Fahrkartenkontrolleur war gestern: Bei der Deutschen Bahn verkauft der Kaufmann für Verkehrsservice Tickets und beantwortet Fragen der Zugreisenden.
«Nachdem die Bahn sich auf den Weg in ein privatrechtliches Unternehmen gemacht hatte, ergab sich ein Nachholbedarf bei den Zugbegleitern», erklärt Benedikt Peppinghaus, Fachreferent beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Ein neuer Beruf musste her, zugeschnitten auf den Eigenbedarf der Bahn, aber auch geeignet für andere Betriebe im Personenverkehr: Der Kaufmann für Verkehrsservice.
Das Berufsbild vereinigt kaufmännische, operative und serviceorientierte Qualifikationen. Aus Sicht der Bahn geht es vor allem um den Service: «Der Kaufmann für Verkehrsservice informiert und betreut die Kunden, verkauft Fahrkarten sowie Dienstleistungen der Deutschen Bahn und bearbeitet Reklamationen», sagt Bahn-Sprecher Matthias Laatsch. Die kaufmännische Ausrichtung bringt zudem Unterricht in Marketing, Vertrieb und Controlling mit.
Die Berufschancen gelten als gut: «Wer seine Ausbildung mit guten Leistungen abschließt und mobil ist, erhält ein Übernahmeangebot der Deutschen Bahn- das trifft auf rund 85 Prozent aller Auszubildenden zu», erklärt Matthias Laatsch. Mehr als 1000 Kaufleute für Verkehrsservice bildet die Deutsche Bahn derzeit verteilt auf drei Lehrjahre aus. Dazu kommen nach den Daten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) noch rund 250 Ausbildungsplätze bei Unternehmen des öffentlichen Personennahverkehrs oder des Omnibusgewerbes.
Kaufleute für Verkehrsservice üben den Kundenkontakt schon während der Ausbildung. «Die müssen in der Öffentlichkeit sicher und zuvorkommend auftreten können», erläutert Elfriede Schembor. Daher achteten die Ausbildungsleiter nicht nur auf gute Schulnoten in Deutsch, Englisch und Mathe, sondern auch auf Offenheit, Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke: «Wer im Bewerbungsgespräch schüchtern wirkt, ist in dem Beruf nicht richtig», sagt Schembor. «Man hat ja auch nicht selten mit schwierigen Kunden zu tun.»
Es sind vermutlich diese beratenden und vermittelnden Qualitäten, die dem Beruf Anerkennung verschaffen: «Die Mehrheit der Absolventen stuft ihre berufliche Verantwortung höher ein als bei anderen kaufmännischen Angestellten», hat Benedikt Peppinghaus in einer Absolventenbefragung herausgefunden. Für den Ausbildungsexperten steht das Ergebnis für ein gesundes Selbst- und Verantwortungsbewusstsein, das sich durchaus mit anderen kaufmännischen Qualifikationen messen könne. Verbesserungsbedarf sieht der Fachreferent dagegen bei den Aufstiegsmöglichkeiten und Zukunftsaussichten.
«Bei sehr guten Leistungen ist eine Weiterbildung zum Verkehrsfachwirt oder Betriebswirt möglich», heißt es dazu bei der Bahn. Das Bruttomonatsentgelt im Zugbegleitdienst betrage beim Berufseinstieg rund 2000 Euro und könne auf bis zu 2800 Euro steigen. Auch außerhalb der Bahn gebe es Beschäftigungsmöglichkeiten, sagt Peppinghaus. «Absolventen sind auch schon im Einzelhandel, in Reisebüros oder beim Automobilclub untergekommen.» Michael Weber-Wernz kann das nur bestätigen: «Der Beruf ist besser als sein Ruf.»
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