Montag, 13. Dezember 2010 15:05 Uhr
Verwundert blicken Verbraucher in diesen Tagen auf die Gaspreise: Während die Versorger lange Zeit Preispolitik im Gleichschritt praktizierten, ist der Markt jetzt gespalten: Preise sinken und steigen zugleich - warum?
Pünktlich zum Start in die Heizperiode drehen zahlreiche Gasversorger an der Preisschraube. Doch in dieser Saison schlagen die Gaspreise Kapriolen: Zweistellige Preisaufschläge gibt es bei den Stadtwerken Dinslaken und der Hewa Hersbruck in Bayern. Zweistellige Abschläge ermittelten die Internetportale «verivox.de» und «toptarif.de» bei den Stadtwerken in Dülmen und Lübbecke in Nordrhein-Westfalen. Auch wenn diese Zahlen Extreme sind: Der Markt ist gespalten.
Getrieben von neuen Anbietern und einer zunehmenden Wechselbereitschaft der Verbraucher gerät die Preishoheit der Versorger ins Wanken. Etwas mehr als die Hälfte der rund 200 Gasanbieter, die Änderungen ankündigten, wollen in den kommenden Monaten die Preise nach oben anpassen, die anderen werden sie senken. Die übrigen, darunter auch die Regionalversorger des Energieriesen Eon, lassen sie unverändert.
Insgesamt befinden sich die Gaspreise seit 2009 in einem Abwärtstrend. Nach Angaben des Bundesverbandes Energie und Wasserwirtschaft BDEW lagen sie am Jahresanfang auf dem tiefsten Stand seit 2006. «Weltweit sind die Gaspreise im Keller», sagt Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher. Entsprechend gesunken sind die Bezugskosten, was die örtlichen Versorger eigentlich in die Lage versetzen sollte, sich zu niedrigeren Preisen mit Erdgas einzudecken und die Endkunden günstiger zu beliefern - es sei denn, sie sind an langfristige Verträge gebunden.
«Die sich wandelnden Beschaffungs- und Unternehmensstrategien führen zu immer größeren Preisunterschieden zwischen den Gasversorgern», beschreibt der Leiter Energiewirtschaft beim Internetportal Verivox, Peter Reese, die Lage in der Branche. Daniel Dodt von Toptarif führt die Schere zwischen den ölpreisgebundenen Gaspreisen und den Marktpreisen auf einen Sonderfall zurück: In der Wirtschaftskrise sei ein Gas-Überangebot entstanden. Konsequenz: Anders als früher sind größere Gasmengen im freien Handel verfügbar. Und die drücken auf die Preise.
Trotz des aktuellen Überangebots auf dem Gasmarkt zahlten die Verbraucher letztlich das Dreifache der Preisnotierung an der Börse, sagt Claudia Kemfert, Energie-Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin. Und verweist auf die Ölpreisbindung, die seit 50 Jahren die Preisbildung auf dem Gasmarkt vorgibt. Kemfert fordert deren Abschaffung: «Die Ölpreisbindung passt nicht mehr in unsere Zeit», sagt die Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit.
Fein raus ist in dieser Lage das Unternehmen, das sich zum richtigen Zeitpunkt bei den Vorlieferanten oder an Spotmärkten eindeckt. Die Stadtwerke Bielefeld gehören zu den Versorgen, die ihre Preise zum 1. Oktober senken können: «Wir haben einen glücklichen Zeitraum erwischt», sagt Unternehmenssprecherin Birgit Jahnke. Dass sich die Preise für die Endverbraucher derzeit so unterschiedlich entwickeln, sei auch ein Reflex auf die Einkaufspolitik der Unternehmen, heißt es beim BDEW.
Für Haushaltskunden, die sich über hohe Gaspreise ärgern, hat Peters vom Bund der Energieverbraucher einen simplen Rat: Den Anbieter wechseln und Geld sparen. Doch das Anbieterwechseln kommt nur schleppend voran. Nach Angaben des BDWE hat erst jeder zehnte Haushalt seinen Gasversorger schon einmal gewechselt. Man müsse den Verbrauchern die Angst vor einem solchen Schritt nehmen, meint Reese von Verivox.
«Der Anbieterwechsel ist das entscheidende Instrument, um Versorger abzustrafen oder zu belohnen», sagt ein Sprecher der Bundesnetzagentur. Welche Waffe sie in den Händen halten, ist vielen Verbrauchern noch gar nicht bewusst: So konnten die Endkunden im Juni 2010 im Durchschnitt bereits zwischen 25 Anbietern auswählen, 2008 waren es erst drei.
Und wer die richtige Auswahl trifft, der schont sein Portemonnaie: Bei einem Musterhaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden - rechnen Energieexperten vor - können Verbraucher Einsparungen von im Schnitt 250 Euro einstreichen. «Es gibt für die Kunden jetzt die einmalige Chance: So gut wie jetzt war die Gelegenheit noch nie», sagt der Energieexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel.
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