Pferdewirt
Die Arbeit mit Pferden verlangt große Einsatzbereitschaft und ist ein Knochenjob. dpa

Pferdewirt: Knochenjob für Tierpfleger

Für junge Mädchen ist der Beruf Pferdewirt ein Traumjob. Dass es sich dabei um einen anstrengenden Job handelt, wird oft übersehen.

Denise Scholten ist mit Pferden aufgewachsen: Der Lebensgefährte ihrer Mutter betreibt einen kleinen Stall in nordrhein-westfälischen Kamp-Lintfort. Schon mit sechs Jahren saß Denise im Sattel. Ihr Berufswunsch war früh klar: «was mit Pferden machen». Die Eltern rieten ab - aber Denise ließ sich nicht beirren. Solche Leidenschaft ist wichtig in dem Beruf: Denn er verlangt eine große Einsatzbereitschaft und viel Liebe zu den Tieren.

Berufsbild: Pferdewirt

Auf einem Pferdehof zu arbeiten, ist der Traum vieler Mädchen. Dafür reicht Spaß am Reiten allein aber nicht aus. Tiere zu pflegen und zu versorgen, ist ein anstrengender Job. Und sie zu trainieren, ist eine hohe Kunst, die viel Gefühl erfordert.

Die Stadt Warendorf im Münsterland gilt als die Hauptstadt der Reiterei. Auch der Dachverband des Pferdesports, die Deutsche Reiterliche Vereinigung, ist dort beheimatet. Die FN, so die internationale Abkürzung für Fédération Equestre Nationale, hat sich dafür starkgemacht, das Berufsbild des Pferdewirts zu modernisieren. «Wir wollten praxisnäher werden und die Realität in den Betrieben abbilden», erklärt FN-Ausbildungsreferent Markus Scharmann.

In den vergangenen 40 Jahren hat sich die Zahl der Pferde in Deutschland nach FN-Angaben etwa vervierfacht. Drei bis vier Tiere ergeben einen Arbeitsplatz. Die Bedeutung der Pensionspferdehaltung und der Reitausbildung habe dabei enorm zugenommen, sagt Diplomtrainer Scharmann.

Ausbildungsinhalte und Vergütung

Dem trage die zum 1. August modernisierte Ausbildung Rechnung. Darin können Lehrlinge neuerdings zwischen den Schwerpunkten «Pferdehaltung und Service» und «Pferdezucht» wählen. Ein weiterer heißt jetzt «Klassische Reitausbildung». Daneben können Lehrlinge sich auf Pferderennen oder Spezialreitweisen wie Western- oder Gangreiten spezialisieren.

Pferde auf der Weide Studio Prokopy/ Tourismusverband Prignitz

Dass die klassische Reitlehre Eingang in den neuen Ausbildungsberuf gefunden hat, freut Gerd Heuschmann. Der Tierarzt aus Dülmen im Kreis Coesfeld setzt sich dafür ein, dass im Reitsport wieder mehr Ästhetik und Kunst statt Handwerk und Mechanisierung im Vordergrund stehen. Wie man ein Pferd führt, füttert und fördert, könne jeder Azubi lernen. «Das ist Handwerk. Aber um ein guter Reitlehrer zu werden, braucht es mehr: gute Pädagogik und Gefühl.»

Die Vergütung liegt nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit zwischen 447 und 632 Euro im Monat.

Voraussetzungen für den Beruf Pferdewirt

Auch wenn der Beruf formal für alle Anwärter offen ist, sind es in der Regel erfahrene Reiter, die sich dafür entscheiden. Genauer sind es meist Reiterinnen, die sich für die Traumbranche vieler kleiner Mädchen entscheiden: Von den gut 700 Azubis, die sich nach drei Lehrjahren zur Prüfung melden, sind gerade mal 150 männlich.

Bewerber müssen sich einsatzbereit und zuverlässig zeigen: «Die Tiere machen nicht um 16 Uhr Feierabend, sie wollen auch am Wochenende und Feiertags versorgt werden», erklärt Scharmann. Der Pferdewirtschaftsmeister spricht von einer Berufung: «Das ist kein Hobby, sondern Knochenarbeit.»

Pferdewirte haben weltweit Job-Chancen

Gerd Heuschmann hat keine allzu guten Erinnerungen an seine Ausbildung: «Wir mussten richtig ran. Der Meister hatte nicht viel Zeit für uns.» Er rät Bewerbern, den Wunschbetrieb genau anzugucken und auf erfahrene Ausbilder Wert zu legen.

Denise Scholten hat ihren weiteren Weg schon vor Augen: «Mein Ziel ist es, junge Pferde auf das Vielseitigkeitsreiten vorzubereiten, erst in einer Anstellung, dann in Selbstständigkeit.» Das mache Spaß, sei abwechslungsreich und biete auch international Chancen.

Quelle: dpa

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(Bilder: dpa; Faakhir Rizvi/ www.sxc.hu ; Bob Smith/ www.sxc.hu ; sanja gjenero / www.sxc.hu ; Acer)