Alte Hausmittel ersetzen Feinwaschmittel, Lampenöl und Zahnpasta. Was die Natur hergibt.
Schon im Altertum wurde feines Gewebe mit Seifenkraut gewaschen. Auch Namen wie Zinnkraut, Poleiminze und Weberkarde verraten, wofür die Pflanzen früher genutzt wurden.
Als es noch keine Wasch- und Putzmittelindustrie gab, dienten Pflanzen oft als Haushaltshilfen. Das Seifenkraut (Saponaria officinalis) stand hoch im Kurs. Noch Meyers Konversations-Lexikon aus dem Jahr 1909 schreibt, die Wurzel liefere «eine stark schäumende Abkochung» und diene zum Waschen feiner Wäsche und zum Reinigen von Silber und Gold. Vermutlich hat die Nutzung zur weiten Verbreitung von Saponaria officinalis gesorgt, denn die Pflanze mit den phloxartigen, rosaweißen Blüten und dem süßem Duft wächst häufig am Straßenrand, auf Schuttplätzen und Bahndämmen.
Sie breitet sich durch Ausläufer aus. Für den Garten ist deshalb die Sorte Saponaria x lempergii 'Max Frei' die bessere Wahl. Im Spätsommer und Herbst verschwinden ihre 30 Zentimeter hohen Horste fast unter den Blüten. Auch mit dem Teppich-Seifenkraut (Saponaria ocymoides) - das mit nur zehn Zentimetern Höhe malerisch über Stufen, Trogränder und Mauern hängt - lässt sich waschen. Auch die Brennende Liebe (Lychnis chalcedonica), auch Tartarenseife genannt, eignet sich dafür.
Taucht der Schachtelhalm (Equisetum) heute im Garten auf, wird er bekämpft: Denn hat er erst einmal Fuß gefasst, ist er mit seinen Ausläufer und tiefgehenden Wurzeln kaum wieder auszurotten. Frühere Generationen schätzten ihn trotzdem als Putzmittel. Nichts hält Zinnteller und -kannen so blank wie das «Zinnkraut», weil die Pflanze 10 bis 12 Prozent Kieselsäure enthält. Heute wird sie als Heilkraut geschätzt.
Den Namen Poleiminze (Mentha pulegium) wissen oft nur Lateiner sofort zu deuten. Polei leitet sich von Pulex ab, dem lateinischen Wort für Floh. Der frische Minz-Geruch, der zu 80 Prozent durch den Stoff Pulegon hervorgerufen wird, half schon zu Zeiten der Römer Flöhe zu vertreiben. Heute dient es als Ausgangsstoff für Parfumöle und verhilft Repellentien zu ihrer Insekten abwehrenden Wirkung. Im Garten ist vor allem die kriechende Form Mentha pulegium 'Repens' gefragt. Sie bildet dichte immergrüne Matten, die sich auch als Duftrasen eignen. Beim behutsamen Betreten steigen intensive Minzdüfte auf. Für Pfefferminz-Tee eignet sich Mentha pulegium nicht. Das Pulegon ist gesundheitsschädlich und kann zu Blutungen, unregelmäßiger Herztätigkeit und Kollaps führen.
Gänzlich ungefährlich ist auch die Nutzung des Rittersporns gegen Läuse und Krätze nicht. Als es die heutigen Insektizide noch nicht gab, bekämpfte das Gift Delphinin, das aus Rittersporn-Samen gewonnen wurde, die Quälgeister. Der heimische Ackerrittersporn (Consolida ajacis) lieferte das Insektengift, das als Salbe oder in Pulverform auf die befallene Hautpartie, Kleidung oder das Bett aufgetragen wurde. Er wird deshalb auch Läusekraut genannt.
Als Salatpflanze erfreut sich Rucola (Eruka sativa) wachsender Beliebtheit. Dass die mediterrane Pflanze mit den charakteristisch gebuchteten Blättern noch mehr kann, verrät der hin und wieder genutzte Name Ölrauke. Aus den Samen lässt sich ein fettes Öl pressen, das als Speiseöl, für medizinische Zwecke, vor allem aber als sauber verbrennendes Lampenöl genutzt wurde. Wolfsmilchöl, gewonnen aus den Samen der Kreuzblättrigen Wolfsmilch (Euphorbia lathyris), diente ähnlichen Zwecken. In den Klöstern verbrannte es in den Lampen für das Ewige Licht. Die Dochte dafür lieferte das Wollgras (Eriophorum), dessen wollige Fruchtstände auch über dem Sumpfbeet im eigenen Garten schweben.
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