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Arzt Blutabnahme
Für einen HIV-Test muss der Arzt Blut abnehmen. © DAK/Schläger/dpa

HIV: Aidstest anonym und kostenlos möglich

Die Entscheidung, einen HIV- Test zu machen, ist nicht ohne Folgen. Zuerst muss man sich überlegen, ob man den Test vom Hausarzt vornehmen lässt oder anonym beim Gesundheitsamt oder einer Beratungsstelle. Und dann beginnt die quälende Wartezeit auf das Ergebnis.

Statistisch gesehen infiziert sich allein in Berlin jeden Tag mindestens ein Mensch neu mit dem HI-Virus. So erwartet das Robert- Koch-Institut (RKI) für das Jahr 2009 insgesamt rund 500 Neudiagnosen nur in der Hauptstadt. Zu 90 Prozent sind dabei immer noch homosexuelle Männer betroffen.

Berliner Ärzte raten inzwischen allen Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern zu einem HIV-Test. Immer häufiger wird die Infektion erst spät bemerkt, doch trotz moderner Medikamente führen Spätdiagnosen zu einer schlechteren Lebensprognose.

Viele haben Angst vor den Folgen eines positiven Testergebnis

Bei Ämtern und Beratungsstellen sind Untersuchungen auf Wunsch auch anonym möglich. Denn viele fürchten, durch ein positives Testergebnis Nachteile zu erleiden, zum Beispiel beim Arbeitgeber, der darin grundlos ein Risiko sehen könnte. Wichtig ist aber, dass sich gefährdete Menschen auf jeden Fall testen lassen.

Sinnvoll ist ein HIV-Test vor allem für diejenigen, die ungeschützten Sex haben. «Wir empfehlen den Test für alle, die in sogenannte Risikosituationen kommen», sagt Wolfgang Müller von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Das beziehe sich zum Beispiel auf «sexuelle Gelegenheitskontakte», etwa Geschlechtsverkehr ohne Kondom mit kaum bekannten Partnern.

Aids-Test: Krankenkassen übernehmen meist die Kosten

Auch niedergelassene Ärzte können den Test vornehmen. Die Kosten tragen dann meist die Krankenkassen, außer bei einem ganz vagen HIV-Verdacht. Von im Internet beworbenen «HIV-Heimtests» wird abgeraten. Diese sind zum einen in Deutschland nicht zugelassen. Zum anderen ist nicht sichergestellt, dass sie technisch richtig angewendet werden und das Ergebnis aussagekräftig ist. Außerdem fehlt eine psychologische Unterstützung.

Der Leiter des Aids-Referats der BzgA rät allerdings dazu, den Test stets mit einer psychologischen Beratung zu kombinieren. Denn ein positives Testergebnis, also der Nachweis einer HIV-Infektion, bringe Betroffene oft in eine Krisensituation.

Die Wartezeit auf das Testergebnis ist für viele lang

«HIV ist noch immer eine eine tödliche Gefahr, wie eine Krebsdiagnose», erläutert Müller. «Auch wenn es gute Medikamente gibt: Man muss sie dann lebenslang einnehmen und lebt vermutlich kürzer als ohne die Ansteckung.» Hinzu kommt die Sorge um die eigene Existenz und um Angehörige. Daher ist es wichtig, einen Berater zur Seite zu haben, der den Infizierten nach der Diagnose auffängt und für ihn in den folgenden Wochen erreichbar ist.

Belastend kann auch das Warten auf das Testergebnis sein: Es nimmt etwa drei Tage bis eine Woche in Anspruch. «Diese Wartezeit ist für viele lang», sagt Müller.

Aids-Antikörper bilden sich drei Monate nach Ansteckung

Dabei wird das Blut auf Antikörper untersucht. Diese bilden sich etwa drei Monate nach einer Ansteckung als Reaktion auf die HI-Viren. Daher ist eine aussagekräftige Blutanalyse erst nach dieser Zeit möglich.

Bei einem positiven Befund erfolgt eine zweite Analyse, um das Ergebnis abzusichern. Neuere Tests sind dem Experten zufolge zwar in der Lage, auch Virus-Bestandteile zu erkennen. Dadurch ließen sich einige Tage Wartezeit einsparen. Bei positivem Ergebnis werde aber auch hier eine zweite Analyse gemacht, die abgewartet werden muss.

Zahl der HIV-Infektionen steigt weltweit

In Europa ist kein Rückgang der Neuinfektionen absehbar. Ganz im Gegenteil: Seit dem Jahr 2000 hat sich die jährliche Rate neuer HIV-Infektionen mehr als verdoppelt. 2008 hatten sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) fast 51.600 Menschen neu diagnostiziert. In den 43 Ländern mit zuverlässigen Statistiken stieg die Infektionsrate von 44 auf 89 Fälle pro einer Million Einwohner an, wie es in dem Jahresbericht 2008 HIV/Aids in Europa heißt.

Knapp die Hälfte der Neuinfizierten leben im östlichen Europa mit einer HIV-Rate von 179 Fällen auf 1 Million Einwohner. Das ist doppelt so hoch wie im westlichen Europa und zehnmal so hoch wie in Mitteleuropa. Insgesamt sind in der europäischen Region der WHO bislang 342.768 Infektionen mit dem Aidserreger HIV registriert. Experten meinen aber, dass diese Zahl aufgrund von Meldelücken vor allem im östlichen Teil des Kontinents tatsächlich deutlich höher liegt. Darüber hinaus fehlen in dem aktuellen Bericht Daten aus Russland, der Türkei, Dänemark und weiteren Ländern.

Aids-Test: Beratung per Telefon möglich

Beratungen vor dem Aids-Test bieten zum Beispiel die örtlichen Gesundheitsämter, Aids-Hilfen oder die BzgA-Hotline (Tel. 01805/55 54 44, 14 Cent pro Minute aus dem Festnetz) an. Unter der Nummer lassen sich auch Beratungsstellen in der Nähe erfragen.

Quelle: kra/dpa
(Bilder: Grüne Woche Berlin; dpa)