Industrieelektriker-Azubi
Die neue Ausbildungsverordnung ist in Kraft: Viele Unternehmen suchen Industrieelektriker. dpa

Industrieelektriker: Fachkräfte mit Praxisbezug

Das neue Berufbild ist eine interessante Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis. Gerade Hauptschülern bietet die Ausbildung gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Der Industrieelektriker schließt eine Lücke zwischen angelernten Kräften und dem Elektroniker. Vor allem die Industrie hat das neue Berufsbild gefordert.

«Die Arbeitgeber wollen einen schnellen Ausbildungsweg für Elektrofachkräfte für Arbeitsaufgaben in der Produktion», erklärt Harald Schenk vom Institut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Die Ausbildung kommt auch dem Wunsch der Hauptschulen nach mehr Auswahlmöglichkeiten für ihre Schulabgänger entgegen, so der Arbeitgeberverband Gesamtmetall. In diesem Sommer startet die Ausbildung.

Berufsbild

Die Unternehmen suchen solche Fachkräfte: «Erfahrungen aus anderen Berufen zeigen, dass Unternehmen und Jugendliche in Zukunft verstärkt überschaubare Berufe mit kompaktem Anforderungsprofil brauchen. Der Industrieelektriker ist so ein Beruf», sagt Sven-Uwe Räß vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall, der am neuen Berufsbild mitgefeilt hat.

«Die Praxis belegt, dass sich Elektroniker in der Produktion mitunter unterfordert fühlen, Ungelernte dagegen überfordert», sagt Alfred Thunig, Leiter Aus- und Weiterbildung des Antennenherstellers Kathrein im bayerischen Rosenheim, der ab 2010 neben Elektronikern auch Industrieelektriker ausbilden will.

Ausbildung

«Der Beruf bietet Bewerbern, die die hohen theoretischen Anforderungen einer dreieinhalbjährigen Berufsausbildung noch nicht erfüllen, eine Einstiegsmöglichkeit in die Berufsausbildung», sagt Räß.

Anders als der Elektroniker mit dreieinhalbjähriger Lehrzeit werden Industrieelektriker nach zwei Jahren einen Berufsabschluss in der Tasche haben. «Das Augenmerk liegt während der Ausbildung bei praktischen Aufgaben», sagt Thunig.

Fachrichtungen

Den neuen Elektroberuf gibt es in zwei Fachrichtungen. Industrieelektriker für «Betriebstechnik» bearbeiten und montieren mechanische und elektrische Komponenten, verlegen beispielsweise Leitungen oder bauen Schaltschränke. Sie können elektrische Anlagen installieren, analysieren und warten.

Ihre Kollegen der Spezialisierung «Geräte und Systeme» bestücken Leiterplatten oder beherrschen die Endmontage von Geräten. Sie sind laut der neuen Ausbildungsverordnung in der Lage, IT-Systeme zu installieren und zu konfigurieren.

Im ersten Jahr sitzen Azubis beider Fachrichtungen gemeinsam in den Berufsschulklassen. Ab dem zweiten Jahr wird der Lernstoff je nach Spezialisierung in getrennten Gruppen vermittelt.

Arbeitsplatz

Industrieelektriker «Betriebstechnik» finden vor allem im Automobil- und Anlagenbau oder Energieversorgungsunternehmen Arbeit. Die Ausrichtung auf «Geräte und Systeme» prädestiniert für Jobs in der Informations- und Kommunikationstechnik. Der Abschluss lässt sich auf den jeweiligen dreieinhalbjährigen Ausbildungsberuf anrechnen.

Berufschancen

An Arbeit für Industrieelektriker wird es nach Einschätzung von Alfred Thunig auf längere Sicht so oder so nicht mangeln: «Ich gehe davon aus, dass auch künftig Produktion in Deutschland stattfinden wird. Dafür brauchen wir die Industrieelektriker.»




Informationen: Bundesinstitut für Berufsbildung, Harald Schenk (E-Mail: harald.schenk@bibb.de), Gert Zinke (E-Mail: zinke@bibb.de).

Quelle: dpa

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