Gebrauchte Möbel aus dem Internet, vom Flohmarkt oder vom Sperrmüll sind selten makellos- aber gerade das macht sie einzigartig.
Die Zusammenstellung ist das Spannende: Alte Kommoden finden neben neuen, auf Hochglanz polierten Regalen im Wohnzimmer Platz, der gebrauchte Hocker steht neben der modernen Ledercouch. Wer Möbel und Dekorationen aus zweiter Hand sucht, findet schnell etwas, was keiner sonst hat: Einzelstücke oder rare Ware, die heute nicht mehr produziert wird. «Diese ergeben kombiniert mit Katalogstücken einen Stilmix in der Wohnung», sagt Daniela Kaminski vom Verband Second-Hand vernetzt in Telgte bei Münster.
Möbel aus zweiter Hand vom Flohmarkt, aus Antikläden, Internetbörsen oder sogar vom Sperrmüll auf der Straße werden derzeit immer beliebter. «Das Streben nach Originalität spielt eine große Rolle», sagt Kaminski. Häufig kann der Käufer bei gebrauchten Möbeln ein gutes Preis-Leistungsverhältnis erzielen.
Die Stücke leisten außerdem einen Beitrag zum Umweltschutz. «Je länger die Möbel im Umlauf sind, desto verträglicher ist das für unsere Umwelt», erläutert Dirk Petersen von der Verbraucherzentrale Hamburg. Zusätzlicher Müll werde durch Wiederverwendung vermieden.
Aber nicht alle Second-Hand-Möbel, die auf Märkten oder auch im Internet angeboten werden, sind wirklich noch zu gebrauchen. Der Käufer achtet daher besser auf einige Standards: «Es ist natürlich wichtig, dass das Möbelstück nicht gleich auseinanderfällt», nennt Petersen die Faustregel.
Und die Möbelexpertin und Ratgeberautorin Doris Distler ergänzt: «Wenn die Regale schon durchhängen, würde ich sie nicht kaufen.» Dies gelte insbesondere, wenn schweres Geschirr dort untergebracht werden soll. Das Umdrehen von Schlüsseln und Herausziehen von Schubladen könne Rückschlüsse auf den Zustand eines Schranks geben, ergänzt Kaminski. «Bei Schränken sind die Knackpunkte die Türangeln.»
«Bei Polstermöbeln würde ich eine Sitz- beziehungsweise Liegeprobe machen», rät Distler. Bei alten Polsterungen könnten sich mit der Zeit Sitzmulden bilden. Außerdem sollte man testen, ob ein Möbelstück zu hoch oder zu niedrig ist. «Man möchte ja dann einige Zeit mit dem Möbel verbringen», sagt die Einrichtungsexpertin. Aber nicht alle Möbel eigneten sich zur Wiederverwendung. «Aus hygienischen Gründen würde ich nie gebrauchte Matratzen kaufen.»
Nicht nur kostengünstig, sondern für umsonst kann man Möbel auf dem Sperrmüll finden. Da diese keinerlei Qualitätskontrollen durchlaufen haben, ist hier besonders Vorsicht geboten. «Es ist erst mal Geschmackssache, was man als schön empfindet», sagt Umwelt- und Produktberater Petersen. «Wenn man Möbel am Straßenrand anschaut, muss man seinen gesunden Menschenverstand einschalten.» Durch Regen nass gewordene Polstermöbel sollte man auf jeden Fall stehen lassen.
Kauft man Second-Hand-Möbel online, gibt es je nach Verkäufer verschiedene Rückgaberechte. «Es kommt darauf an, ob der Verkäufer auch Verbraucher ist oder Unternehmer», sagt Astrid Auer-Reinsdorff vom Deutschen Anwaltverein in Berlin. «Wenn er Unternehmer ist, gelten auch bei gebrauchten Sachen Widerrufs- und Rückgaberechte wie bei jedem Versandhandel.» Viele eBay-Verkäufer seien als Unternehmer zu qualifizieren. «Dann gelten die verbraucherschützenden Regelungen auch ohne, dass sie aufgeführt sind.»
Ist der Verkäufer auch Verbraucher, könne die Gewährleistung etwa für ein Möbelstück explizit ausgeschlossen werden. «Was stimmen muss, ist die Artikelbeschreibung», sagt Auer-Reinsdorff. Sonst könne man die Ware zurückgeben. Die Anwältin für Informationstechnologierecht rät, bei einem Händler zu kaufen, wenn man ohnehin bereit ist, mehr Geld auszugeben. «Wenn man ein Möbelstück irgendwo für 20 Euro kauft, kann man nicht erwarten, dass es perfekt ist.»
Ob vom Flohmarkt, vom Sperrmüll oder aus dem Internet - trotz kleiner Mängel eignen sich viele Second-Hand-Möbel zur weiteren Benutzung. Aber Kaminski betont: «Verbraucher sollten sich nicht scheuen, alles zu testen.» So könnten eventuell versteckte Kosten für die Reparatur der günstigen Möbel ausgeschlossen werden.
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