Schwangere dürfen die meisten Medikamente nicht einnehmen. Welche Hausmittel bei Erkältung, Rückenschmerzen und Morgenübelkeit genauso gut helfen.
Wenn in der Schwangerschaft der Bauch rumort, der Hals kratzt oder der Kopf schmerzt, sollte der Griff in den Medikamentenschrank gut überlegt sein. Denn: Alle Wirkstoffe gelangen über die Plazenta in den Blutkreislauf des Ungeborenen und können möglicherweise sein Wachstum stören oder zu Fehlbildungen führen. Zwar sind Arzneimittel mit Baby im Bauch nicht komplett verboten, aber oft gibt es bei leichten gesundheitlichen Beschwerden gute Alternativen.
Erkältung mit Tees und Inhalieren lindern
"Bei allen Arten von Atemwegsinfektionen ist es wichtig, ausreichend zu trinken", sagt Gynäkologe Dr. Dankwart Rachor vom Ärztezentrum der Techniker Krankenkasse (TK). Am besten geeignet sind warmer Tee oder heiße Zitrone. Oft bringt das Inhalieren von Kochsalzlösung mittels eines Verneblers ebenfalls Linderung. Säfte auf pflanzlicher Basis wie Efeu oder Thymian sind meistens erlaubt, aber auch bei diesen Kräuterextrakten sollte man vor der Einnahme den Arzt fragen. Schleimlösende Medikamente wie Acetylcystein (ACC) können nach Rücksprache mit dem Arzt gefahrlos angewendet werden.
Ein altes Hausmittel bei Bronchitis und Halsschmerzen sind warme Kartoffelwickel. Dazu kocht man Kartoffeln mit der Schale und legt sie auf die Hälfte eines sauberen Küchenhandtuchs. Die andere Hälfte des Tuches darüber schlagen und die Kartoffeln zerdrücken. Danach in ein weiteres Tuch einschlagen und den Wickel auf die Brust beziehungsweise den Hals legen. Unbedingt vorher vorsichtig die Temperatur mit dem Unterarm prüfen, damit man sich nicht verbrennt.
"Vorsicht ist bei den gängigen Nasensprays geboten", so Rachor. Die darin enthaltenen abschwellenden Substanzen wirken gefäßverengend und können bei unsachgemäßer Anwendung über ihre Wirkung auf die Gebärmutter die Blutversorgung des Kindes einschränken.
Bei Fieber unter 39 Grad ist häufig Bettruhe die beste Therapie. In der Phase des Schwitzens sind auch feucht-kühle Wadenwickel hilfreich. Dazu taucht man ein Tuch in kaltes Wasser, wickelt es um die Waden und wickelt ein trockenes Handtuch darüber. Gut zudecken! Um Fieber zu senken, dürfen Schwangere in Ansprache mit ihrem Arzt auch ein reines Paracetamolpräparat zu sich nehmen. Nach dem bisherigen Kenntnisstand führt die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft nicht zu einer Schädigung des Kindes. Grundsätzlich ist Fieber über 39 Grad oder anhaltendes Fieber immer ein Grund, den Arzt aufzusuchen.
Die häufigsten Probleme in den ersten Monaten der Schwangerschaft sind Übelkeit und Erbrechen. "Dagegen helfen ein kleines Frühstück im Bett schon vor dem Aufstehen und öfters kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt", sagt Rachor. Am besten intensive Gerüche vermeiden und viel trinken. Mit Beginn des vierten Schwangerschaftsmonats tritt meist eine spontane Besserung ein. Den Arzt sollte man unbedingt aufsuchen, wenn man jeden Tag häufiger als viermal erbrechen muss oder stark an Gewicht verliert.
Verstopfung: Einen Apfel pro Tag essen
Durch die Hormonveränderung wird oftmals auch der Darm träge und es kann zu Verstopfung kommen. Oft hilft es bereits, die Ernährung umzustellen: etwa zwei Liter pro Tag trinken sowie Obst, Gemüse, Vollkornbrot und Backpflaumen oder eingeweichte Leinsamen essen. regelmäßig einen Apfel pro Tag essen kann Wunder wirken. Stopfende Nahrungsmittel wie Bananen oder Schokolade sollte man möglichst meiden. Außerdem hilft es, sich so viel wie möglich zu bewegen.
Vor allem gegen Ende der Schwangerschaft kämpfen viele werdende Mütter mit Rückenschmerzen. Dagegen helfen sanfte Gymnastikübungen. Linderung bringen auch Wärmflaschen oder warme Bäder.
Wer dennoch Arzneien benötigt, sollte die Anwendung mit seinem betreuenden Arzt besprechen. Das gilt auch für rezeptfreie Medikamente wie Kopfschmerz- oder Abführmittel. "So sollte Acetylsalicylsäure (Aspirin) beispielsweise im letzten Drittel der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, da es die Blutungsneigung erhöht und sich der Geburtsvorgang deutlich verzögern kann, weil die Wehentätigkeit gehemmt wird", erläutert Dr. Dankwart Rachor.
Trotz aller Zurückhaltung gibt es dennoch einige gebräuchliche Medikamente, die mit großer Wahrscheinlichkeit in Rücksprache mit dem Arzt auch während der Schwangerschaft eingenommen werden dürfen oder sogar müssen.
Dazu gehören Paracetamol (Schmerz- und fiebersenkendes Mittel), Penicilline, Erythromycin und Cephalosporine (Antibiotika) sowie Prednison (Kortison). Chronische Krankheiten wie Asthma, Diabetes, Epilepsie oder etwa Schilddrüsenerkrankungen müssen auch in der Schwangerschaft weiterbehandelt werden.
Wer sich Kinder wünscht, sollte sich möglichst rechtzeitig mit dem Arzt beraten, ob die verordneten Medikamente für das Ungeborene schädlich sind. Meistens gibt es verträglichere Alternativen und man kann gegebenenfalls schon vor der Schwangerschaft auf ein geeignetes Präparat umstellen.
BerlinOnline Stadtportal Gmbh & Co KG
Karl-Liebknecht-Straße 29
D-10178 Berlin
Tel.: 01805 / 80 77 37
Fax.: 01805 / 00 28 97
(Festnetzpreis 14 ct/min; Mobilfunkpreise maximal 42 ct/min)
info@berlinonline.de