Clowns mit staatlichem Diplom
Knapp 8000 Euro muss man für die 3,5-jährige Lehre mit Clown-Diplom aufbringen dpa

Clown: Nach der Clownschule mit Diplom in den Zirkus

Berufsziel: Menschen zum Lachen bringen, Ausbildung: staatlich anerkannt- In der Clownschule kann jeder lernen, lustig zu sein.

Die vor 25 Jahren gegründete Clownschule Hannover ist Vorreiter für Ausbildungen mit ähnlichem Konzept in ganz Deutschland. Der als Kurt Krömer bekannt gewordene Berliner Komiker gehört zu ihren prominentesten Absolventen.

Ausbildung zum Clown: 8000 Euro für 3,5 Jahre

Steuerfachgehilfin Anja Faller (48) träumt von einem abendfüllenden Clown-Stück für Erwachsene, Bankkauffrau Barbara Schüller (37) möchte Kinder glücklich machen und Logopädin Antje Siegel (37) will in den Cirque du Solei. Die drei Frauen lassen sich in Hannover berufsbegleitend zum staatlich anerkannten «Darsteller für Clowntheater und Komik» ausbilden. Knapp 8000 Euro müssen sie für die 3,5-jährige Lehre aufbringen, in der Endphase werkeln sie jetzt an ihrem «Gesellenstück».

Ausbildung zum Clown ist staatlich anerkannt

Clowns mit staatlichem Diplom dpa

Anja Faller aus St. Märgen im Schwarzwald verkörpert - klassisch mit roter Nase und Perücke - «La Grande Diva», eine Sängerin, bei deren großem Auftritt alles schief geht. Um an ihren drei Meter hohen Notenständer zu gelangen, stolpert sie krachend eine Trittleiter hinauf. Clownlehrer Dieter Bartels steht am Fenster des Probenraums und spielt begeistert jede Geste mit. «Das ist Zucker, was du da machst», ruft er. Der 55-Jährige war vor 25 Jahren Mitbegründer der privaten Schule für Tanz, Clown und Theater (TuT) in Hannover und schuf den Lehrplan für die Ausbildung, die seit 1992 als bundesweit erste staatlich anerkannt ist.

Berufsaussichten: Vom Clown zum Comedian

Kurt Krömer, bürgerlich Alexander Bojcan, absolvierte 1996/97 die zweijährige Kompaktausbildung der hannoverschen Clownschule. «Alexander war sehr jung und beim Vorsprechen so schüchtern, dass wir ihn am zweiten Tag des Aufnahmeverfahrens gesondert beobachten mussten. Dann hat man sein Potenzial aber schnell gesehen», erinnert sich Bartels. Heute hat der Berlin-Neuköllner mit der Hornbrille eine ARD-Show und tourt durch ausverkaufte Clubs. Nur wenige der 16 Clownschüler in diesem Kurs haben allerdings das Ziel, als Comedian irgendwann große Hallen zu füllen und viel Geld zu verdienen.

Als Krankenhaus-Clown Patienten zum Lachen bringen

Einige der 37 bis 54 Jahre alten Kurs-Teilnehmer wollen die erlernten Spieltechniken im sozialen Bereich einsetzen. «Es geht darum, die schweren Dinge leicht zu machen», sagt Clownschüler René Abé (44) aus Delmenhorst, der in der Psychiatrie und in einem Hospiz arbeitet. In sozialen und therapeutischen Berufen spielt die Clown-Kunst mittlerweile eine große Rolle. Der 2003 gegründete Verein «Rote Nasen Deutschland» zum Beispiel fördert bundesweit Krankenhaus-Clowns, die Patienten zum Lachen bringen und auf diese Weise zur Genesung beitragen.

Was bringt eine Ausbildung zum Clown?

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Es gibt vielfältige Motivationen für eine Ausbildung zum Clown. «Manchen geht es vor allem um Selbsterfahrung und persönliches Wachstum», sagt Bartels. «Wir hatten schon eine Pastorin, die mir später sagte: 'Seit meiner Clownausbildung mache ich einen geilen Konfirmations-Unterricht.'» Die Logopädin Antje Siegel aus Salzwedel in Sachsen-Anhalt war schon als Kind von der Bühne fasziniert. «Aber Clownerie in der DDR, das war völlig unrealistisch», erzählt sie. Von der Ausbildung profitiere sie auch menschlich, betont die Mutter von zwei Kindern. «Das schafft eine wunderschöne Tiefe.»

Voraussetzungen: Improvisationstalent ist gefragt

Das Improvisieren spielt eine große Rolle. Wer Clown werden will, hat Narrenfreiheit. Man darf wieder Kind und richtig albern sein. In ihrem Gesellenstück ist Siegel Frau Weichkäse, die bei Frau Starkbier das Seminar «Verstecken spielen» besucht. Die gebürtige Bayerin Barbara Schüller, die nun in Lauenau lebt, gibt die gestrenge Lehrerin mit bayerischem Akzent. Das Stück mit den zwei dümmlichen Frauen in spießigen Kostümen und Gesundheitsschuhen soll offensichtlich in Richtung Loriot gehen. «Das ist noch nicht die Endversion, aber attraktives Material», kommentiert Lehrer Bartels.

Clown-Kurse für Senioren

Der studierte Sozialpädagoge, der vor einem Jahr das Buch «Das Clowntheater 1x1» geschrieben hat, arbeitet gerne auch mit etwas älteren Schülern. Das TuT bietet spezielle Kurse für 50- bis 80-Jährige an, woraus sich sogar ein Ensemble namens «Clowns 50+» gegründet hat. Wer komisch sein will, müsse Distanz zu sich selbst aufbauen, meint Bartels. «Und je älter man ist, desto leichter fällt das öffentliche Blamieren.»

Quelle: dpa
(Bilder: Faakhir Rizvi/ www.sxc.hu ; Bob Smith/ www.sxc.hu ; sanja gjenero / www.sxc.hu ; Acer)