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Gesundheitsleistungen
Blutabnahme auf Wunsch: Will ein Patient medizinisch nicht notwendige Laborwerte erfahren, muss er dafür eine Gebühr zahlen. © DAK/Schläger/dpa

Vorsorgeuntersuchungen: Was ist sinnvoll?

Immer mehr Ärzte bieten neben der normalen Behandlung gegen Gebühr eine weite Palette von Individuellen Gesundheitsleistungen, sogenannte IGeL, an. Aber wie sinnvoll sind solche Zusatz-Untersuchungen?

Vorsorge gegen Grünen Star, spezielle Bluttests, «Baby-Fernsehen» für gesunde Schwangere - wie viele IGeL es gibt, lässt sich kaum überblicken.

«Das ist ein ganz bunter Strauß», sagt Andre Vogel von der Kieler Beratungsstelle der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD).

Nichts davon ist medizinisch notwendig

Medizinisch notwendig sei allerdings nichts davon - sonst wäre es im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassenversicherung (GKV) enthalten.

«Bei den allermeisten IGeL gibt es einen Grund, dass sie keine GKV-Leistung sind», erläutert Prof. Jürgen Windeler, Leitender Arzt und stellvertretender Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen in Essen.

Methoden nicht ausreichend erprobt

So seien die Methoden entweder nicht ausreichend wissenschaftlich erprobt und daher vom Gemeinsamen Bundesausschuss abgelehnt oder bisher von diesem nicht beraten worden.

Der Ausschuss besteht aus gleichberechtigten Vertretern der gesetzlichen Kassen und der Ärzteschaft. Er entscheidet, welche medizinischen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden als Kassenleistung zugelassen werden.

Die Bundesärztekammer in Berlin hält IGeL je nach Situation für durchaus «medizinisch empfehlenswert». Zu den sinnvollen Behandlungen zählten zum Beispiel vorbeugende Impfungen vor einer Auslandsreise. Deren Kosten übernehme die Kasse nicht, weil sie durch die «individuelle Lebensgestaltung veranlasst» sind.

Glaukom-Vorsorge ab 40

Die Ärztekammer räumt aber auch ein, dass es durchaus Angebote gebe, deren Wirksamkeit wissenschaftlich noch nicht geklärt ist. Außerdem gebe es auch Leistungen, die die Krankenkassen erst bei bestimmten Risikogruppen übernehmen.

Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Glaukom-Vorsorge, die unter anderem für Diabetiker eine GKV-Leistung ist. Mit ihr soll frühzeitig ein erhöhter Augeninnendruck erkannt werden, der in einem späteren Stadium zum Grünen Star und zur Erblindung führen kann.

Die Befürworter betonen, dass die Erkrankung ohne die Vorsorge erst erkannt werde, wenn sie sehr weit fortgeschritten ist. Denn die Beschwerden treten erst spät auf. Sie empfehlen den Test als IGeL ab einem Alter von 40 Jahren in zweijährigem Abstand. Kritiker sagen dagegen, bisher konnte nicht belegt werden, dass eine frühzeitige Behandlung eine Erblindung zuverlässig verhindert.

Den Arzt genau befragen

Hier liegt in den Augen des Patientenberaters Vogel das entscheidende Problem: Kassenpatienten können oft den Nutzen einer IGeL nicht einschätzen. Sein Rat lautet daher: «Gezielt nachfragen!»

Der Arzt müsse erklären, warum die zusätzliche Untersuchung sinnvoll ist. Vor allem sollten sich Betroffene nicht unter Druck setzen lassen und der IGeL sofort zustimmen. «Es gibt keine IGeL, die dringend sind», sagt Windeler.

Quelle: dpa
(Bilder: Grüne Woche Berlin; dpa)