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Schutzimpfung kann Sepsis-Risiko verringern
Blutprobe: Sepsis, im Volksmund Blutvergiftung genannt, kostet in Deutschland jährlich rund 60.000 Menschen das Leben. © dpa

Blutvergiftung: 60.000 Deutsche sterben jährlich an Sepsis

Freitag, 14. September 2012 10:51 Uhr

Etwa 60.000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland an Sepsis, im Volksmund Blutvergiftung genannt. Doch viele Todesfälle ließen sich verhindern.

Etwa jeder dritte Todesfall durch Sepsis in Deutschland ist nach Einschätzung eines Experten vermeidbar. Bei der Infektion gelangen Krankheitserreger ins Blut und befallen ein Organ nach dem anderen. Mehr als 150.000 Menschen erkranken allein in Deutschland jedes Jahr an Sepsis (Blutvergiftung), für etwa 60.000 endet sie mit dem Tod. «Damit ist die Sepsis die dritthäufigste Todesursache in Deutschland», sagte der Jenaer Intensivmediziner Konrad Reinhart, Vorsitzender der Global Sepsis Alliance (GSA). Weltweit seien es im Jahr mehr als 18 Millionen Erkrankungen und etwa 8 Millionen Tote.

Sepsis oft nicht als Todesursache benannt

Der Experte nannte es erschreckend, wie wenige Menschen über die Sepsis (Blutvergiftung) Bescheid wüssten. «Jeder zweite Deutsche kennt noch nicht mal den Begriff.» Auch viele Ärzte seien ungenügend informiert. Die Sepsis werde in der Ausbildung vernachlässigt, weil sie in Verbindung mit verschiedenen Infektionen auftreten könne. Viele Mediziner seien mit der Diagnose überfordert. Oft werde eine falsche Todesursache angegeben wie Lungenentzündung. «Tatsächlich hat aber nicht die Lungenentzündung zum Tod geführt, sondern die Sepsis, die infolge der Lungenentzündung eingetreten ist.»

Ein Drittel der Todesfälle könnte verhindert werden

Das Problem liege im Wesen der Krankheit begründet. «Es kann mit einer ganz harmlosen Mandelentzündung anfangen.» Wenn bei einer solchen Infektion plötzlich auch ganz andere Organe betroffen seien, müssten jedoch die Alarmglocken schrillen. «Dann muss der Patient so schnell wie möglich ins Krankenhaus», sagte Reinhart. Viele Erkrankungen würden erst diagnostiziert, wenn es für eine Behandlung zu spät sei. «Wahrscheinlich könnte ein Drittel der Sepsis-Todesfälle in Deutschland verhindert werden, wenn sie früher erkannt würden.»

Sepsis in vielen Fällen mit Antibiotika behandelbar

Obwohl die Zahl der Fälle zunimmt, besteht Hoffnung, dass sich die Krankheit in den Griff bekommen lässt. Durch Impfungen kann das Risiko einer Erkrankung gesenkt werden: «Die meisten Sepsis-Fälle sind Folge von Lungenentzündungen und dagegen schützt die Pneumokokken-Impfung.» Außerdem lasse sich die Sepsis in vielen Fällen mit Antibiotika behandeln. Zudem könnten viele Erkrankungen durch sorgfältigere Hygiene verhindert werden, sagte Reinhart. «Allein in Krankenhäusern würde das mehrere Tausend Todesfälle weniger im Jahr bedeuten.»

Quelle: dpa
(Bilder: dpa)