Der Umgang mit der Schweinegrippe wird zunehmend kritisiert: Von der Angst vor einer relativ harmlosen Krankheit profitiere vor allem die Pharmaindustrie.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Mediziner Wolfgang Wodarg hält die Angst vor einer Schweinegrippe-Pandemie nach eigenen Worten für eine Inszenierung. "Das ist ein Riesengeschäft für die Pharmaindustrie, sagte der Lungenfacharzt. Die Schweinegrippe unterscheide sich nicht von den üblichen Grippewellen. "Im Gegenteil: Wenn sie die Zahl der Fälle sehen, ist das lächerlich, verglichen mit anderen Grippezügen."
Die Pharmaindustrie habe ihre Interessen erfolgreich in der Politik durchgesetzt, sagte Wodarg weiter. Bisher hätten die Hersteller von Grippe-Impfstoff nie gewusst, wie viel Abnehmer sie dafür im Herbst hätten. "Neu ist nun, dass die Bundesregierung der Pharmaindustrie eine Verkaufsgarantie gibt." Auch die Krankenkassen versuchten nun, von der Pandemie-Angst zu profitieren: "Sie versuchen, Geld für sich rauszuschlagen."
Auch der Pharmakologe Peter Schönhofer vom "arznei-telegramm" hält die geplanten Massenimpfungen für übertrieben. In den ARD-Tagesthemen vom 06. August sagte er: "Der Begriff Bürokraten-Pandemie ist zutreffend, denn wir wenden für ein kleines medizinisches Problem eine Unmenge an Geld sinnlos auf."
Der Berliner Virologe Detlev H. Krüger warnt ebenfalls vor Panikmache. "Man sollte nicht in Panik verfallen. Im Schnitt sterben in Deutschland pro Jahr bis zu 20.000 Menschen an der "normalen" jährlichen Grippe. An der Schweinegrippe sind gegenwärtig nur einige Dutzend verstorben. Wenn man das ins Verhältnis setzt, ist es wirklich unverständlich, warum jetzt eine so große Aufregung herrscht.", sagte der Wissenschaftler in einem Interview mit tagesschau.de.
Unterdessen wurde bekannt, dass die Schnelltests, die bei Schweinegrippe-Verdachtsfällen verwendet werden, offenbar sehr unzuverlässig sind. "Die gegenwärtig zur Verfügung stehenden Schnelltests zeigen zu mehr als 50 Prozent ein falsch negatives Ergebnis an", wird der Leiter der Virologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Thomas Schulz, bei "Spiegelonline" zitiert. Eine Infektion mit der Seuche werde also bei jedem zweiten Verdachtsfall nicht erkannt. Schulz berief sich dabei auf seine Erfahrungen aus 20 Schnelltests.
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