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Trends von der Mailänder Möbelmesse
Am Werkstoff Holz kommt derzeit kein Möbeldesigner vorbei - hier ist der «wood chair» des italienischen Herstellers Moroso zu sehen. © dpa

Möbeltrend: Green Design für Nachhaltigkeit

Möbel aus Holz, Stühle aus PET-Flaschen und möglichst alles ganz nachhaltig- so sehen Möbel der Zukunft aus.

Glitzer und Glamour sind out. Die Zukunft wird stattdessen grün. Zumindest zeigt der "Salone del Mobile", der Mailänder Möbelsalon 2010, diesen Trend. Die Möbel sind "öko-intelligent", die Produktion ist umweltschonend und wer auf diesen Zug nicht aufsteigt, wird automatisch zum "Bad Boy" der Branche.

Holz, Holz, Holz- und Stühle aus PET-Flaschen

Trends von der Mailänder Möbelmesse Möbel in natürlichen Farbtönen wie Braun und Grau passen besonders gut zu einer Holzoptik. © dpa

Und die Hersteller übertrumpfen sich dabei gegenseitig: Selbst wenn sie ihre Produkte schon aus Holz herstellen, gibt es garantiert noch Designer, die aus recycelten PET-Flaschen Stuhl, Hocker oder Outdoorsofa kreieren. «Eco-sustainable» hat gute Chancen zum Wort des Jahres gewählt zu werden. Denn jeder Hersteller schreibt sich ökologisches Verantwortungsbewusstsein auf seine Fahnen.

Und jetzt steckt auch tatsächlich etwas dahinter. Holz, Holz und noch einmal Holz: so viel davon hat man schon lange nicht mehr auf einer Messe gesehen. Dazu kommen auch der vielfältige Einsatz von Baumwolle, Bambus und ähnlichen Materialien - und alles möglichst aus kontrolliertem Anbau.

Selbststragendes ohne Schrauben

Der ökologische Aspekt ist aber nicht der einzige Fortschritt: Green Design definiert sich auch über maximale Sparsamkeit am Material. Die Designer achten darauf, möglichst wenig Verschnitt zu produzieren, die Werkstoffe werden bis an ihre Grenzen ausgereizt und stark reduziert. Die Technik wird dahingehend optimiert, dass alles selbsttragend funktioniert und ohne Schraube auskommt. Ein Beispiel dafür ist das Regal Cavalletti von Agape Casa, entworfen von Altmeister Angelo Mangiarotti.

Band als Sitzmöbel

In der anderen Variante der Sparsamkeit lassen sich die Möbel so perfekt in ihre Einzelteile zerlegen, dass das Überführen in den ökologischen Recyclingkreislauf einfach wird. Damit werden die Grenzen des Designs neu ausgelotet und definiert - eine Herausforderung, die viel spannender und sinnvoller ist, als sich Jahr für Jahr selbst neu erfinden zu müssen. Auf die Spitze treibt es dabei das Unternehmen Vitra mit dem Sitzband Chairless. Weniger als ein Band für ein Sitzmöbel zu verwenden, geht definitiv nicht mehr.

Design ohne Ablaufdatum

Trends von der Mailänder Möbelmesse Selbst vor der Badwanne macht der Trend «green design» nicht halt. © dpa

Und darin liegt auch der zentrale Punkt, der den Charakter des Möbelsalons 2010 ausmacht: Die neue Schlichtheit ist die Antwort auf sämtliche Facetten des Design-Karussells, das in den vergangenen Jahren als verrückt und irrwitzig, inhaltsleer und sinnlos verschrien war.

Neue Potenziale alter Bekannter werden zu Tage gefördert, angefangen über die multiple Einsatzfähigkeit des Wiener Geflechts bis hin zum stapelbaren Barcelona Chair von Ludwig Mies van der Rohe, produziert von Serralunga.

Altbewährtes kehrt zurück und zeigt, dass Design kein Ablaufdatum haben muss. Die Lust an der Neuinterpretation gewinnt massiv an Boden, ohne dabei langweilig oder abgedroschen zu wirken. Auch das ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Quelle: dpa
(Bilder: Stephanie Hofschlaeger / www.pixelio.de ; Immobilien Scout GmbH; Patrick Lebeda / www.sxc.hu ; www.b2b-deutschland.de ; Birgit Lieske / www.pixelio.de )