sind sehr beratungsintensiv», sagt Stroh. Nun ist die Ausbildungsverordnung überarbeitet worden. Nicht nur die Bezeichnung hat sich in Musikfachhändler geändert, auch die Inhalte sind neu:

«Die Musikelektronik haben wir ganz neu aufgenommen, ohne sie läuft in der Unterhaltungsmusik doch schon lange nichts mehr», erklärt der Verbandschef. Auch Bereiche wie Marketing und Vertrieb wurden erweitert. «Die Fremdsprachen, der kaufmännische und der musikfachliche Bereich wurden aufgewertet und den modernen Bedingungen angepasst», erklärt Hannelore Paulini-Schlottau, Projektleiterin im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.

Schwerpunkte

Die Azubis werden in den drei Bereichen Musikinstrumente, Musikalien und Tonträger geschult. Sie wählen aber passend zum Ausbildungsbetrieb einen Schwerpunkt, der vertiefend vermittelt wird. Besonders leistungsstarke Lehrlinge können einen zweiten Schwerpunkt als Zusatzqualifikation wählen.

Von der Novellierung verspricht sich der GDM einen Ausbildungsschub: «Wir sollten schon im nächsten Jahr auf knapp 100 Lehrlinge kommen», sagt Heinz Stroh. Das wäre schon ein Drittel mehr als derzeit zum Musikalienhändler ausgebildet werden.

Ausbildungsinhalte

Die Ausbildung zum Musikfachhändler verteilt sich auf drei Jahre: Während das erste und dritte Ausbildungsjahr gemeinsam mit den Einzelhandelsberufen unterrichtet werden kann, widmet sich das zweite Jahr den musikalischen Kompetenzen.

Hier findet der Blockunterricht für alle Lehrlinge in der staatlichen Berufsschule Mittenwald in Bayern statt. «Wenn die Musikfachhändler im Verkaufsgespräch beraten und argumentieren sollen, benötigen sie Hintergrundwissen - das vermitteln wir ihnen», erklärt Rektor Frederik Habel.

Die als Geigenbauschule bekannte Einrichtung hat bereits für die neue Aufgabe ein Team von Spezialisten für Themen wie Klavierbau, Blasinstrumente oder Musikelektronik zusammengestellt: «Die Lehrlinge sollen bei uns erfahren, welche Prozesse dem Verkauf vorausgehen - und dies auf alle Warengruppen bezogen», sagt Habel.

Berufsbild

Der neue Ausbildungsberuf sei für junge Leute geeignet, die von der Liebe zur Musik angetrieben werden, aber auch gut mit Kunden, Künstlern oder Lieferanten umgehen könnten. Die Verbindung aus Künstler und Kaufmann, betont GDM-Geschäftsführer Stroh.

Berufsaussichten

Das Einstiegsgehalt liegt zwischen 1800 und 2100 Euro brutto. Die Jobs sind laut Stroh relativ sicher. «Musikfachhändler werden gesucht, zumal auch Musikverlage, Instrumentenhersteller oder Veranstaltungsbetriebe Bedarf anmelden, aber nicht selbst ausbilden.» Gute Chancen also für die Händler mit Musik im Blut und Umsatz im Sinn.

Informationen:

Gesamtverband Deutscher Musikfachgeschäfte
Friedrich-Wilhelm-Straße 31
53113 Bonn

Telefon: 0228/53 97 00

Quelle: dpa
(Bilder: dpa; Faakhir Rizvi/ www.sxc.hu ; Bob Smith/ www.sxc.hu ; sanja gjenero / www.sxc.hu ; Acer)