Richter
Der Weg zu Ruhm und Ehre ist beschwerlich. Nicht selten wird hier das Handtuch geworfen. dpa

Richter: Neuzeitritter im Kampf für Gerechtigkeit

Der Richterplatz gehört in Deutschland zu den achtbarsten Berufen - doch der Schlag zum Ritter bedarf mehr als nur dem Sinn für Gerechtigkeit.

Richter verhelfen Menschen unparteiisch zu ihrem «guten Recht». Entsprechend ist ihr Renommee: Einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge belegt der Richter unter den in Deutschland angesehensten Berufen Platz fünf.

«Der Wunsch, Gerechtigkeit zu schaffen, ist eine starke Motivation für diesen Beruf», sagt Hanspeter Teetzmann, Vize-Vorsitzender des Deutschen Richterbundes. Man müsse sich aber klar darüber sein, dass absolute Gerechtigkeit mitunter nicht zu schaffen sei.

Berufsbild

Berufsrichter arbeiten bei Gericht und werden meist auf Lebenszeit ernannt. Das sei ein «ein tolles Gefühl», sagt Richter Kai Niesten-Dietrich. Er erhielt die Ernennung erst im April 2009. Berufsrichter haben zwischen der Ordentlichen Gerichtsbarkeit vom Amtsgericht bis zum Bundesgerichtshof oder Fachgerichten zu wählen.

Als Einzelrichter oder Mitglied von Kammern oder Senaten bereiten Richter Verhandlungen vor, leiten sie als Vorsitzende oder nehmen als Beisitzer teil. Ihre Arbeit an einem Fall endet meist, indem sie einen Vergleich zwischen Parteien herbeiführen oder das Urteil fällen.

Richter auf Lebenszeit dürfen in der Regel nicht gegen ihren Willen entlassen werden. Im Gegenzug müssen sie sich innerhalb und außerhalb des Dienstes so verhalten, dass das Vertrauen in den Stand keinen Schaden nimmt, das Beratungsgeheimnis wahren und einen Eid schwören. Die richterliche Unabhängigkeit ist weder Selbstzweck noch Standesprivileg. «Sie garantiert die Neutralität und Gerechtigkeit der richterlichen Entscheidung», sagt Kai Niesten-Dietrich.

Studium

Die Regelstudienzeit beträgt gewöhnlich fünf Jahre. Studenten absolvieren zunächst Vorlesungen zu verschiedenen Rechtsgebieten und Praktika. Studienabschluss ist das erste Staatsexamen. Im zweijährigen Vorbereitungsdienst sammeln Referendare praktische Erfahrungen in einer Kanzlei, bei der Staatsanwaltschaft oder bei einem Fachgericht.

Juristen nach dem zweiten Staatsexamen werden als «Volljurist» oder «Assessor» bezeichnet. Die Ausbildung zum Volljuristen dauert mit Wartezeiten auf Examensergebnisse oder den Beginn des Referendariats durchschnittlich acht Jahre.

Karriereverlauf

Aspiranten werden als «Proberichter» angestellt. Nach spätestens fünf Jahren müssen sie zum «Richter auf Lebenszeit» ernannt werden, sofern sie geeignet sind. Erst dann können sie sich auf Planstellen an Gerichten bewerben. Kai Niesten-Dietrich hat sich inzwischen eingearbeitet.

Vor allem das Leiten von Verhandlungen war anfangs «aufregend», sagt der junge Richter. «Nach sechs Monaten sollte man wissen, wie man mit den Parteien umzugehen hat.» Er rät jungen Kollegen, Entscheidungen mit Abstand zu bewerten. «Der sprichwörtliche gesunde Menschenverstand ist erstaunlich oft mit geschriebenem Recht deckungsgleich», sagt er.

Berufschancen

Die Examensprädikate entscheiden über die Chancen auf ein Richteramt. Ein «Vollbefriedigend» muss es in der Regel sein. Während die besten 20 Prozent gute bis sehr gute Berufsaussichten haben, ist der Arbeitsmarkt für Absolventen mit «ausreichenden» Examina schwierig. Die Länder legen die Messlatte unterschiedlich hoch. Die Justizministerien informieren auf ihren Webseiten über Details.

Quelle: dpa

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