Als Schnittblume oder im Topf: Amaryllis brauchen etwas Fingerspitzengefühl, um lange zu blühen.
Amaryllis gehören zu den Riesen unter den Blüten. 28 Zentimeter Durchmesser können die Größten unter ihnen erreichen. Drei, vier, manchmal sogar sechs Blüten tragen sie auf einem kräftigen Stiel und leuchten in Rot und Weiß, Purpur, Orange und Grün. Sie beeindrucken mit einer Blühdauer von etwa 14 Tagen, sind sehr anspruchslos und vertragen sogar geheizte Zimmer.
Es gibt die Amaryllis in zahlreichen Farbnuancen und verschiedenen Größen- dabei ist der Name Amaryllis botanisch gar nicht korrekt. «Zwar gehört sie zur Familie der Amaryllisgewächse, doch botanisch wird sie der Gattung Hippeastrum zugeordnet», erklärt Andreas Tunger, Präsident des Fachverbands Deutscher Floristen Berlin/Brandenburg. Sie wird im Deutschen auch Ritterstern genannt, der landläufige Name Amaryllis hat sich aber bis heute bewahrt und wird überall verstanden.
Welchen Standort braucht die Amaryllis?
Der Ritterstern hat- wie alle Zwiebelpflanzen- drei Vegetationsphasen. Seine Blühphase ist im Winter, die Wachstumsphase im Frühjahr und Sommer sowie die Ruhephase im Herbst. In diesen Phasen hat er unterschiedliche Kulturansprüche: Von Mai bis September benötigt der Ritterstern warme Temperaturen. Er kann in dieser Zeit draußen stehen und Sonne tanken. Während der Ruhephase im Herbst bevorzugt er einen dunkleren Standort bei Temperaturen um 16 Grad. «Man kann den Ritterstern während der Ruhephase aber auch einfach im Garten lassen», erklärt Andreas Tunger. Wichtig sei dann, dass er frostfrei steht.
Während der Blühperiode im Winter ist er mit der eher geringen Lichtintensität der Wohnräume zufrieden. «Das Spektrum der Blütenfarben reicht von reinem Weiß über Aprikot und Rosa bis hin zu einem leuchtenden Rot», erklärt die Floristmeisterin Heike Damerius aus Berlin. Es gebe auch Sorten mit auffälliger Blütenfärbung und sogar Streifen. Und jedes Jahr kommen neue Züchtungen hinzu, etwa mit gefüllten Blüten oder Miniformen für kleinere Arrangements. Der Ritterstern ist so besonders, weil aus einer kleinen unscheinbaren Blütenknospe ein üppiges Blütenfeuerwerk entsteht», beschreibt Damerius die Pflanze.
Einfarbig, gestreift, geadert oder gesternt wirken Amaryllis immer wieder anders- ob als Schnittblume oder im Topf. Inzwischen mischen sich 25 verschiedene Arten zu einem nicht mehr überschaubaren Gen-Cocktail. Daher unterscheiden Gärtner Amaryllis nach Typen: Große ungefüllt blühende wie die ganz dunkle 'Black Pearl', große gefüllte wie die zartrosa 'Aphrodite', die kleinblütigen Mineastrum-Sorten wie 'Babyface' oder 'Madeira' sowie trompeten- und cybisterblütige.
Trompetenblütige Amaryllis wie 'Parodii' besitzen, wie der Name sagt, lange trompetenförmige Blüten. Cybister-blütige wie 'Jungle Star' oder 'Merengue' stammen von Hippeastrum cybister ab. Sie hat den Nachkommen ihre extrem schmalen, fast spinnenartigen Blütenblätter vererbt. Je drei schieben sich oben und unten zusammen. Die oberen betont dunkles Karmesinrot, die unteren Beigegrün.
Ähnlich auffällig ist auch Hippeastrum papilio, deren Blütenform an einen Schmetterling erinnert. Ihr im Zentrum flächiges Karmesinrot läuft in kräftigen Adern über grünweißem Untergrund aus. Unübersehbar ragen dazwischen sechs kräftige Staubgefäße und ein Stempel hervor. In der freien Natur werden die Amaryllisblüten von Kolibris bestäubt. Mit reichlich Nektar und der Signalfarbe Rot lockt sie die winzigen Vögel an und lenkt ihren Schwirrflug durch Streifen und Linien in die Blütenmitte.
Bei der frisch geöffneten Blüte biegen sich die Staubgefäße mit kräftigem Schwung dem winzigen Besucher entgegen und bepudern Brust oder Bauch mit Pollen. Bei älteren Blüten erschlaffen die Staubgefäße und an ihrer Stelle entfaltet der Stempel seine drei Narben, reckt sich nach oben und streift ab, was an den Federn des Kolibris klebt. Bei der Amaryllis im Zimmer lässt sich das mit einem Pinsel gut nachahmen. Der Pollen klebt in dicken Flocken an seinen Haaren und lässt sich mühelos auf die Stempel der etwas älteren Nachbarblüte übertragen. Erstaunlich rasch entwickeln sich kräftige braune Samen und wer Lust zum Experimentieren hat, erntet sie, sobald die Kapsel aufplatzt und sät sie in sandige Erde.
Die Knolle wird aber durch das Ausreifen der Samen geschwächt. Oft blüht sie dann im kommenden Jahr nicht. Wer das vermeiden möchte, schneidet die verblühten Blumen ab. Der dicke Stängel und die riemenförmigen Blätter sammeln nun den Sommer hindurch neue Kräfte. Wird zu wenig gedüngt, gibt es im nächsten Winter nur grüne Blätter. Am besten steht die Pflanze vor der Mittagssonne geschützt im Freien. Damit die langen Blätter nicht abbrechen, können sie an einem Stock aufgebunden werden.
Ende August beginnt die Umstellung auf die für ihre Blüte so wichtige Ruhezeit. Das Gießen wird nun verringert, das Düngen ganz eingestellt. Die Blätter der Amaryllis werden gelb, schließlich trocken und können abgeschnitten werden. Nun wird die Zwiebel trocken gehalten und in einen kühlen Raum gestellt. Dort ruht sie vier bis zwölf Wochen lang - je nachdem, wann sie zur Blüte kommen soll.
Ist die Ruhezeit vorbei, bekommt sie frische, nährstoffreiche Erde. Beim Umtopfen dürfen die Wurzeln aber nicht beschädigt werden. Zu etwa einem Drittel sollte die Zwiebel nach dem Topfen aus der Erde schauen. Dann weckt behutsames Angießen und ein heller Standort im warmen Zimmer die Lebensgeister der Amaryllis. Aber Vorsicht: Nicht zu viel Gießen. Solange noch kein Grün zu sehen ist, verbraucht die Zwiebel kaum Feuchtigkeit.
Bald zeigt sich die rundliche Spitze des Blütenstandes, dem wenig später die Blätter folgen. Nun wächst die Amaryllis rasch. Fast kann man dabei zuschauen, wie sie größer wird. Die Knospen werden dicker, zeigen Farbe und schließlich platzt die erste zu ihrem prächtigen Farbenspiel.
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