Beim Besuch des Weihnachtsmarkts trinkt fast jeder einen Glühwein. Aber wie gut ist der eigentlich?
Die Deutschen lieben ihren Glühwein: Nach Angaben des Bundesverbands Wein und Spirituosen trinken die Deutschen jährlich rund 40 Millionen Liter des "aromatisierten weinhaltigen Getränks".
Was sie davon in Läden und auf Weihnachtsmärkten angeboten bekommen, hat allerdings ein breites Qualitätsspektrum. Meist wird der heiße Wein in der Adventszeit aus verschiedenen Rotweinen gemischt. Dazu kommen Gewürze wie Anis, Kardamom, Muskat, Nelken, Piment oder Zimt. Wer Glück hat, erwischt auch mal einen Glühwein aus einem guten Spätburgunder, Portugieser oder Dornfelder.
Die lieblichen Weine werden frisch zubereitet, nur erhitzt und keinesfalls gekocht. Nicht nur, weil sonst der Alkohol verdunstet und der Geschmack «dünn» wird: Fängt der Wein zu brodeln an, kann sich das Zuckerabbauprodukt Hydroxymethylfurfural bilden, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein.
Ob Glühwein frisch ist, lässt sich auch an seiner intensiv roten Farbe erkennen. Braun wird er durch Oxidationsprozesse beim langen Warmhalten im offenen Kessel.
Manchmal kommt auch ein Billigfusel in die Becher, der nach Behördeneinstufung allenfalls als "aromatisierter weinhaltiger Cocktail" einzustufen ist und nur durch Etiketten-Schwindel zum "Glühwein" wird. Reichlich gezuckert sollen minderwertiger Geschmack oder Geruch überdeckt werden. Solch klebrigem Kopfschmerzverursacher ist das angekratzte Image des Heißgetränks zu verdanken.
Schon die alten Römer versetzten Traubentrunk mit Gewürzen, um ihn länger haltbar zu machen. Der antike Kochbuchautor Marcus Gavius Apicius beschrieb «conditum paradoxum», die Veredelung von Wein mit Zimt, Lorbeer, Nelken, Thymian und Koriander.
Der Mindestalkoholgehalt ist gesetzlich auf sieben Volumenprozent festgelegt, kann aber bis zu 14,5 Prozent betragen. Glühwein steigt schnell zu Kopf: Durch die Wärme werden die Gefäße im Magen-Darm-Trakt besser durchblutet und das Heißgetränk entfaltet seine Wirkung schneller als herkömmlicher Wein. Der Zucker fördert die Alkoholaufnahme zusätzlich.
Schon ein 0,2-Liter-Becher mit rund zehn Volumenprozent Alkohol erhöht den Blutalkoholgehalt um bis zu 0,25 Promille. Kommt noch ein Schuss Rum oder Amaretto dazu, geraten auch kräftige Weihnachtsmänner schnell an ihre Grenzen.
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