Die Schweinegrippe hat sich weltweit ausgebreitet, auch nach Berlin. Was Sie wissen sollten.
Bis Mitte Dezember 2009 waren in Deutschland insgesamt knapp 204.000 Infektionen gemeldet, darunter 119 Todesfälle. Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldete, dass weltweit mehr als 11.500 Menschen an der Schweinegrippe gestorben waren. Bestätigte Fälle wurden in 208 Ländern registriert.
Den Höhepunkt hatte die Grippewelle zu diesem Zeitpunkt aber bereits erreicht. So gingen unter anderem in Deutschland und Österreich die Zahl der Infektionen zurück. Trotzdem kein Grund zur Entwarnung. Experten erwarten, dass Deutschland das Virus erhalten bleibt und im späten Winter oder im Frühjahr 2010 eine weitere Welle kommen wird.
Übertragen wird das Schweinegrippe-Virus vorwiegend über Tröpfchen, also durch Husten oder Niese. Das Virus verbreitet sich schnell von Mensch zu Mensch, z.B. bei nahem Körperkontakt, in geschlossenen Räumen sowie in Menschenansammlungen. Und offenbar ist die Grippe deutlich weiter verbreitet als bisher vermutet wurde. «Wer Grippe hat, hat H1N1», sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts Jörg Hacker Anfang November.
Wer an Schweinegrippe erkrankt ist, bleibt mehrere Tage ansteckend. Das Risiko, andere Menschen zu infizieren, besteht drei bis fünf Tage lang, in Einzelfällen auch bis zu sieben Tage. Es gilt: Solange ein Patient Symptome zeigt und damit Viren ausscheidet, ist er auch ansteckend. Kleine Kinder sind stärker ansteckend, da sie mehr Viren und für eine längere Zeit als Erwachsene ausscheiden können.
«Das erste bei der Influenza ist, dass man sich wirklich krank fühlt, dass man Fieber hat und sich wie erschlagen fühlt", so der Virologe Alexander Kekule. "Manchmal kommen Halsschmerzen dazu und nach einiger Zeit kommt dann der Husten». Diese typische Reihenfolge, die anders ist als ein normaler Schnupfen, sollte einen alarmieren. Weitere Anzeichen können sein: Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.
Bei zutreffenden Symptomen sollte man zum Arzt gehen und am besten vorher anrufen, damit man niemanden im Wartezimmer ansteckt. Ein Arzt kann die Symptome abklären und die Krankheit durch einen Abstrich bestätigen.
Ärzte müssen seit dem 14. November 2009 nicht mehr jeden Verdachtsfall dem Gesundheitsamt melden. Todesfälle, die in Verbindung mit der Schweinegrippe stehen, blieben dagegen meldepflichtig.
Die Grippemedikamente Tamiflu (Wirkstoff Oseltamivir) und Relenza (Wirkstoff Zanamivir) wirken gegen den Schweinegrippe-Erreger, aber nur, wenn sie kurz nach Ausbruch der Krankheit genommen werden. Ansomnsten gelten die üblichen Empfehlungen für Grippepatienten: Ruhe, Erholung und viel trinken.
Kommt es zu einem heftigeren Verlauf, etwa durch eine zusätzliche Lungenentzündung, müssen die Erkrankten ins Krankenhaus. Die Pandemiepläne sehen vor, dass sie dort unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen. gegebenenfalls in einer speziellen Grippeabteilung, weiter behandelt werden.
Die Senats-Gesundheitsverwaltung hat im Internet eine Liste mit Ärzten und Arztpraxen in Berlin veröffentlicht, die Impfungen vornehmen:
Seit Dezember ist eine Impfung auch für Gesunde problemlos zu bekommen. Meist genügt eine telefonische Anmeldung bei einer impfenden Praxis um kurzfristig einen Termin für die Spritze zu bekommen. Die Impfung ist grundsätzlich freiwillig.
Bundesweit wurden zuerst Bürger geimpft, die in sensiblen Bereichen arbeiten wie im Gesundheitswesen, bei Feuerwehren, Polizei und Rettungsdiensten. Dann waren chronisch Kranke wie Diabetiker sowie Schwangere dran, danach gesunde Bürger.
Bis Ende 2009 sollen insgesamt 20 Millionen Dosen des Impfstoffs Pandemrix ausgeliefert werden. «Diese Zahlen machen schon deutlich, dass nicht jeder geimpft werden kann», sagte Bundesgesundheitsminister Philip Rösler im November dazu.
Die 50 Millionen Dosen des Serums, die die Behörden insgesamt bestellt hatten, würden voraussichtlich erst bis März vollständig ausgeliefert. Klar sei dies aber noch nicht. Sie sollen für etwa 30 Prozent der Bevölkerung reichen.
Die Impfung gegen Schweinegrippe kann - wie auch andere Impfungen- allergische Reaktionen oder Nebenwirkungen auslösen:
-Reaktionen rund um die Einstichstelle, wie Hautrötungen, Schwellungen, Verhärtungen oder lokale Schmerzen.
Die Beschwerden lassen sich durch Kühlen lindern und verschwinden nach einigen Tagen von selbst.
-Fieber und Müdigkeit: Die Körpertemperatur kann bis zu 38-39 Grad Celsius ansteigen. Das ist bei bis zu fünf Prozent der Geimpften der Fall. Bei bis zu zehn Prozent macht sich anschließend Müdigkeit bemerkbar. Eine Behandlung ist nicht nötig.
Eines der wirksamsten Mittel ist Händewaschen, da die Erreger von den Händen leicht auf die Schleimhäute von Augen, Nase und Mund übergehen und dann in den Körper dringen können.
Mindestens 30 Sekunden die Hände mit Seife unter fließendem Wasser- auch zwischen den Fingern- waschen. Beim nach Hause kommen, vor dem Zubereiten von Speisen, vor dem Essen, nach dem Toilettengang.
Darüber hinaus sollte man die Hände möglichst vom Gesicht fernhalten und Menschenansammlungen meiden. Besondere Vorsicht gilt beim Kontakt mit Urlaubsrückkehrern, die sich im Ausland angesteckt haben könnten.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC geht davon aus, dass Schweinegrippe- Viren nicht durch Nahrungsmittel übertragen werden. Sie weist darauf hin, dass ein Erhitzen von Schweinefleisch auf 72 Grad Celsius die Viren sicher abtötet.
Bislang hat das Auswärtige Amt bezüglich der Schweinegrippe keine einschränkenden Reisewarnungen gegeben. Da viele der in Deutschland Neuerkrankten sich auf Urlaubsreisen besonders nach Spanien angesteckt haben, sollte man dort ein Höchstmaß an hygienischem Verhalten zeigen: Nicht mit anderen aus einem Glas trinken, möglichst Menschenansammlungen meiden, körperlichen Abstand wahren und immer wieder Hände waschen.
Alle Mitgliedsländer der WHO sollen ihre Gesundheitssysteme auf eine intensive Bekämpfung der Grippe umstellen. Auch sollen Impfstoffe verstärkt produziert und gelagert werden. Gegebenenfalls werden die örtlichen Behörden dazu aufrufen, Menschenansammlungen zu meiden. Dazu gehört auch, dass unter Umständen Kindergärten und Schulen geschlossen sowie Konzerte und Großveranstaltungen eingeschränkt werden.
Die Atemwegserkrankung ist bei Schweinen sehr verbreitet, gewöhnlich sterben aber wenige Tiere daran. Die Viren vom Subtyp A H1N1 wurden erstmalig im Jahr 1930 isoliert. Wie alle Grippe-Viren verändert sich auch dieses ständig. In den vergangenen Jahren sind unter anderem die vier Subtypen H1N1, H1N2, H3N2 und H3N1 entdeckt worden. Mit H und N werden die beiden Eiweiße der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt.
In Amerika gab es im Jahr 1976 in New Jersey einen Ausbruch unter Soldaten. Vier Soldaten erkrankten an einer Lungenentzündung. Es gab einen Todesfall. Die Übertragung erfolgte von Mensch zu Mensch.
BerlinOnline Stadtportal Gmbh & Co KG
Karl-Liebknecht-Straße 29
D-10178 Berlin
Tel.: 01805 / 80 77 37
Fax.: 01805 / 00 28 97
(Festnetzpreis 14 ct/min; Mobilfunkpreise maximal 42 ct/min)
info@berlinonline.de