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Wohnfarbe Weiß
Helle Möbel und lichtdurchflutete Räume, durchsetzt von natürlichen Oberflächen, erzeugen eine dezente Wohlfühlstimmung. © dpa

Wohnfarbe Weiß: Purismus mit Grenzen

Möbel, Wände, Accessoires wirken in Weiß leichter und heller- aber auch steril und kalt. Wie man die Wohnfarbe Weiß so kombiniert, dass helle Gemütlichkeit entsteht.

Helle Räume, cremefarben bis weiß, von Tageslicht durchflutet und von natürlichen Oberflächen durchsetzt, sorgen für eine zurückgenommene und dezente Wohlfühlstimmung. Auf der Konsumgütermesse Ambiente nannte man diesen Wohn-Stil «light innocence» - «leichte Unschuld». Was steckt dahinter? Designexpertin Claudia Herke erklärt: «Ein puristischer Stil, in dem ätherische Leichtigkeit und natürliches Tageslicht eine zentrale Rolle spielen.» Der Stil sei ausgewogen und harmonisch.

Weiße Küchenaccessoires kombiniert mit Holz Weiße Küchenaccessoires mit Holz © dpa

Weiße Räume müssen nicht steril wirken

Es gebe definitiv einen Trend in Richtung Natürlichkeit, der aus Skandinavien kommt, ergänzt Sylvia Leydecker vom Bund Deutscher Innenarchitekten (BDIA) in Bonn. Weiß spiele eine große Rolle, aber nicht in steriler Form, sondern in Verbindung mit Holz, natürlichen Farbtönen, plakativen Akzentfarben und haptisch anspruchsvollen Oberflächen, etwa kuscheligen Fellen und strukturierten Teppichen.

Tageslicht beachten und lenken

Ganz wichtig ist das Tageslicht, wobei sich in diesem Punkt schon viel beim Bau entscheidet, wie Leydecker erklärt. «Woher kommt die Sonne? Wo fällt das Licht ein? Das lässt sich hinterher nicht mehr beeinflussen.» Eine Möglichkeit, sich mehr Tageslicht in den Raum zu holen, seien Spiegel und großzügige Glasflächen. Weil sich das Tageslicht naturgemäß nur schwer beeinflussen lässt, kommt es vor allem auf helle Farben an. Trendy: abgetönte Cremetöne, Puder, Mattsilber, Pfirsich oder sanftes Violett. Die matt-weichen Farbkompositionen werden mit natürlichen Oberflächen kombiniert: Stein, Holz, entweder ganz hell oder mit einer sichtbaren Maserung, Fell und Filz.

Farbige Buchrücken Bei weißen Möbeln können Buchrücken farbige Gegenakzente setzen. © dpa

Weiß mit natürlichen Materialien brechen

Wichtig ist, das Weiß als Wohnfarbe zu brechen: «Die Textur rauer oder grob verputzter Oberflächen, behagliche Textilien, die lebendige Erscheinung natürlicher Steine oder auch die industriell produzierte, aber attraktive dreidimensionale Oberflächenstruktur nehmen dem Ganzen dieses Klinische», sagt Leydecker. Weiß, hell und klar, puristisch: Das sind nämlich Begriffe, die manchen an ein Krankenhaus denken lassen.

Weiß mit anderen Farben brechen

«Weißgestaltung bleibt für mich sehr kritisch. Es ist eher klinisch, aseptisch», sagt der Trendforscher und Farbexperte Prof. Axel Venn aus Berlin. Warum dann strahlend weiße Räume? Die Leuten wollen damit ausdrücken: Sie schätzen Kargheit, Schlichtheit und Intellektualität.

Reines Weiß müsse immer mit anderen Farben gebrochen werden, rät Venn. Eine Sehachse im Raum könne gerne puristisch wirken, aber eine andere Richtung müsse das wiederauflösen, zum Beispiel durch natürliche Rot- oder Rosatöne und getrübte, gebrochene Sorbetfarben.

Quelle: dpa
(Bilder: Stephanie Hofschlaeger / www.pixelio.de ; Immobilien Scout GmbH; Patrick Lebeda / www.sxc.hu ; www.b2b-deutschland.de ; Birgit Lieske / www.pixelio.de )