BerlinOnline.de

Norovirus
Elektronenmikroskopische Aufnahme von Noroviren © dpa

Brechdurchfall: Erdbeeren mit Noroviren waren Auslöser

Dienstag, 9. Oktober 2012 12:37 Uhr

Laut Robert-Koch-Institut haben höchstwahrscheinlich Noroviren den massenhaften Brechdurchfall in Ostdeutschland ausgelöst. Verbraucherschützer fordern nun Konsequenzen.

Am Montagabend stand es fest: Die Brechdurchfall- Epidemie mit mehr als 11.000 Erkrankten wurde durch mit Noroviren verseuchte Tiefkühl-Erdbeeren aus China ausgelöst. Das ergaben Untersuchungen des Robert Koch-Instituts (RKI). «Wir haben einen positiven Befund in einer Packung der betroffenen Erdbeeren», sagte eine Sprecherin des Bundesverbraucherschutzministeriums. Die Ermittlungen seien nun abgeschlossen. Jetzt gehe es nur noch um die wissenschaftliche Analyse der vorhandenen Datensätze.

Erdbeeren wahrscheinlich nicht im Einzelhandel verkauft

Mehr als 11.000 Menschen waren seit Anfang vergangener Woche an Brechdurchfall erkrankt. Betroffen waren Kinder und Jugendliche in Kindergärten und Schulen. Der Gipfel der Erkrankungen lag laut RKI zwischen dem 25. und 27. September 2012.

Die verdächtigen Erdbeeren wurden von mehreren Großküchen in Ostdeutschland verarbeitet, darunter von Betrieben des Caterers Sodexo. Nach den bisherigen Erkenntnissen wurden die Erdbeeren nach ihrer Ankunft im Hamburger Hafen über einen Großhändler aus Sachsen in mehrere ostdeutsche Zentralküchen für Schulessen geliefert. In den Einzelhandel sind die Früchte wahrscheinlich nicht gelangt.

Der Caterer Sodexo hat noch nicht entschieden, wie er die Schüler und Schulen für die Magen-Darm-Erkrankungen entschädigen will. «Wir wissen, dass wir entschädigen wollen, wir wissen aber noch nicht, wen, wie und wann», sagte Tim Bechtel von der PR-Agentur des Unternehmens in Rüsselsheim.

Foodwatch fordert mehr Transparenz

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch forderte, dass die Kontrollergebnisse aus Schul- und Kita-Kantinen sowie bei Caterern nicht mehr wie «Staatsgeheimnisse» behandelt werden. Nur durch Transparenz könne festgestellt werden, wie intensiv Caterer überprüft werden, die an besonders empfindliche Verbrauchergruppen Menüs liefern, sagte der stellvertretende Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt.

Weite Transportwege in der Kritik

Der Bundesverband der Regionalbewegung kritisierte die weiten Transportwege der Lebensmittel und forderte eine «regionale Herkunft der Schulverpflegung». Diese ermögliche in erster Linie einen hohen Frischegrad. «Durch die Einbindung regionaler, leistungsstarker mittelständischer Betriebe kann somit auch die Wirtschaftskraft rund um einen Schulstandort gestärkt werden», sagte der Vorsitzende Heiner Sindel.

Norovirus dpa

Norovirus-Infektion: Symptome, Behandlung, Schutz

Noroviren gehören zu den häufigsten Ursachen viraler Magen-Darm-Erkrankungen. Fragen und Antworten rund um das Norovirus. Mehr

Quelle: dpa
(Bilder: dpa)