Geräte, die den Blutdruck oder das Gewicht regelmäßig messen und an den Arzt funken; elektronische Patientenakten, die der Patient selbst verwaltet und dem Arzt bei Bedarf zur Verfügung stellt und online-Beratungen für chronisch Kranke - die IT-Branche hat viele Ideen für den Gesundheitssektor.
Petra Frauenrat hat Diabetes. Wenn die 51-Jährige beim Sonntagskaffee zu viel Kuchen isst, bekommt ihr Hausarzt das gleich mit: Ihre Blutzuckerwerte gibt sie jeden Tag in eine digitale Patientenakte ein, die der Mediziner per Computer abrufen kann.
Ebenso kann er den Befund des Augenspezialisten abrufen, der Schäden an der Netzhaut festgestellt hat. Und wenn Petra Frauenrat einen Hustensaft verschrieben bekommt und ihr Apotheker das elektronische Rezept abruft, warnt das System gleich vor zuckerhaltigen Arzneien.
Elektronische Patientenakten und Telemedizin
Die Vorteile liegen auf der Hand - weniger Papierkrieg, weniger Behandlungsfehler, weniger Kosten. Nur: Der Fall Petra Frauenrat ist nur ein Zukunftsszenario, das vor Wochen auf der Cebit zu sehen war. Denn elektronische Patientenakten und Telemedizin haben die Arztpraxen noch nicht erreicht.
Holperige Testphase der Gesundheitskarte
Ein wichtiges Thema ist die elektronische Gesundheitskarte. Das System, bei dem Mediziner wichtige Patientendaten per Knopfdruck aufrufen können, sollte ursprünglich schon vor drei Jahren im Umlauf sein. Nun läuft selbst die Testphase äußerst holprig, Praxen und Kliniken arbeiten weiter mit eigenen Systemen.
«Wir haben es im Gesundheitswesen mit einer Vielzahl von Informationsinseln zu tun», kritisierte August-Wilhelm Scheer, Präsident des IT-Branchenverbandes Bitkom in Hannover. Immer noch streiten Ärzte, Krankenkassen und Politik darüber, wer die hohen Anlaufkosten im Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro trägt. Auch die Frage des Datenschutzes erhitzt die Gemüter.
Patienten finden Gesundheitskarte gut
Dabei finden die meisten Patienten die Gesundheitskarte gut - das unterstreicht eine repräsentative Studie. Drei von vier Befragten (72,5 Prozent) würden etwa Daten für medizinische Notfälle auf dem Chip speichern lassen.
Unter Patienten, die bereits in einer Testregion Erfahrungen gesammelt haben, ist die Unterstützung mit 87 Prozent sogar noch größer, wie die Techniker Krankenkasse berichtete.
Telemedizin besonders für chronisch Kranke gegeignet
Doch auch jenseits der elektronischen Gesundheitskarte hat die IT- Branche viele Ideen für den Gesundheitssektor. Gerade für chronisch Kranke und ältere Menschen sei die Telemedizin geeignet, sagte Ulrich Pluta von T-Systems.
Da gibt es Geräte, die den Blutdruck oder das Gewicht regelmäßig messen und an den Arzt funken; oder elektronische Patientenakten, die der Patient selbst verwaltet und dem Arzt bei Bedarf zur Verfügung stellt.
Geschäftsmodelle fehlen noch
Ob - und wenn ja wann - diese Innovationen sich durchsetzen, ist aber unklar. «Es braucht belastbare Refinanzierungsmodelle», sagte Ulrich Pluta. Dafür müssen Krankenkassen und Ärzteverbände jedoch den Leistungskatalog erweitern.
Bis dahin ist ein Szenario wie bei Petra Frauenrat unwahrscheinlich - nicht weil die Technik es nicht hergäbe, sondern weil das Geschäftsmodell fehlt.
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