Cockpit
Kleiner Arbeitsplatz mit großer Verantwortung: Piloten im Cockpit dpa

Pilot: Traumberuf mit teurer Ausbildung

Ständig reisen und den Sonnen- oder Mondaufgang hautnah erleben: Pilot ist ein begehrter Beruf- der aber auch mit Stress, Unregelmäßigkeit und hohen Kosten verbunden ist.

Das Fliegen fasziniert die Menschen seit jeher. «Pilot ist kein Allerweltsberuf, obwohl Piloten in aller Welt unterwegs sind», sagt Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty in Frankfurt.

Es sei eine «spannende Manageraufgabe in einem technischen Umfeld». Doch nicht jeder, der will, schafft es in die Pilotenkanzel. Maximal jeder zehnte Bewerber übersteht die Auswahltests.

Pilot: Berufsbild

Die Technik und «jede Landung» bezeichnet Jörg Handwerg von der Pilotenvereinigung Cockpit in Frankfurt als Herausforderungen. Eine gewisse Repräsentation des Standes und der Airline gehören zum Berufsbild. «Wir schlüpfen in die Rolle, in der die Öffentlichkeit uns sehen möchte», bestätigt Gebhard Vogel, Kapitän einer Boeing 747. Den Umgang mit den Kollegen und Technik schätzt er ebenso wie die Begegnung mit anderen Ländern. Der Blick über die Wolken erschließt eine eigene Welt: «Jeder Sonnen- oder Mondaufgang ist ein Naturschauspiel.»

Der Pilotenjob umfasst aber mehr, als in einer schicken Uniform mit Goldstreifen einen Jumbo nach Hongkong zu fliegen. Die Vorstellung, wonach der Pilot in ein Flugzeug samt Passagieren einsteigt und startet, sei mit Sicherheit falsch, sagt Vogel. Piloten organisierten den Flugablauf vom Start bis zur Landung und koordinierten alle relevanten Daten für den Flug. Das Führen des Flugzeugs beanspruche nur rund 30 Prozent der Arbeitszeit.

Voraussetzungen für Piloten

Piloten müssen gut mit Menschen umgehen können. Für die Routen werden die Mannschaften immer neu zusammengestellt, sagt Lamberty. In der Flugzeugkanzel müssen Flugzeuglenker gleichzeitig steuern, per Funk kommunizieren und den Raum sondieren. Ruhig bleiben, auch in schwierigen Situationen, lautet eine der wichtigsten Devisen im Cockpit. «Fliegen heißt, sich im dreidimensionalen Raum zu bewegen», sagt Gebhard Vogel. Dass so wenig passiere, führt er auf Training, Disziplin und funktionierende Verhaltensmuster für gefährliche Situationen zurück.

Unregelmäßige Arbeitszeiten und lange Abwesenheiten müssen Piloten akzeptieren. Bewerber müssen gute Allgemeinbildung mitbringen, aber keine Sportskanonen oder Überflieger sein. «Wir suchen Mannschaftsspieler mit spezifischen Fähigkeiten», sagt Lufthansa-Sprecher Lamberty. Ein Einstiegsalter von über 30 Jahren gilt laut Cockpit als «chancenarm».

Ausbildung zum Pilot kostet viel Geld

Die Ausbildung muss teilweise selbst finanziert werden. Rund 60.000 Euro gelten als Richtwert. Die Lufthansa (LH) betreibt eine eigene Flugschule in Bremen. Die Ausbildung dauert zwei, in Kombination mit einem Studium vier Jahre. Air Berlin wirbt ebenfalls mit einer eigenen Ausbildung. Das Luftfahrtbundesamt informiert im Internet über anerkannte Ausbildungsbetriebe.

Ausbildungsinhalte

Der Königsweg ins Cockpit führt über den Eignungstest bei der Abteilung Luft- und Raumfahrtpsychologie am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Hamburg. Der Test zur mentalen Eignung gilt als «sehr verlässlich». Kandidaten dürfen ihn nur einmal absolvieren. Auch der Fliegerarzt hat ein Wort mitzureden. Eine Sehschwäche von mehr als drei Dioptrien gilt als Ausschlusskriterium.

Prüfungen für Piloten

Geeignete Kandidaten erwerben in einem mehrstufigen System von Theorie und Praxis Lizenzen für unterschiedliche Grade. Erst Inhaber einer Verkehrsflugzeugführerlizenz ATPL dürfen ein Flugzeug als Kapitän auf dem linken Flugzeugsitz fliegen. Neben bestandenen Prüfungen bedarf es dazu mindestens 1500 Flugstunden.

Der Copilot benötigt die gleiche Grundausbildung, aber eine niedrigere Lizenz. Die 2008 eingeführte Multi Crew Pilot Licence (MPL) eignet sich vor allem für den Berufsalltag bei Fluggesellschaften und dient dem Einsatz im Zwei-Mann-Cockpit. Berufsanfänger beginnen als Co-Piloten in kleinen Flugzeugen.

Gehalt und Berufseinstieg für Piloten

Das Einstiegsgehalt beträgt bei der Lufthansa rund 60.000 Euro brutto im Jahr inklusive Schichtzulage. Dazu kommt ein variabler Vergütungsanteil. Von dem Geld müssen die Schulden aus der Ausbildungszeit abgestottert werden. Ausgebildete Piloten müssen allerdings oft Monate bis zum Berufseinstieg als Co-Pilot warten. «Wir überlassen die Kollegen in der Warteschleife nicht sich selbst», sagt Lamberty.

Die Berufsanfänger arbeiten als Simulatorpiloten, Referenten oder werden an andere Fluggesellschaften vermittelt. Dass ein Pilot, weil er zunächst keinen Job findet, sein Glück in einem gänzlich anderen Metier sucht, kommt extrem selten vor. Wer einmal dabei sei, gebe nicht wieder auf, sagt Lamberty.

Quelle: dpa
(Bilder: Faakhir Rizvi/ www.sxc.hu ; Bob Smith/ www.sxc.hu ; sanja gjenero / www.sxc.hu ; Acer)