Binnenschiffer
Binnenschiffer-Azubis simulieren das Navigieren eines Schiffes. dpa

Binnenschiffer: Kapitän auf kleiner Fahrt

Binnenschiffer sind ständig unterwegs und weit weg von der Familie. Einsam macht die Schifffahrt dennoch nicht.

Die Wasserstraßen werden für den Transport immer wichtiger. Davon profitiert der Beruf des Binnenschiffers: Die Ausbildungszahlen steigen. Die Berufsaussichten sind also gut - zumindest für alle, denen es nichts ausmacht, ständig unterwegs zu sein.

Berufsbild Binnenschiffer

Aufgabe der Binnenschiffer ist es, Schiffe samt Ladung von Hafen zu Hafen zu bringen oder Passagiere an Bord zu nehmen. Sie helfen beim Laden und Löschen, hieven das Schiff durch Schleusen und sichern das geladene Gut während der Fahrt. Auch für das Instandhalten des Schiffes sind sie verantwortlich. Binnenschiffer müssen daher vielseitig sein. Sie sind Maschinisten, Elektriker, Maler und Reinigungskraft in einer Person.

Mitte Antje Kraschinski

Arbeitsplätze und Einsatzfelder

Arbeit gibt es auf vielen Arten von Binnenschiffen. Dazu gehören Passagier-, Güter- und Tankschiffe. Auch Fähren und Schlepper sind auf Europas Wasserstraßen unterwegs. Der Kapitän in der Binnenschifffahrt heißt «Schiffsführer». Zur Deckmannschaft gehören Steuermann, Bootsmann, Matrosen sowie Schiffsmädchen und -jungen. Alle haben als Basis die Ausbildung zum Binnenschiffer absolviert.

Binnenschiffer arbeiten in der Mannschaft

Wer an das Seemannslied «Nimm mich, Kapitän, mit auf die Reise» denkt, liegt gar nicht so falsch. Ununterbrochen auf dem Wasser von Castrop-Rauxel bis Antwerpen, von Dresden bis Hamburg - das ist keine Seltenheit. Binnenschiffer kommen herum. «Romantik spielt dabei auch eine Rolle», sagt Udo Köster, der für die B. Dettmer Reederei in Duisburg arbeitet. Einsam ist es nach seiner Einschätzung an Bord aber keineswegs. Zwei bis sieben Mann gehören im Durchschnitt zu einer Mannschaft.

15 Tage Arbeit, 15 Tage Landaufenthalt

Wegen des ständigen Unterwegsseins will das Familienleben gut organisiert sein. «Man wird aus dem privaten Bereich gerissen», räumt Köster ein. Die Reedereien versuchen aber, den Besatzungen regelmäßige Aufenthalte bei ihren Familien an Land zu ermöglichen. «Galt früher die Regel '30 Tage an Bord, 15 Tage an Land', sind es heute je 15 Tage», sagt Köster.

Voraussetzungen für Binnenschiffer
Binnenschiffer brauchen nicht nur nautischen und technischen Verstand. Wer auf dem Wasser zu Hause sein möchte, muss mit dem Team an Bord den Alltag teilen.

Oder-Havel-Kanal Motorgüterschiff auf dem Oder-Havel-Kanal picture-alliance / dpa

Gemeinschaftsgeist und Zuverlässigkeit sind dabei gefragt. «Ohne soziale Kompetenzen geht das Ding schief», meint Köster. Das Alter spielt für den Beruf dagegen keine Rolle. Erwartet wird in der Regel ein Haupt- oder Realschulabschluss. Bewerber um einen Ausbildungsplatz haben außerdem gute Karten, wenn sie einen Bootsführerschein besitzen oder ihren Wehrdienst bei der Marine geleistet haben.

Ausbildung zum Binnenschiffer

Die Ausbildung dauert drei Jahre. In Deutschland lernen angehende Binnenschiffer an zwei Berufsschulen. Die größte Einrichtung ist das Schiffer-Berufskolleg Rhein in Duisburg-Homberg, mit der das Schulschiff «Rhein» zusammenarbeitet. Dort wohnen Azubis während der dreimonatigen Berufsschulblöcke. Ein weiterer Schulstandort ist in Schönebeck bei Magdeburg.

Mit dem Facharbeiterzeugnis steigen die Schiffsmädchen und -jungen zum Bootsmann oder Matrosen auf. Am Arbeitsmarkt sind vor allem die höheren Qualifikationen gefragt. «Der Matrose ist unzeitgemäß. Wir brauchen Boots- und Steuerleute», sagt Köster. Nach zwei Jahren als Matrose oder einem Jahr als Bootsmann erfolgt der Eintrag als Steuermann im Schifferdienstbuch durch das zuständige Amt. Ein Anspruch auf Beförderung lässt sich daraus nicht ableiten. «Der Arbeitsvertrag richtet sich nach dem Bedarf», stellt Köster klar.

Patente sind Voraussetzung für Beförderung

Steuerleute weisen höhere Qualifikationen durch «Patentprüfungen» nach. Das können Befähigungsnachweise für bestimmte Schifffahrtsrouten oder das Radarpatent sein. Mehrere Patente sind Voraussetzung für eine Beförderung zum Schiffsführer.

Job-Aussichten für Binnenschiffer

Auf Flüssen und Kanälen wird derzeit zwar deutlich weniger als auf der Schiene oder der Straße transportiert. Dennoch haben Binnenschiffer gute Perspektiven. In den kommenden 10 bis 15 Jahren würden viele Schiffsführer in Rente gehen, erläutert Katja Wenkel vom Arbeitgeberverband der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisburg. Angehende Binnenschiffer haben damit gute Aussichten: «Die Chancen auf eine Festanstellung nach der Ausbildung liegen bei nahezu 100 Prozent.» Mit 498 Lehrlingen wurde 2009 das höchste Niveau seit 20 Jahren erreicht, hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag in Berlin ermittelt.

Quelle: dpa

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(Bilder: Faakhir Rizvi/ www.sxc.hu ; Bob Smith/ www.sxc.hu ; sanja gjenero / www.sxc.hu ; Acer)